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ARCHIV

für

Mikroskopische Anatomie

I. Abteilung für vergleichende und experimentelle Histologie und Entwicklungsgeschichte II. Abteilung für Zeugungs- und Vererhungslehre

herausgegeben von

O0. Hertwig und W. Waldeyer

in Berlin

Vierundachtzigster Band II. Abteilung

Mit 13 Tafeln und 12 Textfiguren

BONN Verlag von Friedrich Cohen

1914

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Inhalt.

Abteilung I. Erstes Heft. Ausgegeben am 10. Januar 1914.

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. Von Dr. Chas. H.O’Donoghue, aus London, Beit Memorial Fellow. (Aus dem Zoologischen Institut zu Freiburg i. B.) Hierzu Tafel I—IV und 1 Textfigur .

Zweites Heft. Ausgegeben am 12. Februar 1914. Kreuzungsversuche an Knochenfischen. Von Günther Hertwig und Paula Hertwig. (Aus der Zoologischen Station zu Neapel und dem Anatomisch - biologischen Institut zu Berlin.) Hierzu Tafel V N Die Plastochondrien in dem sich teilenden Ei von Ascaris megalocephala. Von Friedrich Meves in Kiel. Hierzu Tafel VI und VII

Drittes und viertes Heft. Ausgegeben am 30. März 1914.

Röntgenstrahlenversuche an tierischen Ovarien. II. Von Dr. Manfred Fraenkel‘, Charlottenburg. Hierzu Tafel VIII und 6 Textfiguren Über den wahren Hermaphroditismus des Menschen und der Säugetiere. Von Ludwig Pick. (Aus dem Laboratorium der L. und Th. Landauschen Frauenklinik, Berlin.) Hierzu Tafel IX—XIIl

und 5 Textfiguren .

49

59

111

119

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Aus dem Zoologischen Institut zu Freiburg i. B.

Uber die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. Von Dr. Chas. H. O’Donoghue, aus London, Beit Memorial Fellow.

Hierzu Tafel I—-IV und 1 Textfieur.

Inhalt: Seite Einleitung ... EN ER LT. E | ne 1 Material und re Ch unsstekhnil a A N En re 4 Das Corpus luteum bei: Perameles obesula h) Beramelesmasuta >... ..... er EN ea Macropus ruficollis . SER A EA N u Petrogale penicillata . 21 Phascolomys wombat.. ..... Be. AN ee el Zusammenfassung der Befunde . . . 2... ae Fr > 5 Demlrspemmerder Iüteinzellen‘, . 2 2 2... 2. 2 2 sa nu 30 Diesvermehrune. der Iuteinzellen . . . . . .. 22. 2. 20m 2236 DEROraNluvea, yerarund spunlar ı 2.2... rent Das bindegewebige Netzwerk . . . SEHR 109 Das Corpus luteum bei den eLehhieren Ma Monotreiake ee BERSLANTTEVETZEICHTUR N a ee ee A Erklärung der Tafeln. .... 93 RE RE 34,2 Eee BER EI Einleitung.

Es sind hauptsächlich zwei widersprechende Theorien über den Ursprung des Corpus luteum der Säugerovarien vorhanden. Die erste von v. Baer (2) 1827 gibt an, dass das Corpus luteum aus den Zellen der Theca follieuli entsteht. hauptsächlich aus denen der Theca interna. Die zweite von Bischoff (5) 1842 sagt, dass die Zellen des Corpus luteum sich durch eine Ver- änderung der Zellen der Membrana granulosa bilden. In den Arbeiten der neueren Autoren wird im ganzen die zweite dieser Hypothesen unterstützt, obgleich einige sich noch an die erste halten. Eine andere Theorie, welche gewissermassen ein Mittel- ding zwischen diesen beiden bildet, ist von Van der Stricht (37) aufgestellt, welcher behauptet, dass, obgleich fast alle Zellen von

der Membrana granulosa herrühren, sie doch durch Zellen, welche Archiv f.mikr. Anat. Bd.$4. Abt. II. 1

2 Chas.’H. 02Denoechue:

von der Theca interna abstammen, vermehrt werden können, und dass solche Zellen sogar in geringer Anzahl in Luteinzellen ver- wandelt werden können.

Ausser diesen wesentlich verschiedenen Ansichten, den Ur- sprung des Corpus luteum betreffend, gibt es noch viele andere Fragen über die histologischen Einzelheiten des gelben Körpers. Einige von den Autoren, welche Bischoffs Hypothese für richtig halten, bestätigen, dass die Zellen der Membrana granulosa durch Hypertrophie in die charakteristischen Luteinzellen verwandelt werden, ohne Zellteilung: während andere das seltenere oder häufigere Vorkommen von mitotischen Figuren beschreiben. Und weiter wird behauptet, dass aus der Theca interna allein das bindegewebige Netzwerk entsteht, oder dass beide, die Theca interna und externa, an seiner Bildung beteiligt sind.

Sobotta (31) war der erste, welcher diese Probleme in erschöpfender Weise bearbeitete, er untersuchte vollständige Serien von Entwicklungsstadien, dadurch erhalten, dass er Tiere zu be- stimmten Zeiten nach dem Coitus tötete: das Verhältnis der Ovulation zur Copulation war vorher festgestellt. In dieser und späteren Schriften verteidigt der Autor Bischoftfs Hypothese. Seit Sobottas erster Arbeit haben viele Forscher die Entstehung und die histologische Struktur des Corpus luteum in den Ovarien verschiedener zu den Eutheria gehörender Säugetiere untersucht und somit sind die Verhältnisse hier ziemlich gut bekannt.

Bei den beiden niederen Klassen von Säugetieren, den Monotremata und den Marsupialia, ist Bau und Bildung des Corpus luteum verhältnismässig unbekannt und bis jetzt sind nur zwei Arbeiten über diesen Gegenstand erschienen. Es ist nicht nötig, eine Aufstellung der sehr ausgebreiteten Literatur über das Corpus luteum der Eutheria zu geben, da dieses schon aus- führlich durch Sobotta (31—35), Van der Stricht (39) und auch von Marshall (22) geschehen ist. Auf die Hauptschluss- folgerungen der beiden Arbeiten über das Corpus luteum der Beuteltiere wird im Verlauf meiner Darstellung häufig verwiesen, deshalb sei hier kurz nur folgendes angeführt: In der Arbeit von Sandes (30) über „the Corpus luteum of Dasyurus with observations on the Growth and Atrophy of the Graafian follicle“ ist die Bildung und Struktur des Corpus luteum bei schwangeren Weibchen eines gewöhnlichen australischen Beuteltieres, Dasyurus

Uber die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. d

viverrinus, in allen Einzelheiten beschrieben. Die Luteinzellen entständen durch Hypertrophie der Zellen der Membrana granulosa und es finde weder direkte noch indirekte Teilung statt. Die Theca interna sei rudimentär und ihre Zellen seien ganz ver- schieden von den Zellen der Membrana granulosa, keine von ihnen werde zu Lutein enthaltenden Elementen verwandelt. Sie sei im reifen Follikel von der Theca externa nicht zu unterscheiden und bringe mit ihr zusammen das Bindegewebe des Corpus luteum hervor. Schliesslich ist darauf hingedeutet, dass das Corpus luteum eine Drüse mit innerer Sekretion sei, die für den Organismus von Nutzen ist. Die zweite Arbeit (25) betrifft die Struktur des Körpers bei nicht schwangeren Exemplaren von D. viverrinus und kommt zu dem Schluss, dass die Luteinzellen einfach die hypertrophischen und verwandelten Zellen der Membrana granulosa seien, und dass nur das Bindegewebe von der Theca follieuli ab- stamme. In keinem Stadium sei es möglich, das Corpus luteum eines schwangeren Weibchens von dem eines nichtschwangeren zu unterscheiden.

Bei den D. viverrinus soll der gelbe Körper der schwangeren sowohl als auch der nichtschwangeren Weibchen im ganzen dem der typischen Eutheria sehr ähnlich sein, so dass sie nicht zu unterscheiden sind; sie bleiben mindestens S Wochen im Ovarium erhalten, ehe sie zerfallen. Im Gegensatz dazu besitzen nach Fränkel und Cohn (12) die Placentalia ein wohlausgebildetes Corpus luteum „.... . während die Aplacentalia (Monotremata, Marsupialia) und die übrigen Tiere, deren Eier ausserhalb des Uterus zur Entwicklung kommen, einen rudimentären oder gar keinen gelben Körper aufweisen“ (Anat. Anz., Bd. XX, 1902, S. 295). Diese Behauptung wird auch von Van der Stricht wiederholt (Arch. de Biol., t. XXVII, 1912, S. 586).

’In Hinsicht auf diese Behauptung und auf die Tatsache, dass bei wenigstens einem Beuteltier das Corpus luteum als ähnlich dem eines typischen Eutherion und von langer Dauer beschrieben ist, scheint es daher angezeigt, das Entstehen und die Struktur des gelben Körpers bei anderen Beuteltieren zu unter- suchen. Ferner ist es schwer, Beuteltiermaterial zu bekommen, und bei manchen Arten wird es von Jahr zu Jahr schwieriger. Auch ist es vielleicht möglich, bei einer Untersuchung der niederen Säugetiere, wo jedenfalls einige der reproduktiven Prozesse ein-

1*

4 Chas. H. O0”Dionoghue:

facher sind als bei denen der höheren Gruppen, eine Lösung mancher anderen Probleme zu finden.

Das Material zu meiner Untersuchung wurde von Herrn Professor Hill, University College, London, gesammelt. und der Autor dankt ihm herzlich für dieses und für seine wertvollen Angaben. Ebenso danke ich Herrn Professor Doflein, in dessen Laboratorium die Arbeit ausgeführt wurde, und Herrn Professor Keibel für freundliche Hilfe und Rat. Endlich danke ich Herrn F. Pittock, University College, London, für seine Hilfe bei der Herstellung der Mikrophotographien.

Material und Untersuchungstechnik.

Protessor J. P. Hill legte während seines Aufenthalts in Australien eine grosse Sammlung von embryologischem Beuteltier-Material und von den Geschlechtsorganen der Muttertiere an. Die Ovarien dieser wertvollen Sammlung und die dazu gehörigen Angaben wurden mir zur Verfügung gestellt.

Die meisten der Ovarien waren in Picro-Sublimat-Eisessigsäure-Alkohol fixiert und in 70—90proz. Alkohol aufgehoben. Dieses ergab eine sehr gute histologische Fixation. Ein oder zwei waren in Flemmingschem und Zenkerschem Gemisch fixiert. Das ganze Ovarium oder bei grösseren Tieren der mittlere Teil des Corpus luteum und das benachbarte, zum Ovarium gehörige Grewebe wurden entwässert und in Paraffin eingebettet, wobei Sorge getragen wurde. dass der Übergang vom Alkohol zum Xylol und von diesem zum Paraftın nicht zu plötzlich geschah. Dann wurden Serienschnitte, einige von 6,6 und einige von 10 gemacht und mit Ehrlichs Hämatoxylin und Eosin gefärbt. Diese Serien wurden beständig mit den Präparaten der Corpora lutea von schwangeren ') und nichtschwangeren Dasyurus viverrinus verglichen.

Von einer grossen Anzahl Spezies wurden nur fünf ausgewählt: Perameles obesula, Perameles nasuta, Macropus ruficolis, Petrogale penicillata und Phascolomys wombat. Die beiden Arten von Perameles mögen als Vertreter der Abteilung der Peramilidae angesehen werden und mit Dasyurus.viverrinus zusammen ein Beispiel für zwei Gattungen der Unterklasse Polyprotodontia geben. Macropus ruficolis und Petrogale penicillata gehören der Abteilung der Macropodidae an und Phascolomys wombat derjenigen der Phasco- lomidae, so dass sie zusammen zwei Abteilungen der anderen Unterklasse der Marsupialia, der der Diprotodontia, vertreten. Von jeden wurden acht oder mehr verschiedene Stadien zur Prüfung ausgewählt. Die Ovarien wurden von Tieren genommen, die sich in verschiedenen Stadien der Uterus-Schwanger-

') Die Originalschnitte von Sandes (30) sind jetzt im Besitz von Professor J. P. Hill, welcher sie mir freundlichst zur Verfügung stellte.

Uber die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. >

schaft befanden und von solchen, bei denen das Junge in den Beutel über- tragen war, in manchen Fällen wurden auch Ovarien von nichtschwangeren Weibchen untersucht. Ausführliche Tabellen über die benutzten Ovarien siehe bei Besprechung der einzelnen Arten. Leider ist es weder möglich ge- wesen, das Alter der Corpora lutea genau anzugeben, noch das Verhältnis zwischen Kopulation, Ovulation und Befruchtung: auch die Zeit, welche der Embryo zu den verschiedenen Entwicklungsstadien braucht, ist noch nicht festgestellt. Einige Angaben über die Beschaffenheit der Embryonen sind jedoch gemacht worden. nach welchen die Oorpora lutea in mehr oder weniger aufeinander folgenden Reihen angeordnet werden können, und wenn die Ver- hältnisse der Fortpflanzung besser bekannt sind. werden sie auch eine an- nähernde Bestimmung ihres Alters zulassen (siehe die Tabellen).

Die hier angenommenen Bezeichnungen und Namen sind die von Sandes benutzten und scheinen die befriedigensten der bis jetzt vor- seschlagenen zu sein. Unter Corpus luteum verum verstehe ich die Bildung, welche in einem geborstenen Follikel entsteht, dessen Ei aus- gestossen ist, und zwar bei einem Tier, das darauf schwanger wird. Corpus luteum spurium ist der Ausdruck für die Struktur, die in einem ge- platzten Follikel entsteht bei einem Weibchen, bei dem keine Schwanger- schaft der späteren Ausstossung der Eier folgt. Waldeyer (42) hat vor- geschlagen. diese Ausdrücke aufzugeben, und wenn sie irgend welchen Unterschied im inneren Aufbau der Drüsen dieser beiden Fälle in sich schliessen sollen. ist er wahrscheinlich im Recht. Andererseits ist es bequem, die beiden Ausdrücke zu gebrauchen, um anzugeben. ob das Corpus luteum in einem schwangeren oder nichtschwangeren Weibchen auftritt: ein Unter- schied in Struktur oder Dauer des gelben Körpers soll hiermit nicht an- gedeutet sein. Es wird nicht beabsichtigt, in irgend einer Weise die degene- rierten Follikel oder das Corpus luteum atreticum zu behandeln, bei welchen kein Ei ausgestossen wird, und dessen Struktur nichts gemein hat, mit der der anderen beiden Arten von Corpora lutea. Die folgende Abhandlung be- schäftigt sich hauptsächlich mit den Corpora lutea vera, obgleich in gewissen Fällen auch die Corpora lutea spuria herangezogen werden.

Perameles obesula. Angewandtes Material.

Vor der Geburt des Jungen.

Serien : I; | Stadium der embryo- Das Ovarium Die Corpora lutea j , nalen Entwicklung

1 | Zwei Övarien: a) von unregelmässigem Quer- | schnitt 3x 4,5 mm; b) im Querschnitt drei- eckig, jede Seite 4 mm

2 vorgewölbte | Corpora lutea Sehr junge sich teilende Eier

2 Gorpora lutea

6 Chas. H. O’Donoghue: erien j 3 r Stadium der embryo- n Das Ovarium Die Corpora lutea - a Nr. nalen Entwicklung 2 Zwei Ovarien: a) von unregelmässigem Quer- | 2 Corpora lutea schnitt 4,5 x 3,25 mm; Sich teilende Eier b) von unregelmässigem | 2 Corpora lutea Querschnitt 4,25x 3,2 mm B) Ovarium klein von | unregelmässigem Quer- 2 Corpora lutea | Ovoide Keimbläschen schnitt 4x 3 mm | ! 2 Corpora lutea, 4 Ovarium gross von E £ Be . 1 vorgewölbt mit Junge Embryonen unregelmässigem Quer- ERALET. RN EN E Durchmesser (Keimbläschen ?) schnitt 5 x 4,25 mm = i 2,75 mm x S £ 3 vorgewölbte B) ÖOvarium, gross im a loten Querschnitt, dreiblättrig, p x Keimbläschen E L i Durchmesser 5x525 mm Er 225 mm 6 ıOvarium im Längsschnitt EEE 2 Corpora lutea | Junge Embryonen rechteckig 5,25x 4,25 mm > 7 |Ovarium im Längsschnitt A Junge flach aus- 2a = 1 Corpus luteum 3 oval 5,5 X 2,5 mm gebreitete Embryonen Nach der Geburt der Jungen. Serien i IR: Stadium der embryo- & Das Ovarium Die Corpora lutea 3 3 Nr. nalen Entwicklung S |Ovarium im Längsschnitt) 1 vorgewölbtes Er e Neugeborenes Junges länglich oval 7 x 3 mm| Corpus luteum 9 \Ovarium im Längsschnitt x NR 2 Corpora lutea Junges, 15 mm lang rechteckig 5 x 4 mm 10 |Ovarium im Längsschnitt fast rund. Durchmesser! 1 Corpus luteum Junges, 19 mm lang 4,25 mm 11 ‚Ovarium im Längsschnitt fast rund. Durchmesser| 1 Corpus luteum | Junges, 20 mm lang 3,75 mm 12 Ovarium im Längsschnitt 1 Corpus luteum | Junges, 22 mm lang

oval 5,75 x 3,75

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‚Uber die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren.

Nichtschwangere Weibchen.

Serien | a be N | Das Ovarium | Die Corpora lutea Nr. | | a ; RR 2 Corpora lutea zusammengesetzt 13 ÖOvarium von unregelmässigem : . 2}. e FREE a ' und in einem frühen Bildunes- Querschnitt 5,25 X 3.25 mm | 2 stadium j = : | 1 vorgewölbtes Corpus luteum 14 Ovariam im Längsschnitt AN 3 | Eu Bu: ı 2,5 mm im Durchmesser und rundlich 4.25 x 3,75 ER F | völlig ausgebildet

Die Ovarien sind klein, die grössten erreichen nur ein Maß von 5,25 x 5 mm, ihre Oberfläche und ihr Umriss sind gewöhnlich unregelmässig und sie besitzen in der Regel zwei Corpora lutea. Hierin unterscheiden sie sich von den Ovarien des Dasyurus viverrinus, bei denen gewöhnlich zehn oder gar mehr Corpora lutea in jedem zu finden sind, in einem Ovarium von P. obesula (in Nr.5) sind drei vorhanden, die grösste Zahl, welche gefunden wurde. Die Ovarien wurden ungefähr 10 z, einige 8 dick ge- schnitten, um die histologischen Einzelheiten genauer zu studieren. Die Tiere lieferten eine sehr reichhaltige Serie von frühen Bildungsstadien des Corpus luteum und bei den zwei sehr frühen wurden beide Ovarien geschnitten, so dass es möglich war, den Bildungsprozess ausführlich zu untersuchen. Die Fixation war durchaus gut. Diese frühen Stadien sind die entscheidenden für die Bestimmung der Veränderungen, welche in den verschiedenen Teilen der Follikelwand während der Verwandlung in ein Corpus luteum vorsich gehen.

Die Follikelwand

Der Follikel von P. obesula ist im ganzen dem eines typischen Säuge- tieres sehr ähnlich, und daher ist es nicht nötig, ihn ausführlich zu be- schreiben. Seine Bildung und sein Wachstum sind ebenfalls dem von Sandes (30) bei D. viverrinus beschriebenen ähnlich. In einem mässig vorgeschrittenen Follikel, der eine gut abgegrenzte zentral gelegene Höhle enthält, in welcher das Ei in seinem Discus proligerus nicht symmetrisch liegt, ist die Wand wie folgt beschaffen. Angrenzend an die Zentralhöhle besteht das Follikelepithel aus einer Anzahl kleiner Zellen mit kleinen Nuclei und ist ungefähr acht oder neun Zellen hoch. Diese Zellen, in denen mitotische Figuren gelegentlich zu sehen sind, sind dicht zusammengehäuft; sie bilden die Membrana granulosa, in welcher kein Blutgefäss oder Binde- gewebe gefunden wird. Es folgt nach aussen eine homogene durchsichtige Membran, die Membrana propria, die scharf von dem benachbarten Gewebe abgrenzt. Es folgt die Theca folliculi, eine Struktur, die von dem Stroma des Ovariums abstammt, und in welcher zwei verschiedene Schichten unter- schieden werden können, obwohl sie nicht annähernd so scharf differenziert voneinander sind, wie das bei den höheren Säugetieren der Fall ist. Die innere dieser beiden Schichten, die Theca interna, besteht aus vielen dicht

fe) Chas. H. O’Donoghue:

gehäuften, kleinen Zellen mit ovalen Nuclei, und man findet in ihr zahlreiche kleine Kapillargefässe, durch welche die Ernährung des inneren Teiles des Follikels geschieht. Diese Zellen sind denen der Membrana granulosa nicht ähnlich, eine Tatsache. die es erleichtert, ihre späteren Veränderungen zu verfolgen. Die äussere Schicht, die Theca externa, besteht aus lang aus- gezogenen Zellen mit langen schmalen Nuclei und verschmilzt allmählich mit dem benachbarten Gewebe.

Wenn der Follikel reifer wird. nimmt er sehr an Grösse zu, und die Stärke der Membrana granulosa wird entsprechend reduziert. Zur selben Zeit dehnt sich die Theca follieuli mehr und mehr aus und der Unterschied zwischen Theca interna und externa wird weniger bemerkbar. Während dieses Wachstums sieht man häufig Mitosen in der Membrana granulosa und auch in den zwei Schichten der Theca follieuli.

Von den untersuchten Ovarien dieser Art enthält keines einen ganz reiten Follikel, aber in Nr. 8 findet sich ein mässig vorgeschrittener. Bei diesem Follikel bildet die Membrana granulosa ein Epithel von nur drei oder vier Zellen Tiefe. Die Zellen sind vieleckig. liegen dicht zusammen und haben runde Kerne mit einem deutlich sichtbaren Nukleolus, aber Anzeichen von Mitosen sind nirgends zu sehen. Das Ei, welches den ersten Richtungs- körper noch nicht gebildet hat, liegt an einem Ende der Zentralhöhle. Man sieht eine deutliche Membrana propria und weiter nach aussen die Theca follieuli. Die beiden Schichten der Theca unterscheiden sich voneinander und zeigen den vorhin geschilderten Bau.

Der frisch gesprungene Follikel.

Nach dem Bersten des Follikels und dem Austreten des Eies rücken die Ränder der geborstenen Stelle schnell zusammen und verschmelzen mit- einander. Eine Anhäufung von Epithelzellen, der sogenannte „Bouchon epithelial“, wie Sandes sie bei D. viverrinus beschrieben und abgebildet hat (Sandes’ Fig. 9), scheint nicht gebildet zu werden. Es ist jedoch dadurch möglich, die Durchbruchsstelle zu erkennen, dass hier das junge Corpus Iuteum häufig leicht ausgebuchtet ist und auch das Ovarial-(Keim- epithel)Epithel fehlt. In einer Serie (Nr. 13) sind die neu entstandenen Zellen wie durch Druck herausgetrieben, so dass sie eine etwas zugespitzte Verwölbung an der Oberfläche des Ovariums bilden. Weder in dieser noch in den folgenden Arten scheint der Follikel nach dem Platzen sehr zusammen- gefallen, wie Sobotta es bei der Maus usw. (31-35) beschrieben und ab- gebildet hat. Bei diesen Arten scheint das Platzen nicht so stark auf die Struktur des Follikels einzuwirken, dass ein frisch geplatzter Follikel ein wesentlich anderes Aussehen hätte.

Das allgemeine Aussehen des Follikels hat sich gleich nach dem Aus- treten des Eies nicht verändert, ausgenommen, dass er etwas kleiner geworden ist, seine Epithel-Bekleidung etwas dichter und dass weniger Gerinnsel in ihm sind, und weiter fehlen für gewöhnlich Blutkörperchen in seiner Zentralhöhle oder, wenn überhaupt, sind sie nur in kleiner Anzahl vorhanden. Es sind keine Spuren eines Discus proligerus zu sehen, wenn

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. J

auch einige frei gelegene Epithelzellen in der Zentralhöhle seine Überreste darstellen.

Genauere Untersuchungen ergeben jedoch die Tatsache, dass Ver- änderungen von beträchtlicher Bedeutung stattgefunden haben. Die Membrana propria (in Nr. la z. B.), welche früher den inneren Teil des Follikels voll- kommen umschloss, ist an vielen Stellen durch Einwucherungen der Theca follieuli unterbrochen. Diese Einwucherungen sind fast alle von Blutgefässen begleitet, die zu den zahlreichen Kapillaren der Theca interna führen und an ihrer Basis haben sie häufig eine im Durchschnitt dreieckig erscheinende Bluthöhle dort, wo grössere Gefässe aus den Kapillaren entstehen. Hier ist also die erste auffallende Verschiedenheit zwischen dem reifen Follikel und dem jungen Corpus luteum dargelegt. Bei ersterem ist die Membrana granulosa scharf von der Theca folliculi durch die Membrana propria ab- gegrenzt, und enthält keine Blutgefässe; bei letzterem ist die Membrana propria unterbrochen und infolgedessen gibt es keine scharfe Trennungslinie zwischen der Theca folliculi und den Luteinzellen, wie sie jetzt genannt werden müssen. Ferner liegen zwischen den Luteinzellen viele kleine Blut- gefässe, welche (wie in Nr. 1) mehr oder weniger mit Blut gefüllt sein können. Die Sprossen des Thecagewebes stammen grösstenteils von der Theca interna ab, und diese Schicht wird bis zu einem gewissen Grade auf- gebraucht, aber nicht völlig. Die Theca externa scheint auch an den Ein- wucherungen teilzunehmen, aber nicht in so hohem Grade wie die Theca interna. Bei den Einwucherungen der Theca folliculi in den früheren Stadien sind die Luteinzellen noch nicht bis zur Zentralhöhle vorgedrungen.

Ein gewisser Grad von Veränderung hat auch in den Zellen der Membrana granulosa stattgefunden. Sie haben sowohl an Grösse des Zell- körpers als auch der des Kernes zugenommen. aber sie zeigen noch nicht die charakteristische Granulation der Luteinzellen späterer Stadien. In Nr. 1a sind diese Zellen in einer die Zentralhöhle umgebenden Schicht von ungefähr vier oder fünf Zellen Tiefe angeordnet.

Die Bildung des Corpus luteum verum.

In Nr. 1b sind alle vorigen Prozesse etwas weiter fortgeschritten. Die Sprossen der Theca follieuli haben die Luteinzellen durchdrungen und breiten sich aus, wie um eine Schicht über ihrer inneren Oberfläche zu bilden. Die Luteinzellen selber und ihre Kerne sind wenig grösser und sind zu einer Schicht von sieben oder acht Zellen Tiefe angeordnet.

Die nächsten zwei Ovarien (Nr. 2a und 2b) zeigen vorgeschrittene Stadien der Entwicklung des gelben Körpers. Das Bindegewebe, welches von den Thecaeinwucherungen abstammt, breitet sich über die innere Ober- fläche der Luteinzellen aus, um eine mehr oder weniger deutlich abgegrenzte Schicht zu bilden, so dass die Zentralhöhle eine Auskleidung von Bindegewebe hat. Wenn die Entwicklung fortschreitet, nimmt die Zentralhöhle an Grösse ab, aber einige Zeit ist sie von Bindegewebe ausgekleidet. Diese Auskleidung der Zentralhöhle mit Bindegewebe trifft man bei D. viverrinus nicht an. Dort geht das Bindegewebe, nachdem es die Zellen der Membrana granulosa

10 Chas. H. 0’Donoghue:

durchbrochen hat, geradeswegs in die Zentralhöhle und füllt sie schnell. indem sie einen Zentralpfropf bildet. Bei P.obesula verharrt die Zentral- höhle einige Zeit in dem oben beschriebenen Zustand und wird erst später vom Bindegewebe ausgefüllt.

Bei alle den vorhergehenden frühen Stadien trifft man nicht selten Mitosen, und sie kommen in allen Teilen des Gewebes vor; so in den sprossenden Zellen der Bindegewebs-Einwucherungen oder in den Wänden der neuen Gefässe, welche sie begleiten. Andere kommen in der Nähe der Blutgefässe vor, und wenn die longitudinale Achse der Spindel mit der Wand des Gefässes parallel ist, gehören sie auch fast sicher dem Bindegewebe an. Wenn man eine gewisse Anzahl von Mitosen, welche nun in Bindegewebs- zellen liegen mögen oder nicht, ausser Betracht lässt, so bleiben doch noch einige, welche ohne Zweifel in den jungen Luteinzellen gelegen sind. Sie er- scheinen in der Mitte von Gruppen von Epithelzellen, zwischen die das Bindegewebe noch nicht eingedrungen ist. Ferner ist es möglich, unzweifel- hafte Luteinzellen zu finden, in denen die Kerne verschiedene Stadien der Prophase der mitotischen Teilung zeigen. Dieses ist auch abweichend von den Verhältnissen bei D. viverrinus, denn dort ist es festgestellt, dass bei den schwangeren (30) und nichtschwangeren (25) Weibchen Mitosen fehlen.

Die folgenden Stadien zeigen eine Zunahme der Grösse der Lutein- zellen und ihrer Kerne und den Anfang ihrer charakteristischen Körnelung. Da das Corpus luteum nicht an Grösse zunimmt, wächst die Zahl der Schichten der Luteinzellen und die Zentralhöhle wird dementsprechend reduziert. Gleichzeitig wird die Bindegewebsauskleidung dichter, teilweise durch tatsächliches Wachsen, zum Teil aber auf mechanischem Wege durch die Grössenreduktion der Zentralhöhle. Das Bindegewebe und die neu ent- standenen Blutgefässe haben sich noch mehr verzweigt. so dass sie ein durch die Luteinzellen laufendes Netzwerk bilden. Einige Mitosen sind zu finden, aber sie beschränken sich auf die Bindegewebszellen. In den meisten Fällen laufen die Hauptäste des Bindegewebes von der Theca durch bis zum Zentralpfropf, so dass das Corpus luteum in eine Anzahl von Zell- reihen zerlegt ist. Dies ist nicht überall gut sichtbar und verschwindet im Laufe des ferneren Wachstums bis zu einem gewissen Grade, dagegen ist es in dem völlig ausgewachsenen Corpus luteum gut zu erkennen.

Die oben angeführten Veränderungen sind vor sich gegangen, ehe der Embryo das Keimbläschenstadium seiner Entwicklung überschritten hat (Nr. 1-4). Später kommen keine auffallenden Veränderungen mehr vor. Die Zentralhöhle verschwindet ganz und der Pfropf von Bindegewebe wird durch das weitere Wachstum der Luteinzellen reduziert und dichter zusammen- geschichtet. Die Luteinzellen werden immer körniger, bis sie gewöhnlichen Drüsenzellen in lebhaftem Sekretionszustande gleichen, und das Bindegewebe verzweigt sich weiter zwischen ihnen.

Das völlig ausgebildete Corpus luteum verum.

Das völlig ausgebildete Corpus luteum von P. obesula ist ein gut erkennbares Gebilde, welches einen Durchmesser von 2,5 zu 2,75 mm erreicht.

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 11

Von aussen ist es durch eine Bindegewebsscheide mit zahlreichen Kapillaren begrenzt, welche die gewöhnliche Schichtung in Theca interna und externa zeigt. Die äussere Schicht ist fibrös, und die innere Schicht, welche stark reduziert ist, besteht aus wenigen Zellen, welche beträchtlich kleiner als die Luteinzellen sind, aber nicht so in die Länge gezogen wie die Zellen der fibrösen Schicht (siehe das früher Gesagte).

Das Zentrum besteht auch aus Bindegewebe und ist zu einer stern- förmigen Masse angeordnet. Zwischen diesen beiden Teilen liegt die Haupt- substanz des Corpus luteum, bestehend aus drüsigen Zellen, Bindegewebe und Blutgefässen. Die Luteinzellen sind grosse Zellen‘ mit grossen runden Kernen und haben viele Körnchen. Die Körnelung gibt dem ganzen Organ seine charakteristische, intensiv gelbe Farbe. Diese Körnchen verschwinden im Laufe der Präparation der Schnitte, ausser, wenn das (rewebe in einer Osmiumsäure enthaltenden Flüssigkeit fixiert wurde: eine Tatsache, welche darauf hindeutet, dass das Sekret eine fettähnliche Substanz ist (siehe 39). Die Luteinzellen scheinen die modifizierten Epithelzellen der Membrana granulosa zu sein, nach mitotischer Teilung an Umfang vergrössert; und nichts spricht dafür, dass die Zellen der Theca interna sich zu ähnlichen Elementen umformen. Das Bindegewebe bildet ein verwickeltes Netzwerk, welches sich durch das Ganze verzweigt. Es stammt von beiden Schichten der Theca fulliculi ab, infolge seiner Entstehung wird die Theca interna, welche den grössten Teil dazu beiträgt, in hohem Grade aufgebraucht. Die Blutgefässe entstehen als Auswüchse der Theca folliculi-Kapillaren und bilden ein Netzwerk. Ihre Wandungen bestehen aus einer einfachen Schicht äusserst platter Endothelzellen, so dass sie Gefässe bilden ähnlich denen, welche in der Leber und Niere der Amphibien gefunden wurden und den Namen „Sinusoide“ (24) bekommen haben.

Das Corpus luteum ist dem von D. viverrinus sehr ähnlich, nur dass es kleiner ist, im Verhältnis wie das Tier selbst kleiner ist, und es zeigt verhältnismässig viel Luteingewebe im Vergleich mit dem Ovarium als ganzem. In seinem völlig entwickelten Stadium ist es auch dem eines typischen Eutherion ähnlich.

Wenn seine Entwicklung vollendet ist, z. B. in B 5, werden seine Zellen äusserst körnig, und es bleibt auf den hier untersuchten Serien unverändert. Nr. 11 gibt ein interessantes Beispiel eines ausgewachsenen Corpus luteum, in welchem durch die Hauptbindegewebszüge und Blutgefässe die Luteinzellen in eine Anzahl strahlenförmiger Reihen angeordnet sind. Leider ist es unmöglich, eine genaue Angabe über die Dauer der Drüse zu geben, weil die untersuchten Serien die Degenerationsstadien nicht in sich schliessen. Sie ist jedoch vor der Geburt des Jungen ausgewachsen und bleibt bis zu der Zeit, wo das Junge im Beutel eine Grösse von 22 mm erreicht hat, ohne irgend ein Zeichen von Abnahme oder Degeneration.

Das Corpus luteum spurium.

Nr. 13 und 14 liefern zwei interessante Beispiele von der Entstehung von Corpora lutea spuria, denn beide wurden von nichtschwangeren Weibchen

12 Chas. H.O’Donoshwe:

gewonnen. Das erste von ihnen ist in einem frühen Entwicklungsstadium und die beiden Corpora lutea lagen ganz dicht zusammen. Die Lutein- zellen haben sich etwas vergrössert und sind zu einer Schicht von ungefähr zehn bis zwölf Zellen Tiefe angeordnet: die Membrana propria ist ver- schwunden. Die Sprossen der Theca folliculi haben schon die Luteinzellen durchbrochen und breiten sich über ihre innere Oberfläche aus, um eine Bindegewebsbekleidung für die Zentralhöhle, welche noch gross ist, zu bilden. Wie vorher beschrieben, sind bei einem dieser Corpora lutea die Luteinzellen an der Durchbruchsstelle des Follikels herausgetrieben, um eine zugespitzte Vorwölbung zu bilden, über welche das das Ovarium bedeckende Epithel und das Bindegewebe noch nicht hinüber gewachsen sind. Mitosen sind keineswegs häufig und scheinen besonders in den Luteinzellen sehr selten zu sein. Beide Corpora lutea sind in einem Mittelstadium zwischen Nr. 2b und 3 und sind durchaus nicht von Corpora lutea vera zu unterscheiden.

Das zweite von den beiden Öorpora lutea ist im ausgewachsenen Zustande. Die Zentralhöhle ist ganz verschwunden und ihr Platz ist von einem Bindegewebspfropf eingenommen. Eine Anschwellung an der einen Seite zeigt die Durchbruchsstelle des Follikels an, aber das Övarialepithel und die Bindegewebsscheide sind vollständig darüber gewachsen. Sorgfältige Untersuchung deckt keinen Unterschied zwischen diesem und einem Corpus luteum verum auf.

Es stehen keine Angaben zu Gebote, durch welche die Dauer dieses Körpers in dem nichtschwangeren Weibchen festgestellt werden kann.

Es ist nicht möglich, weder während des Wachsens noch in dem völlig entwickelten Stadium, einen histologischen Unterschied zwischen Oorpus luteum spurium und Corpus luteum verum zu finden.

Perameles nasuta.

Angewandtes Material.

Vorder Geburt der Jungen

Sa m Serien |

Nr.

: BIGE ' Stadium der embryo- Das Ovarium Die Corpora lutea | b u nalen Entwicklung

1 Ovarium von unregel- mässigem Querschnitt | 1 Corpus luteum 85x45 mm |

1 Uuterus enthält ein Bi | s in Furchung

2 Övarium von unregel- | mässigem Querschnitt 1 Corpus luteum | Frühe Keimbläschen 3x5 mm

Ovarium klein, von unregelmässigem Quer- | 1 Corpus luteum schnitt 4x3 mm

Früher Schwanger- schafts-Stadium

Uber die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren.

13

Serien E I; Stadium der embryo- Das Ovarium | Die Corpora lutea e 3 Nr. nalen Entwicklung 1 Corpus luteum 4 | Ovarium von unregel- |2,5 mm im Durch- | Flach ausgebreiteter mässigem Querschnitt |messer, einen grossen Embryo von 3x4 mm Teil des Ovariums 10 Ursegmenten bildend | 5 Zwei Övarien a) von | unregelmässigem Quer- | 1 Corpus luteum schnitt 42x 3,5 mm | Junger Embryo | b) von unregelmässigem 1 Corpus luteum | Querschnitt 4,5 x 3 mm Nearch derz@eburt der Jungen. Serien 5 up Stadium der embryo- Das Ovarium Die Corpora lutea i 3 Nr. nalen Entwicklung | I s B 5 , Br 6 \Ovarium im Querschnitt Gr Li u: ; srösste Länge 1: unregelmässig oval 1 Corpus luteum =. 2 5 in mn | = | opflänge 7; | 4,75x 3,25 mm | a I Fr —. 7 Övarium von unregel- | a 1 20 er e : | Grösste Länge 2: mässigem Querschnitt 1 Corpus luteum Be 3 10 > um I ( ange [9] 55xXx4 mm 'P = a - - | fo) Ovarium klein, von re EI 3 e 4 rösste Länge 24,5 mm | unregelmässigem Quer- | 2 Corpora lutea e eh mE ä | SR ae opflänge 11,5 mm schnitt 3,5 x 2,5 mm p > 9 Ovarium von unregel- | rn: Br IR ä r rösste Länge 35 mm mässigem Querschnitt 1 Corpus luteum || I A = 2 optlänge mm 6x 3,25 mm | ! = : E | 10 Ovarium von unregel- | a ern ER: i Dre Grösste Länge 36 mm mässigem Querschnitt 2 Oorpora Intea Kopflä 8 ZEE opflänge 15 mm 5x 3,25 mm P iz 11 | Ovarium im Querschnitt a 7 BETEN; - z Grösste Länge 39 mm dreieckig, jede Seite 1 Corpus luteum | PER Er ı Kopflänge 20 mm 5,25 mm | 12 Ovarium von unregel-

mässigem Querschnitt 5x45 mm

1 Corpus luteum

(rösste Länge 45 mm ' Kopflänge 22 mm

14 Chas..H. O’Donoghue:

Wie zu erwarten, besteht nur ein sehr kleiner Unterschied zwischen dieser und der vorgehenden ihr nahe verwandten Art. Die Ovarien sind im ganzen etwas kleiner, und das grösste vorstehende Corpus luteum hat einen Durchmesser von 2,5 mm. Die Ovarien haben auch eine unregel- mässigere Oberfläche als bei P.obesula, obgleich das Corpus luteum mit einer Ausnahme in Nr. 4 nicht in so auffallender Weise hervorsteht. Im der Regel enthalten die Ovarien auch nur ein Corpus luteum, wennschon in einigen Fällen zwei vorhanden sein können (Nr. 7 und 9). Die Serien wurden 5, 7,5 und 10 dick geschnitten. Diese Art liefert nicht genau solch vollständige Serie von frühen Entwicklungsstadien wie die vorhergehende. Bei Nr. 1, in welchem ein Uterus ein sich früh furchendes Ei enthält, wurde ein frühes Stadium erwartet, aber das Corpus luteum war völlig ausgewachsen und seine Gefässe voll von Blut. Alle Spuren der Zentralhöhle waren ver- schwunden, so dass es unverkennbar ein ziemlich vorgerücktes Stadium ist. Diese Tatsache deutet an, dass in diesem Fall eine beträchtliche Zeit zwischen Ovulation und Furchung liegt. Die Serie genügt, um zu zeigen, dass das Corpus luteum dem der vorhergehenden Art sehr ähnlich ist.

Die Follikelwand.

Die oben gegebene Beschreibung von P. obesula lässt sich gleich gut hier anwenden, denn die Follikel der beiden Arten sind fast identisch. Bei dem reifen Follikel ist die Membrana granulosa dünn, fast nur drei Zellen tief, und das Ei, von dem Discus proligerus umgeben, liegt an einer Seite des Follikels. Die Membrana propria ist gut sichtbar und trennt den inneren Teil des Follikels vollständig von seiner Theca. Zwei Schichten, eine dünne Theca interna und eine Theca externa, sind in der Bindegewebs- scheide zu erkennen.

Corpus luteum verum.

Hier finden wir wieder eine grosse Ähnlichkeit mit den entsprechenden Vorgängen bei P. obesula. Die Bindegewebssprossen, die hauptsächlich von der Theca interna, aber zum Teil auch von der Theca externa ausgehen, durchbreehen die Membrana propria und später die jungen Luteinzellen, an deren innerer Wand sie eine die Zentralhöhle begrenzende Schicht bilden. Einem interessanten Verhalten begegnen wir in Nr.2, wo die Umbildung des Follikels in ein Corpus luteum nicht in allen Teilen des Umkreises gleichmässig stattgefunden hat. An der Seite des Gebildes nahe der Aussen- wand des Ovariums sind die Vorgänge weiter fortgeschritten als an der anderen Seite und folglich liegt die Zentralhöhle exzentrisch. An der Innen- seite sind weder die Luteinzellen noch ihre Kerne sehr gross, und sind zu einer Schicht von ungefähr vier Zellen Tiefe angeordnet. Die 'I’heca- Einwucherungen sind nicht sehr zahlreich und haben die Luteinzellen nicht völlig durchbrochen, Spuren der Membrana propria sind noch vorhanden, so dass diese Seite des Corpus luteum genau Nr. 1a in P.obesula entspricht. Andererseits ist die Aussenseite bedeutend weiter vorgeschritten, so dass sie mehr Nr. 13 bei P.obesula gleicht. Beide, die Luteinzellen und ihre Kerne, sind sichtlich hypertrophiert. Die Bindegewebssprossen sind zahl-

m

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 15

reicher und haben sich ausgebreitet, um eine Schicht um die innere Wand der Zentralhöhle zu bilden. Die Membrana propria ist ganz verschwunden. Der Übergang von dem fortgeschritteneren Zustand zu dem jüngeren ist an einer Seite ganz plötzlich, an der anderen nur allmählich. In den ver- schiedenen Geweben sind Mitosen zu finden. Sie treten in den Luteinzellen der weniger vorgeschrittenen Seite nur selten auf und in der anderen Seite überhaupt nicht.

Es ist kein Grund zu erkennen, weshalb die beiden Seiten des Follikels sich ungleich entwickelt haben, denn das benachbarte Gewebe scheint ganz normal zu sein.

Nr. 3 ist ein Beispiel eines fast völlig entwickelten Corpus luteum, welches genau dem in Nr. 4 von P.obesula entspricht. Die Zentralhöhle ist so gut wie verschwunden, obgleich Spuren von ihr noch zu sehen sind. und der Bindegewebspfropf ist noch nicht in der charakteristischen Weise des älteren Corpus luteum fest zusammengeschichtet. Die Drüse hat auch ihre grösste Ausdehnung erreicht und hat ungefähr einen Durchmesser von 2,5 mm.

So stimmen die beiden Arten von Perameles und auch die der D. viverrinus miteinander überein, bei welchen das Corpus luteum völlig entwickelt ist, während der Embryo sich im Keimbläschenstadium befindet.

Das völlig ausgebildete Corpus luteum.

Es ist unnötig, das ausgewachsene Corpus luteum zu beschreiben, weil die schon für die P.obesula gegebene Beschreibung in allen Einzel- heiten auch hier zutrifft. Die Strukturen der Corpora lutea der beiden Arten sind so ähnlich, dass man sie auf keinerlei Weise unterscheiden kann.

Es stehen keine Angaben zu Gebote, um die Dauer der Gebilde fest- zustellen, aber sie bleiben den Rest der Serien hindurch in einem unver- änderten Zustand, und in Nr. 12 sind keine der degenerativen Veränderungen, welche für die-abnehmende Drüse charakteristisch sind, zu bemerken. Bei diesen Arten ist die Drüse noch völlig auf der Höhe ihrer Entwicklung, wenn die Jungen eine Länge von 45 mm erreicht haben, d. h. wenigstens dreimal so lang sind wie Neugeborene.

Macropus ruficollis. Angewandtes Material.

Vor der Geburt der Jungen.

Serien 7 Bas, ...; Stadium der embryo- 21 ie Corpora lutea : Nr. run u arpora. in nalen Entwicklung 1 Zwei Ovarien: a) im Querschnitt oval 1 Corpus luteum IFIEE ST aEmmS Junges Ei, 15 x 19 mm

b) im Querschnitt rundlich 9 x 10 mm

1 Corpus luteum

16 Chas. H. O’Donoghue:

Serie e : | Stadium der embhryo- Den Das Ovarium Die Corpora lutea > 3 Nr. ' nalen Entwicklung 2 Zwei Ovarien: a) im Längsschnitt rundlich | 1 Corpus luteum | 7,15 x 6,75 mm; Junges Ei, 23x 21 mm b) im Längsschnitt oval | ) on 5 1 Corpus luteum 8,5 x 5,75 mm 3 ium ım Längsschnitt ; 2 en en en 1 Corpus luteum Ei, 26 x 25 mm ovalall7aPXascmm 4 Zwei Ovarien: a) im | ‚schnitt unregel- 1 Corpus luteum R : 3 s 3 nn Frühes Keimbläschen mässig 6 X 9.75; ® SER & i S mm Durchmesser b) im Längsschnitt satten rundlich Sx 9 mm u) 5 |Ovarium im Durchschnitt :: | Frühes Keimbläschen : 5 3 1 Corpus luteum = rechteckig 11,5 x 8.5 ı 1,27 mm Durchmesser 6 |Ovarium im Längsschnitt 1 Corpus luteum | Frühes Keimbläschen oval 9,75 x 7 mm Durchmesser 7,5 mm| 1,5 mm Durchmesser | h N } 1 Corpus luteum | Be r 7 \Ovarium im Durchschnitt I f Spätes Keimbläschen | “2. Durchmesser \ etwa oval 14 x 7,5 mm NER 2.6 mm Durchmesser (‚5 mm | | | 1 4 1 Corpus luteum | S Ovarium im Durchschnitt ES Früher Embryo rechteckig 10 x S mm ner 5.2 mm len schneiden sichtbar Ir $ Zwei Ovarien: a) im Durchschnitt oval 1 Corpus luteum 92952. 62mmE Embryo, 7 mm lang b) im Durchschnitt oval E Bo = 1 Corpus luteum (25 x 4,5 mm 10 Zwei ÖOvarien: a) im Durchschnitt oval 1 Corpus luteum 102%6°9.mmE Später Embryo, 15 mm b) im Durchschnitt oval, ar } Kan En : 1 fast reifer Follikel 13’x 75 nm Nichtschwangere Weibchen. Ovarium, klein

E [7] IX X mm

sichtbar

| 1 Corpus luteum nur beim Zerschneiden

I

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 1

Diese Art lässt uns hinsichtlich der Corpora lutea im Stich. Sie ist besonders reich an frühen Stadien der embryonalen Entwicklung, aber in fast allen von ihnen ist das Corpus luteum völlig ausgebildet. Sogar bei den drei Tieren, bei welchen die Uteri Eier im Furchungsstadium enthielten, und welche nach der Untersuchung der vorhergehenden Serien ganz junge Entwicklungsstadien erwarten liessen, waren die Corpora lutea schon voll- kommen ausgebildet. In einem Fall jedoch, d.h. in Nr. 5, in welchem der Uterus ein frühes Keimbläschen von 1,27 mm Durchmesser enthielt, ist das Corpus luteum auf einem frühen Stadium einige Zeit vor dem Verschwinden der Zentralhöhle. Noch in einem anderen Fall, nämlich in Nr. 7, ist das Corpus luteum gerade fast völlig ausgewachsen und Reste von der Zentralhöhle sind noch zu sehen. Dieses Fehlen von frühen Stadien deutet an, dass gewöhnlich eine beträchtliche Zeit zwischen Ovulation und Furchung vergeht. Es mag sein, dass im allgemeinen die Kopulation einige Zeit nach der Ovulation stattfindet oder, wenn diese dicht zusammenliegen, vielleicht einige Zeit zwischen Ovulation und Befruchtung vergeht. Das erstere ist nicht unwahr- scheinlich, wie bei D. viverrinus gezeigt wurde, wo die Ovulation gänzlich unabhängig von der Copulation ist (15).

Ein anderer in die Augen fallender Unterschied ist zwischen den Övarien der vorliegenden Art und denen von D. viverrinus und Perameles gefunden worden. Bei der genauen Untersuchung aller ÖOvarien von M. ruficollis sind Reste von alten Corpora lutea in mehr oder weniger degenerativem Zustand zu finden. Hinsichtlich des Oestrus von D. viverrinus (15) hat es sich gezeigt, dass dieses Tier eine einmalige Brunstzeit im Jahr erlebt und weiter, dass während dieser Brunstzeit nur ein Oestrus und eine Ovulation stattfmden. So liegt ein Jahr zwischen einer Ovulation und der nächsten, und das Ovarium enthält so stets nur eine Art von Corpora lutea, alle in demselben Alter. Bei M.ruficollis zeigt das Vorhandensein von Corpora lutea von zwei verschiedenen Stadien in demselben Ovarium an, dass zwei Ovulationsperioden in verhältnismässig kurzer Zeit nacheinander vor- kommen müssen. Dieses deutet an, dass entweder zwei Oestri mit ihren sie begleitenden Ovulationen in der einen Zeugungsperiode stattfinden, oder dass zwei Zeugungsperioden, jede mit einer einzigen Ovulation, ziemlich schnell aufeinander folgen.

Noch ein weiterer Unterschied ist zwischen M. ruficollis und beiden D.viverrinus und Perameles vorhanden, insofern als auch ein anderes Gewebe mehr oder weniger ausgedehnt in dem Stroma aller Ovarien dieser Serien als Zuwachs der tätigen Corpora lutea und der älteren, der Corpora fibrosa, zu finden ist. Es nimmt die Gestalt von mehr oder weniger grossen gut umgrenzten Zellgruppen an, welche dicht zusammengefügt sein können und daher ziemlich grosse Gewebemassen bilden oder durch Bindegewebe oder ein anderes Gewebe voneinander getrennt sein können und so eine Anzahl von Inseln bilden, die über das Ovarialstroma verstreut sind. Diese Zell- gruppen sind kleinen Stückchen des Corpus luteum sehr ähnlich. Sie besitzen eine gewisse Menge von Bindegewebe, aber dieses bildet nicht ein deutlich sichtbares durch sie hindurch laufendes Netzwerk, und die charakteristischen

Gefässe scheinen fast ganz zu fehlen, obgleich schmale Kapillaren zu finden Archiv f. mikr. Anat. Bd.S4. Abt. 1. 2

15 Chas. H. O’Donoghue:

sind. Die Zellen selbst sind den Luteinzellen nicht unähnlich, können aber leicht von diesen in ihrem tätigen Zustande unterschieden werden, weil sie und ebenso ihre Kerne bedeutend kleiner sind. An Gestalt sind sie den Luteinzellen in den Corpora lutea während des degenerativen Stadiums nicht unähnlich, aber abweichend von diesen weisen sie keine Auflösungs- anzeichen weder im Zytoplasma noch im Kern auf und scheinen in einem durchaus normalen Zustand zu sein. Das ganze Aussehen dieses Gewebes ist sicher dem Luteingewebe etwas ähnlich und deutet darauf hin, dass es ein Corpus Juteum im untätigen Zustand, durch das Ovarialstroma in Frag- mente zerrissen, sein kann. Andererseits sind in denselben Ovarien tätige Corpora lutea und Corpora fibrosa einer früheren Ovulation vorhanden. Diese letzteren liegen in einem Stück zusammen, und die Bindegewebsscheide, welche sie umgibt, wird in der Tat dichter und fibröser und in ihren Zellen sind degenerative Erscheinungen ganz deutlich sichtbar. Bei diesem Gewebe ist keine Spur einer Bindegewebsscheide, weder um die ganze Masse noch um die einzelnen Inseln herum. zu sehen, und es zeigt eine bedeutende Ähnlichkeit mit der interstitiellen Drüse, welche bei den Ovarien einiger höherer Säugetiere. z. B. dem Kaninchen, beschrieben ist.

Es ist nach dem vorhandenen Material unmöglich zu sagen, ob dieses Gewebe von einem Corpus luteum abstammt, oder ein Gewebe sui generisist. Es wäre zu wünschen, diesen Punkt durch die Unter- suchung einer weiteren Auswahl von Ovarien hauptsächlich von jüngeren Tieren festzustellen.

In der Regel ist das Ovarium oval mit dem Corpus luteum, welches mindestens die Hälfte des ganzen Ovariums einnimmt an einem Ende. In völlig ausgewachsenem Zustande, wie in Nr. 6, erreicht das Corpus luteum von aussen gemessen einen Durchmesser von ungefähr 7,5 mm. Jedes Ovarium enthält ein tätiges Corpus luteum, obgleich fast immer nur ein Uterus schwanger ist. Die Ovarien wurden in ungefähr 10 = dicke Schnitte zerlegt.

Die Follikelwand.

Die Struktur der Follikelwand kann in dem fast reifen Follikel eines der Ovarien von Nr. 10 gut untersucht werden. Aus dem oder jenem Grunde hat sich die Ovulation in diesem Ovarium verzögert, obgleich das andere ein ausgewachsenes Corpus luteum besitzt und das Ei, welches es vorher enthielt, schon ein ziemlich vorgerücktes Stadium von embryonaler Ent- wicklung erreicht hat. Der Follikel zeigt kein Zeichen von Degeneration oder Umbildung in einen atretischen Follikel.

Die Zentralhöhle des Follikels, welche etwas oval ist, erreicht einen Durchmesser von ungefähr 45 mm. Die Membrana granulosa ist drei bis vier Zellen dick und ist rundum ziemlich gleichmässig, ausgenommen dort, wo der Discus proligerus liegt. Ihre Zellen sind klein und liegen dicht- gedrängt, sie haben runde Kerne, welche nirgends mitotische Figuren zeigen. Nach aussen ist die Membrana granulosa durch eine deutliche Membrana propria begrenzt. Wieder weiter nach aussen liegt die Theca follieuli, in welcher die beiden wesentlichen Schichten leicht zu unterscheiden sind, in

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 19

der Tat noch leichter als bei den beiden Arten von Perameles. Die Kapillaren, mit denen die Theca interna reichlich versorgt ist, sind ganz mit Blut gefüllt.

Die Bildung des Corpus luteum verum.

Es wurde gezeigt, dass nur ein Stadium des frühen Entwicklungs- prozesses gefunden wurde, dieses ist jedoch ein ziemlich frühes, einige Zeit vor dem Verschwinden der Zentralhöhle. Das Öorpus luteum ist schon gross, hat, von aussen gemessen, einen Durchmesser von ungefähr 7 mm, und nimmt viel mehr als die Hälfte des ganzen Ovariums ein. Seine Luteinzellen und ihre Kerne sind stark hypertrophiert, und das Zytoplasma der Zellen selbst ist stark gekörnt. Diese Zellen bilden eine Schicht von dreissig oder mehr Zellen Tiefe. Sie sind vieleckig von Gestalt und liegen nach aussen hin noch einigermassen dicht zusammen, während sie nach dem Innern zu lockerer liegen. Die innersten Zellen haben Züge von Bindegewebe zwischen sich und sind mit ihren längeren Achsen strahlenförmig zur Zentralhöhle angeordnet.

Nur an wenigen Stellen sind noch einige Anzeichen der Membrana propria zu sehen, zum grössten Teil ist sie gänzlich verschwunden. Die Theca-Einwucherungen sind zahlreich und viele von ihnen sind an ihrem äusseren Ende ziemlich breit. Die Theca interna ist fast ganz bei ihrer Bildung aufgebraucht, obgleich einige ihrer Zellen noch in ihrer ursprüng- lichen Lage bleiben. Die Theca interna hat auch einen grossen Anteil an der Bildung der Bindegewebs-Einwucherungen. Wie in den vorhergehenden Fällen begleiten Blutgefässe diese Sprossen und bilden ein Netzwerk durch das ganze Gebilde. An der inneren Seite der Luteinzellen hat das Binde- gewebe sich ausgebreitete und eine Schicht von gewisser Tiefe gebildet. Dann folgt die Zentralhöhle, welche einen Durchmesser von ungefähr 1,5 mm hat, die geronnene Masse des Liquor follieuli ist noch in ihr vorhanden. In keinem Teil des Gewebes des Öorpus luteum wurden Mitosen gefunden, aber da in einem gleichen Stadium bei beiden Arten von Perameles mitotische Figuren in den Luteinzellen gänzlich fehlen und in den bindegewebigen Elementen, wenn überhaupt vorhanden, äusserst selten sind, beweist das Fehlen solcher Figuren in dem vorliegenden Falle noch nicht, dass sie nicht in früheren Stadien vorkommen können. Das andere Stadium, d. h. Nr. 7, zeigt tatsächlich die Vollendung des Bildungsprozesses. Die oben be- schriebenen Umbildungsvorgänge sind auf ganz normale Weise vonstatten gegangen. Die Luteinzellen haben sich etwas vergrössert und breiten sich aus, so dass sie zusammen mit dem Bindegewebe die Zentralhöhle bis auf Spuren zum Verschwinden gebracht haben.

Diese Stadien genügen, um zu zeigen, dass die Bildung des Corpus luteum bei dieser Art derjenigen der vorhergehenden ähnlich ist.

Das völlig ausgebildete Corpus lJuteum verum.

In völlig ausgewachsenem Zustande ist das Corpus luteum ein grosses Gebilde, welches einen Durchmesser von 7,5 mm oder sogar mehr erreicht.

Die Zentralhöhle ist durch einen etwa sternförmigen Bindegewebspfropf 2%

20 Chas-Hr 0, Donogchue:

ganz erfüllt. Die Spitzen des Sternes laufen in das Bindegewebe aus. welches mit seinen begleitenden Blutgefässen ein verworrenes Netzwerk, das durch das ganze Corpus luteum läuft, bildet. Die Luteinzellen sind, obgleich mehr gekörnt, sehr wenig grösser als in dem letzten Stadium. Ausserhalb dieser Zellen ist die Bindegewebsscheide deutlich sichtbar. Zum grössten Teil ist sie aus Zellen, welche von der Theca externa abstammen, zusammengesetzt, doch sind an einigen Stellen auch einzelne Zellen der Theca interna zu unterscheiden. Daraus geht hervor, dass die Struktur, die Gestalt ausgenommen, in ihren Hauptpunkten mit der der Corpus lutea bei den beiden Arten von Perameles und auch bei D. viverrinus identisch ist. Das allgemeine Aussehen ist jedoch aus zwei Gründen bei emigen Exemplaren dieser Art etwas abweichend. Erstens ist der bindegewebige Zentralpfropf nicht ganz so dicht wie bei Perameles, zweitens ist mehr Bindegewebe mit den inneren Luteinzellen vermischt, und häufig sind kleine Gruppen von drei bis zehn dieser Zellen von dem übrigen durch ziemlich breite Bindegewebszüge getrennt. Die Folge davon ist, dass das Innere des Corpus luteum etwas lockerer erscheint, aber dieser Unterschied ist nicht von wesentlicher Bedeutung. Diese Lockerheit gegen die Mitte hin macht die Gefässe sehr deutlich und ihr dünnes einschichtiges Endothel ist infolge- dessen sehr gut zu sehen.

Es stehen keine Angaben zu Gebote, durch welche die Dauer des Corpus luteum festgestellt werden könnte, aber es weist in allen Serien keinerlei Zeichen von Degeneration auf, obgleich es schon von Anfang an völlig ausgebildet war. Das Vorhandensein von degenerativen Corpora lutea aus einer früheren Ovulationsperiode in denselben Ovarien, oder aus einer vorherigen Schwangerschaft, oder von einer Ovulation, welcher keine Be- truchtung folgte, scheint anzudeuten, dass das Organ eine beträchtliche Zeit besteht.

Das Corpus luteum spurium.

In Nr. 11 haben wir ein Beispiel eines Corpus luteum spurium. Es ist völlig ansgebildet und hat von aussen gemessen einen Durchmesser von ungefähr 6 mm, obgleich es in einem kleinen Ovarium liegt. Die Struktur ist mit der des Corpus luteum verum identisch, und es ist unmöglich, die beiden voneinander zu unterscheiden. Das zentrale Bindegewebe und die inneren Luteinzellen sind etwas dichter zusammengedrängt als bei einigen der schon beschriebenen wahren gelben Körper, aber der Unterschied ist gering und in der Tat kommen ähnliche Verhältnisse auch bei Üorpora lutea von schwangeren Weibchen vor.

Das degenerierende Corpus luteum.

Es wurde vorher bemerkt, dass fast alle diese Övarien Corpora lutea, welche von einer früheren Ovulation übrig geblieben sind, enthalten, diese degenerativen Corpora lutea sind sehr leicht von denen im tätigen Zustand zu unterscheiden und haben ein ganz anderes Aussehen. Die Luteinzellen erfahren zuerst eine fettige Degeneration, infolgedessen ent- stehen zahlreiche Alveolen. Später verlieren sie dieses alveolare Aussehen,

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 21

schrumpfen zusammen und die Grenzen zwischen ihnen verschwinden. Ihr Zytoplasma scheint mehr und mehr zu zerfallen. In den Kernen dieser Zellen ist die Degeneration früh zu sehen. Ihre Oberfläche schrumpft mehr und mehr ein und wird unregelmässig, ihr Chromatin verliert seine charak- teristische Verteilung und zeigt die Veränderungen, welche gewöhnlich von autolytischer Auflösung begleitet sind. Die Blutgefüsse nehmen sehr an Zahl ab, so dass der Körper ein festeres Aussehen bekommt. Während dieser Periode wandern viele Leukozyten in das ganze Gebilde ein, welche eine bedeutende Rolle bei dem Auflösen der jetzt nutzlosen Zellen zu spielen scheinen. Das Bindegewebe durchzieht das Organ in breiten Streifen und in einigen Fällen scheint es das Corpus luteum vollkommen in verschiedene Teile zu zerlegen, aber es ist noch von einer gut sichtbaren Bindegewebs- scheide umgeben. ‘Das ganze Gebilde wird zunehmend fibrös, von jetzt an wird es von einigen Autoren „Corpus fibrosum“ genannt. Das ovariale Binde- gewebe, welches diese degenerativen Corpora lutea umgibt, bleibt noch deutlich sichtbar, seine Zellen werden zahlreicher und drängen sich dicht zusammen.

Diese Veränderungen sind bei ein oder zwei Exemplaren stark fort- geschritten und die Corpora lutea sind so an Grösse reduziert, dass sie nicht mehr als ein Achtel ihres früheren Umfanges haben. In solchen Fällen sind die Kerne der Luteinzellen in einem sehr vorgerückten Degene- rationsstadium. Wie die Corpora fibrosa schliesslich zugrunde gehen, wird nicht durch diese Präparate aufgeklärt, aber es scheint wahrscheinlich, dass es zum grossen Teil durch die Tätigkeit der Leukozyten geschieht.

Petrogale penicillata. Angewandtes Material. Vor der Geburt der Jungen.

'ien | e Stadium der embryo-

en Das Ovarium Die Corpora lutea | Ä Er Nr. ' nalen Entwicklung

il

F 1 Corpus luteum 1 |Ovarium im Längsschnitt PER

a Durchmesser Frühe Keimbläschen oval 8,5 x 5,75 mm an 5.25 mm 2 ium im Längsschnitt! 1 Corpus luteum 2 { Ovazi “Be 5 5 np ; Keimbläschen oval 7,5x 5, mm Durchmesser 5 mm | 3 Ovarium im Längsschnitt 1 Corpus Juteume res 2 \ 3 Späte Schwangerschaft oval 10 x 5,25 mm Durchmesser 5 mm Nach der Geburt der Jungen. erien 3 2 Stadium der embryo- - Das Ovarium | Die Corpora lutea | 3 > Nr. | nalen Entwicklung

4 Ovarium im Längsschnitt) 1 Corpus luteum

| Währ » + \dreieckig 8x 8x 10 mm| Durchmesser 5 mm Während der Gebur

22 Chas..H0Denochue:

tee ee ee ——

Serien R 2 | Stadium der embryo- ı s Ov Die C 'a Jutea | i N Das Ovarıum ie Corpora lutea nalen

| | Kurz nach der Geburt

5 Ovarium im Längsschnitt! 1 Corpus luteum 5 % | B % Grösste Länge 20 mm ' oval 11,25x 7,0 mm || Durchmesser 5 mm an | Kopflänge S mm 6 Ovarium im Querschnitt |

unregelmässig { ee = a

er 5 £ = 1 kleines Corpus | Grösste Länge 26 mm | 20 luteum | Kopflänge 12 m Irre E | ) ge 12 mm bei Follikel Durchmesser | p =

3,6 mm

7 \ Ovarium im Querschnitt | 1 kleines Uorpus unregelmässig luteum, Durchmesser Seo mm 3.75 mm

Grösste Länge 45 mm Kopflänge 15 mm

S | Ovarium im Querschnitt unregelmässig 929% 7.5 nm:

Mit ziemlich grossem

Follikel |

In betreff der Bildungsstadien des Corpus luteum enttäuscht diese Serie auch wieder, aber sie besitzt nicht viele frühe embryonale Entwicklungs- stadien. In allen Fällen sind die Corpora lutea ganz ausgewachsen. so war es nicht möglich, den Einzelheiten des Bildungsvorganges zu folgen. In den beiden Fällen, wo in den Uteri Bläschen vorhanden waren, sind die Corpora lutea völlig ausgewachsen, und wie bei den vorhergehenden Arten enthielten fast alle untersuchten Ovarien Reste von (orpora lutea einer früheren Ovulation. Dieses lässt dieselbe Erklärung zu, welche bei dem Fall der M. ruficollis gegeben wurde, nämlich, dass zwei Ovulationsperioden innerhalb kurzer Zeit vorkommen, und dass entweder die beiden Ovulationen in einer Zeugungsperiode auftreten, oder zwei Zeugungsperioden schnell aufeinander folgen.

Das andere schon bei den M. ruficollis beschriebene Gewebe ist bei dieser Art in bedeutend grösserer Menge vorhanden und ist bei allen untersuchten Ovarien zu finden. Oft tritt es in solcher Menge auf, dass es wenigstens das halbe Ovarium einnimmt, wenn nicht mehr, wie in Nr. 8. In einigen Fällen bildet es tatsächlich einen grossen Klumpen, z. B. in Nr. 2

1 kleines Corpus | Grösste Länge 53 mm luteum Kopflänge 32 mm

obgleich es von keiner Kapsel eingeschlossen ist, während es bei anderen, z B. Nr. 6. in eine grosse Anzahl von Stücken zerlegt ist, welche durch das gewöhnliche ovariale Stroma verstreut sind. Wenn ein Streifen dieses Gewebes in die Nähe eines tätigen Corpus luteum zu liegen kommt, nur durch die Bindegewebsscheide des letzteren von ihm getrennt, zeigt sich der Unterschied zwischen seinen Zellen und den Luteinzellen sehr deutlich. In ähnlicher Weise ist der Unterschied zwischen ihm und einem degenerativen Corpus luteum leicht zu sehen, wenn die beiden dicht zusammen liegen.

NS

Uber die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren.

Das Aussehen des Ovariums ist dem der M. ruficolis ähnlich, es ist oval und besitzt ein Corpus luteum, das gewöhnlich an einem Ende liegt. Das Corpus luteum ist in die Augen fallend und erreicht in den meisten Fällen einen Durchmesser von ungefähr 5 mm, aber in späteren Stadien hat es schon angefangen abzunehmen und die Oberfläche des Ovariums ist unregelmässiger.

Die Follikelwand.

In Nr. 6 ist ein fast reifer Follikel vorhanden, bei dem die Struktur seiner Wand untersucht werden kann. Die Zentralhöhle erreicht einen Durchmesser von ungefähr 3 mm und ist mit dem Liquor folliculi angefüllt, und das Ei mit seinem es umgebenden Discus proligerus liegt unsymmetrisch in ihr. Die Membrana granulosa ist zwei bis vier Zellen diek und nach aussen von der Membrana propria begrenzt. Ihre Zellen liegen dicht zu- sammen und zeigen in ihren Kernen keine mitotischen Figuren. Die zwei Schichten der Theca follieuli können ziemlich leicht unterschieden werden, da die Theca interna deutlicher ist als bei Perameles, aber nicht so hervor- tritt wie bei den Eutheria-Säugetieren. Sie ist derjenigen der vorhergehenden Arten sehr ähnlich. .

Das völlig ausgebildete Corpus luteum verum.

Das ausgewachsene Corpus luteum ist ein grosses Gebilde und kann einen Durchmesser, von 5,25 mm erreichen, die Zentralhöhle ist ganz ver- schwunden, aber der Bindegewebsptropf ist nicht ganz so gross wie bei den vorhergehenden Arten. Das Bindegewebe und die Blutgefässe bilden in ganz typischer Weise ein enges Netzwerk durch das Corpus luteum. Die Lutein- zellen sind hypertrophiert, ihr Zytoplasma ist sehr körnig und ihre Kerne sind mehr oder weniger rund. Diese Zellen liegen in allen Teilen des Ge- bildes fest zusammen und sind im Innern nicht lockerer angeordnet, wie sie es bei den M. ruficollis waren. Allerdings haben sie sich nach innen so weit ausgebreitet, dass der Zentralpfropf des Bindegewebes sehr stark reduziert ist. Das allgemeine Aussehen des Organs ist dem bei Perameles nicht unähnlich. Die Bindegewebsscheide ist in der gewöhnlichen Weise angeordnet. Zum grösseren Teil besteht sie aus Zellen, die denen in der Theca externa des Follikels ähnlich sind, und welche auch in den Körper des Corpus luteum eindringen. Einige Zellen der Theca interna bleiben jedoch noch übrig und sind zwischen den früher erwähnten Zellen und den Luteinzellen zu sehen. Von der Membrana propria ist keine Spur zu finden.

Die Dauer des gelben Körpers kann nicht genau festgestellt werden, aber er scheint nicht so lange wie bei den vorhergehenden Arten in einem tätigen Zustande zu bleiben, denn in den letzten drei untersuchten Fällen erscheint er reduziert und die mikroskopische Untersuchung zeigt, dass die Luteinzellen in diesen Fällen schon Zeichen von Degeneration aufweisen. Andererseits sind jedoch Reste von Corpora lutea einer früheren Ovulations- periode in fast allen Fällen zu finden, so dass die Corpora lutea nicht schnell verschwinden.

24 Chas. H. O’Donoghue:

Degenerierende Corpora lutea.

Wie oben bemerkt, sind in den Corpora lutea der letzten drei Fälle dieser Art. welche von aussen gemessen nur einen Durchmesser von 3,75 mm oder weniger erreichen, schon Degenerationserscheinungen sichtbar. Die Zellen sind kleiner geworden und weisen einige Zeichen von Auflösung auf. Ihr Zytoplasma ist sehr lückenhaft und ihre Kerne sind auch etwas geschrumpft. Diese Ovarien besitzen auch ältere Corpora lutea, welche in einem vorgeschritteneren Stadium von Degeneration sind. Hier sind die Zellen beträchtlich reduziert und ihr Zytoplasma entartet, die Kerne sind auch geschrumpft und unregelmässig und ihr Chromatin ist zu ungleichen Massen, wie es für die Auflösung typisch ist. angeordnet. Das innere Netzwerk von Gefässen und Bindegewebe ist mehr oder weniger reduziert. Die Binde- gewebsscheide ist etwas deutlicher zu sehen.

Die verschiedenen Stadien sind denen bei M. ruficollis gefundenen ähnlich und wieder scheinen Leukozyten eine grosse Rolle bei der Auflösung des Gebildes zu spielen.

Phascolomys Wombat. Angewandtes Material.

Vor der Geburt der Jungen.

Serien H 5 Stadium der embryo- Das Ovarium Die Corpora lutea 2 y Nr. nalen Entwicklung 1 | Ovarium im Querschnitt | 1 grosses Corpus ziemlich regelmässig |Durchmesser 14 mm) Grösste Länge 8 mm 34 x 20 mm luteum —— | N . - - | 2 | Ovarium im Querschnitt | 1 grosses Corpus ziemlich regelmässig luteum Grösste Länge 9 mm 31x 19,6 mm Durchmesser 17 mm 3 | Ovarium im Querschnitt | 1 grosses Corpus weniger regelmässig luteum Junger Embryo 325x195 mm Durchmesser 15 mm | 1 Corpus luteum | - N b x (Grösste Länge 15,5 mm 4 Ovarium klein 24x 15mm Durchmesser = a = R E <Sopflänge S mm 11,75 mm ! Sn 4 A N j 1 grosses Corpus |_ 5 | Ovarium im Querschnitt |Grösste Länge 17,5 mm ieinkich wu luteum, Durch- | Konfl : ziemlich regelmässig Ir <optlänge 8,2 mm = = messer 14,25 mm DEABSTE

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 25

Nach der Geburt der Jungen.

Serien

Das Ovarium | Die Corpora lutea | Seaniumz der br Nr. | nalen Entwicklung 6 Ovarium klein 1 Corpus luteum | Grösste Länge 29 mm 24x15 mm Durchmesser 10 mm) Kopflänge 12 mm 7 | Ovarium im Querschnitt unregelmässig aus 1 Corpus luteum sur: 4 2 Teilen bestehend Durchmesser N a = 5 una s das eine 24x 9,5 mm 10,5 mm re an

das andere 14,5 x 10 mm

8 ı Ovarium im Querschnitt unregelmässig 28x21 mm

1 Corpus luteum | Grösste Länge 69 mm Durchmesser 10 mm| Kopflänge 27 mm

9 | Ovarium gross im Quer- | 1 Corpus luteum schnitt unregelmässig Durchmesser 34,5x18S mm 13,25 mm

Grösste Länge 73 mm Kopflänge 285 mm

Nichtschwangere Weibchen.

—— Serie | Ovarium im Querschnitt ziemlich | ı Corpus luteum oval, grosser

Nr. 10 regelmässig 24,25 x 15,5 mm Durchmesser 17,25 mm

Diese Serie ist nicht reich an frühen Entwicklungsstadien. Der jüngste Embryo hat 8 mm Länge, das ist also etwas später als das Keimbläschen- stadium, so dass erste Bildungsstadien des Corpus luteum nicht zu erwarten waren. In Hinsicht auf die Seltenheit dieses Tieres und die aussergewöhnlichen Dimensionen der Corpora lutea, die in einem Fall einen Durchmesser von 17 mm erreichen, fand ich es der Mühe wert, ihre Struktur genau zu unter- suchen. P.wombat ist ein ziemlich grosses Tier, ungefähr so schwer wie ein Schaf, und das Ovarium ist entsprechend gross, aber die Corpora lutea scheinen eine unverhältnismässige Grösse zu erreichen. Die Fixierung gelang nicht ganz so gut wie bei den vorhergehenden Arten; dies erklärt sich durch die Grösse des Ovariums, durch die feste Umhüllung des Eierstocks, durch das gefranste Tubenende, und durch den Umstand, dass die meisten auf dem Jagdgebiet in toto fixiert werden mussten. Für die histologische Unter- suchung war indessen die Fixierung völlig gut genug.

Jedes Ovarium besitzt nur ein grosses tätiges Corpus luteum an einem Ende, welches wie eine grosse runde Geschwulst erscheint, so dass das Tier zwei Corpora lutea hat, obgleich in der Regel nur ein Uterus schwanger wird. Vor der Geburt der Jungen ist die Oberfläche des Ovariums einiger- massen glatt und das Corpus luteum nimmt in den meisten Fällen bedeutend mehr als die Hälfte des ganzen Ovariums ein. Nach der Geburt der Jungen ist das Corpus luteum etwas kleiner als vorher, obgleich es in Nr. 9 noch

26 Chas. H. O’Donoghue:

einen Durchmesser von 13,25 mm hatte, und die Oberfläche des Ovariums ist in eine Anzahl runder Erhöhungen aufgeworfen. Diese Vorwölbungen sind zum grössten Teil Follikel, und in diesem Zustande ist die äussere Erscheinung des Ovariums derjenigen des Ovariums von Platypus sehr ähnlich.

In einer Anzahl von Fällen sind auch Corpora lutea von einer früheren Ovulation vorhanden, so dass bei dieser Art wieder zwei Ovulationen in ver- hältnismässig kurzer Zeit nacheinander vorkommen müssen, wie bei den M.ruficollis und P. penicillata. Das interstitielle Gewebe des Ovariums scheint bei P.wombat ganz zu fehlen.

4

0.8. (ih Fig. 1. Schematischer Entwurf eines Längsschnittes des Ovariums Nr. 1 von P. wombat, ungefähr zweimal vergrössert. c.p. Zentralpfropf; f. = Follikel; c.l. Corpus luteum: c.f. Corpus fibrosum: 1.g. = Lutein- gewebe; e.o. Ovarialepithel (Keimepithel); 0.5. = Ovarialstroma; s.

Scheide des Corpus luteum.

Man sieht mit freiem Auge in der Mitte des Corpus luteum ein un- regelmässig sternförmiges Gebilde von hellerer Farbe, den Zentralpfropt. Von ihm gehen breite Streifen zu einer ihn nach aussen umgebenden gleich- falls hellen bindegewebigen Hülle, die sich nicht scharf von dem allgemeinen Ovarialstroma abhebt. Zwischen ihnen sieht man das dunklere Luteingewebe. welches somit in eine Anzahl von Läppchen zerlegt ist.

Ein dem Ovarium entnommener zentraler Streifen wurde in Serien von ungefähr 10 Dicke geschnitten und wie gewöhnlich gefärbt.

Die Follikelwand.

Die Follikelwand besteht aus denselben Teilen wie die bei den vor- hergehenden Arten, sie hat aber eine grössere Ähnlichkeit mit der Follikel- wand eines Eutherion. Bei Nr. 8 ist ein ziemlich weit entwickelter Follikel von 4,5 mm vorhanden, bei dem die Struktur seiner Wand zu erkennen ist und bei welchem das Ei in seinem Discus proligerus unsymmetrisch liegt. Die Membrana granulosa ist zu einer sehr dünnen Schicht von ungefähr drei

Uber die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 27

Zellen Tiefe reduziert, welche die Zentralhöhle, die mit dem seronnenen Liquor follieuli gefüllt ist, umgibt. Durch die Membrana propria hebt 'sie sich gut von dem Övarialgewebe ab. Die Theca follieuli ist sehr gut ent- wickelt, und der Unterschied zwischen ihrer inneren und äusseren Schicht tritt viel stärker als bei irgend einem der bis jetzt untersuchten Beuteltiere hervor. Die Theca interna ist besser ausgebildet als bei den beiden Arten von Macropoden oder bei Perameles und D. viverrinus: sie ist fast ebenso hoch entwickelt wie bei den Eutheria, wie z.B. Sobotta es beim Kaninchen (32), Meerschweinchen (35) ete. beschrieben und abgebildet hat. Die Theca interna bildet eine Schicht von drei oder vier Zellen Tiefe. welche dichter als das Follikelepithel liegen und von zahlreichen kleinen Blutgefässen durchzogen sind. Die Zellen sind vieleckig, mit runden Kernen, welche jedoch anders aussehen als die Kerne der Zellen der Membrana sranulosa. Da frühe Stadien fehlen, war leider nicht festzustellen, welche Rolle diese Zellen bei der Bildung des Corpus luteum spielen

Das völlig ausgebildete Corpus luteum.

Das allgemeine Aussehen des ausgewachsenen Corpus luteum wurde schon oben beschrieben. Die Bindegewebsscheide ist äusserst gut zu er- kennen und besteht wie gewöhnlich aus zwei Teilen, einem äusseren und einem inneren. Die äussere Schicht ist bei weitem dicker und besteht aus schmalen, langausgezogenen Zellen, welche denen der Theca externa, von welcher sie abstammen, ähnlich sind. An ihrer Innenseite finden sich einzelne kürzere rundere Zellen, welche von der Theca interna herrühren. Diese Theca ist beim Follikel sehr deutlich; es bleiben aber nur wenige ihrer Zellen in dem Corpus luteum erhalten, so dass diese Schicht bei der Bildung des gelben Körpers fast ganz aufgebraucht erscheint. Der sternförmige binde- gewebige Zentralpfropf gleicht, M. ruficolis ausgenommen, mehr derselben Bildung bei den anderen hier beschriebenen Arten.

Die Luteinzellen sind denen der vorhergehenden Art sehr ähnlich. Es sind grosse Zellen mit stark gekörntem Zytoplasma und einem grossen bläschenartigen Stern. Bei dem zu Gebote stehenden Material ist es un- möglich zu sagen, ob die Zahl der Luteinzellen seit den frühen Stadien zu- genommen hat oder nicht; bei den untersuchten Exemplaren waren keine mitotischen Figuren zu sehen.

Um die Lebensdauer des Corpus luteum zu berechnen, führe ich an, dass es bei dem jüngsten Stadium dieser Art schon in völlig ausgewachsenem Zustande vorhanden ist, und dass es ohne Anzeichen von Degeneration bei einem Tier, dessen Junges schon eine Länge von 73 mm erreicht hatte, ge- funden wurde. In den meisten Ovarien sind auch noch Oorpora fibrosa einer früheren Ovulation vorhanden.

Degenerierende Uorpora lutea.

Eine genauere Untersuchung der Corpora fibrosa zeigt, dass der drüsige Charakter des Corpus luteum verschwunden ist, denn die Luteinzellen sind nicht mehr gekörnt und ihr Zytoplasma sowohl ais auch ihr Kernplasma

28 Chas. H.O’Donoghue:

zeigen Degenerationserscheinungen. Die Kerne sind besonders stark ein- geschrumpft und lösen sich leicht auf. Das bindegewebige Netzwerk ist vorhanden, die es begleitenden Blutgefässe sind aber fast ganz verschwunden. Bei einigen dieser Corpora fibrosa findet sich eine grosse Anzahl Leukozyten, und es ist anzunehmen, dass die Corpora lutea durch die Tätigkeit dieser Leukozyten zugrunde gehen.

Resultate. Das Ovarium.

Die Ovarien aller hier soeben beschriebenen Arten enthalten bedeutend weniger Corpora lutea als das Ovarium von D. viver- rinus.

Das Ovarium von P.obesula enthält in der Regel zwei tätige CGorpora lutea, aber zuweilen können auch nur eins, in anderen Fällen dagegen sogar drei vorhanden sein.

Das Ovarium von P. nasuta enthält gewöhnlich ein tätiges Corpus luteum, es können aber auch zwei vorhanden sein.

Die Ovarien von M. ruficollis, P. penicillata und P. wombat enthalten alle nur ein tätiges Corpus luteum.

Die Ovarien von M. ruficollis und P. penicillata ent- halten in ihrem Stroma eine mässig grosse oder auch grosse Menge eines Gewebes, welches dem (Grewebe der interstitiellen Drüse bei den Ovarien einiger höherer Säugetiere gleicht. Hierin zeigen sie einen auffallenden Unterschied gegenüber den Ovarien der übrigen Arten, welche, wie D. viverrinus,. nichts von diesem Gewebe in ihrem Stroma enthalten.

Das Vorhandensein von Corpora lutea aus einer vorher- gehenden Ovulation in den Ovarien von M. ruficollis, P. peni- cillata und P. wombat deutet sehr wahrscheinlich an, dass zwei Oestri und Ovulationen in derselben Zeugungsperiode vor- kommen, so dass diese Tiere polyoestrisch sind.

Die Follikelwand.

Bei allen Arten besteht die Wand des reifen Follikels aus denselben Teilen wie bei D. viverrinus oder den höheren Säugetieren.

Die Membrana granulosa setzt sich aus kleinen, vieleckigen Zellen mit runden Kernen, welche zu einer Schicht von drei bis fünf Zellen Tiefe angeordnet sind, zusammen.

Nach aussen wird die Membrana granulosa von der Membrana propria, einer deutlichen, homogenen Membran, begrenzt.

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 29

An deren Aussenseite liegt die Theca follieuli, welche aus

zwei Teilen besteht:

a) Die Theca interna bleibt sich bei den verschiedenen Arten nicht gleich. Bei P.obesula und P. nasuta ist sie, obgleich besser zu sehen als bei den D. viverrinus, nicht so gut entwickelt wie bei den übrigen Arten. Bei P. wombat ist sie am deutlichsten, aber selbst hier nicht so hoch entwickelt wie bei den höheren Säugetieren. Bei M. ruficollis und P. penicillata zeigt sie eine mittlere Ausbildung.

b) Die Theca externa ist bei den verschiedenen bis jetzt untersuchten Arten von Beuteltieren gleich und besteht aus einer sehr deutlichen Schicht langgestreckter Zellen mit schmalen Kernen, welche an der Aussenseite allmählich in das Ovarialstroma übergehen.

Das Corpus luteum verum.

Die Bildung des Corpus luteum verum ist bei P.obesula, P.nasuta und M.ruficollis untersucht worden und ist der bei D. viverrinus ähnlich.

Die charakteristischen Zellen des Corpus luteum sind durch Wachstum und Umbildung der Zellen der Membrana granulosa ent- standen. In den frühen Stadien ist diese Veränderung der Zellen von einer gewissen Menge mitotischer Kernteilungen begleitet.

Der Zentralpfropf und das bindegewebige Netzwerk stammen von den Einwucherungen der T'heca folliculi ab. Beide Schichten der Theca haben an der Bildung dieser Sprossen teil; die Theca interna wird in hohem Grade, aber nicht ganz, aufgebraucht, doch verwandelt sich keine ihrer Zellen in Luteinelemente. Die Blutgefässe, welche sich in dem Corpus luteum verzweigen, ent- stehen als Auswüchse der Kapillaren der Theca interna, und ihre Wand besteht aus einem einschichtigen Endothel.

Der Bau des völlig ausgewachsenen Corpus luteum ist bei P. penieillata und P. wombat dem der anderen untersuchten Arten ähnlich.

Das Corpus luteum spurium.

Die Bildung des Corpus luteum spurium bei P.obesula ist der bei D. viverrinus ähnlich und mit der des Corpus luteum verum identisch.

30 Chas. H.O'’Donoehue:

Der Bau des Corpus luteum spurium bei P. obesula, M. ruficollis und P. wombat ist von dem des Corpus luteum verum bei derselben Art nicht zu unterscheiden.

Die Corpora fibrosa.

In den Ovarien von M. ruficollis, P.penicillata und P.wombat sind degenerierende Uorpora lutea oder ('orpora fibrosa vorhanden. aber nicht in den Ovarien von P. obesula und P. nasuta.

Die Corpora fibrosa sind durch ihr äusseres Aussehen leicht zu erkennen und gehen wahrscheinlich durch die Tätigkeit von Leukozyten zugrunde.

Der Ursprung der Luteinzellen.

Trotz der grossen Zahl von Autoren, welche die Bildung und Struktur des Corpus Inuteum untersucht haben. ist man bis heute noch nicht zu einer allgemeinen Übereinstimmung über den Ursprung der Luteinzellen gekommen. Unter Hinweis auf das in der Einleitung (Gresagte, bespreche ich hier noch die Ansichten derjenigen Autoren, welche, wie Jankowski, Williams und später Delestre. Pottet und vielleicht Hegar noch an der Theorie von v. Baer festhalten. nach der die Luteinzellen aus- schliesslich von den Bindegewebszellen der Theca follieuli ab- stammen sollen.

Jankowski (17) stützt seine Behauptungen auf eine reich- liche Untersuchung der Övarien von Meerschweinchen und Schweinen, welche ohne irgend welche Rücksicht auf Brunst, Kopulation oder Schwangerschaft gewonnen wurden. Er kommt hauptsächlich durch die Ähnlichkeiten einiger Zellen der Theca interna mit den Lutein- zellen zu der Schlussfolgerung, dass „das Corpus luteum kein epitheliales, sondern ein bindegewebiges (Gebilde, ein Produkt der Theca follieuli, sei“. Die Beweise, welche zur Bekräftigung dieser Theorie vorgebracht worden sind, sind unzulänglich und nieht entscheidend; sie wurden schon von Sobotta (35) und Marshall (23) hinreichend kritisiert. Williams (43) vertritt dieselbe Theorie für den Menschen, in Anbetracht der Ähnlich- keiten gewisser Zellen der Theca interna vor der Ovulation mit denen des Corpus luteum und der Tatsache, dass, wie er meint, die Membrana granulosa stark degeneriere und beim Platzen des Follikels ausgestossen würde.

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 31

Delestre (11) nahm sein Material von der Kuh; die frühesten Stadien, welche er erhielt, waren jedoch von schwangeren Tieren, deren Feten ungefähr 2'/» Monat alt waren. Um diese Lücke auszufüllen. wurde eine Anzahl Ovarien von Tieren in der Brunstzeit, aber ohne Hinweis auf den speziellen Tag der Brunstperiode, genommen und frühe Stadien ausgewählt. Bei dem reifen Follikel wird die Theca interna als aus zwei Schichten bestehend beschrieben, einer inneren fibrösen Schicht, nahe der Membrana propria,. und einer äusseren Schicht grösserer Zellen, und es wird behauptet, dass die Luteinzellen von der äusseren dieser beiden Schichten abstammten. Die Verwandlung der Zellen dieser Schicht zu Luteinzellen ist nicht untersucht, freilich sagt der Verfasser selbst (S. 291): „A quel moment s’accomplit cette transformation?” Probablement aussitöt apres la dehiscence, car nous n’avons jamais trouv&e dans les follieules, memes les plus avances dans leur d&veloppement, de la cellule a luteine“. Aber um zu behaupten, dass die eine Zellart in die andere übergehe, muss gerade diese Veränderung untersucht werden. Allem An- schein nach ist kein Stadium zwischen dem reifen Follikel und der Zeit, wo das bindegewebige Netzwerk sich völlig zwischen den Luteinzellen ausgebreitet hat, untersucht worden. Dieser Zustand ist auf Taf. VII, Fig. 9 abgebildet und ist demjenigen bei P.obesula und P.nasula abgebildeten etwas ähnlich, und da Zwischenstadien fehlen, lässt er wahrscheinlich dieselbe Aus- legung zu. Der Verfasser behauptet ferner, dass der grösste Teil der Membrana granulosa mit dem Ei ausgestossen wird. Er weist auf die Möglichkeit hin, dass der Vorgang der Corpus luteum- Bildung bei den verschiedenen Tieren verschieden ist, und schliesst (S. 307): „Les cellules ä luteine chez la vache tirent done exclusivement leur origine de la theque interne“.

Pottet (28) untersuchte die Struktur des Corpus luteum an menschlichem Material, und schliesst: „Personnellement, nous crovons que chez la femme la cellule a luteine provient de la theque interne“. Dieser Theorie scheint hauptsächlich Delestres Arbeit über die Kuh zugrunde zu liegen; die frühsten Stadien, welche untersucht wurden, stammten aus der sechsten Schwanger- schaftswoche.

Hegar (14) beschäftigt sich auch mit dem Corpus luteum beim Menschen, und sein Material ist einwandfreier als das

32 Ch as: H 0&Do0mo ehe:

einiger vorhergehender Arbeiten. Es wurde durch Operation ge- wonnen, und jeder Fall nimmt auf das Vorkommen der Menstruation Bezug, aber selbst hier wurden, wie der Verfasser angibt. keine Zwischenstadien untersucht. Seine Beschreibung und Abbildung (Taf. XX, Fig. 1) zeigt ganz deutlich, dass die Membrana granulosa bei dem Platzen des Follikels nicht ausgestossen wird und „zeigt keine Spuren von Degeneration.“ Er schliesst (Seite 546): „Alle Corpora lutea nehmen ihren Ursprung aus der Theca interna, gleichgültig, ob es sich um die Produkte geplatzter oder atre- sierender Follikel handelt, alle Corpora fibrosa entstammen der Theca externa, und die so häufigen Mischformen entstehen aus der wechselnden Beteiligung beider Elemente. Eine Beteiligung des Epithels an der Bildung der Corpora lutea ist bis jetzt für den Menschen nicht einwandfrei bewiesen. Ob dieselbe vorkommt. müssen noch weitere Untersuchungen an frühesten Stadien der Corpus luteum-Bildung zeigen.“ Sobotta gibt an, dass Hegar den ausschliesslich thecalen Ursprung des Corpus luteum verteidige, in Wirklichkeit sagt er aber, „wir müssen die Frage noch offen lassen“.

(rewisse allgemeine Kritiken wenden sich gegen alle diese Autoren, welche daran festhalten, dass das Luteingewebe aus- schliesslich der Theca follieuli entstammt. Erstens muss erwähnt werden, dass alle diese Autoren Material benutzten. welches vom Menschen, oder von so grossen Tieren, wie Schwein und Kuh, genommen wurde. Es ist bereitwillig anerkannt worden, dass es in diesen Fällen ausserordentlich schwierig ist, beim Menschen fast unmöglich, vollständige Reihen zu erhalten, wie sie bei ge- wissen anderen kleineren Tieren untersucht wurden, z. B. von Sobotta, Honore, Van der Stricht. Loeb ete., oder wie sie bei D. viverrinus und P.obesula zur Verfügung standen. Ferner ist es viel schwieriger, das erhaltene Material genügend zu fixieren, wie es oben bei P. Wombat angegeben ist. so dass die Autoren von Anfang an unter ungünstigen Verhältnissen arbeiteten. Bühler (9) geht so weit, zu sagen, dass dieser Wider- spruch in der Beschreibung der kleineren und grösseren Tiere durchaus nicht unwesentlich ist, und Delestre (11) deutet eben- falls darauf hin, dass der Prozess der Corpus luteum-Bildung bei den verschiedenen Tieren verschieden sein könne. Man kann sich aber sehr schwer vorstellen, dass Strukturen. welche tatsächlich nach der Zeit ihres Auftretens, nach ihrem Ursprungsort und

Über die Corpora lutea bei einigen Benteltieren. 33

nach ihrer endgültigen histologischen Struktur identisch sind, auf zwei ganz verschiedene Weisen in derselben Unterklasse, den Eutheria, entstehen können. Die Einzelheiten der Bildung mögen bei den verschiedenen Gattungen wechseln. z. B. darin, bis zu welchem Grade sich die Zellen der Membrana granulosa in Lutein- zellen verwandeln, es ist aber wahrscheinlicher, dass die Haupt- veränderungen bei allen Säugetieren dieselben sind.

Es wurde schon weiter oben bemerkt. muss aber hier noch einmal betont werden, . dass die Reihe der untersuchten jungen Bildungsstadien bei allen früher untersuchten Fällen sehr unvoll- ständig ist, und dass in einigen Fällen keine frühen Stadien unter- sucht wurden, gerade diese frühen Stadien sind indessen äusserst wichtig, wenn man die einzelnen Vorgänge der Veränderung fest- stellen will. In einem Fall (Jankowski) wurden die Ovarien ganz ohne Auswahl gesammelt. Andererseits stimmen alle die- jenigen Autoren, welche vollständige Serien von Ovarien mit dem nötigen Hinweis auf Schwangerschaft, Kopulation oder Ovulation untersucht haben, unter anderen z.B. Sobotta, Van der Stricht, Honore&, Straty, Sandes, darin überein, dass die Luteinzellen auf jeden Fall in der Hauptsache von den Zellen der Membrana granulosa abstammen. Diese Beziehung der Ovulation zur Corpus luteum-Bildung und die Vollständigkeit der untersuchten Serien machen das Beweismaterial wertvoller. als bei den Fällen, wo das Material nicht so sorgfältig gesammelt wurde, oder die Reihe nicht so vollständig war.

Die beiden Hauptgründe, welche zugunsten der Ansicht, dass die Luteinzellen von Zellen der 'Theca tolliculi abstammen, vorgebracht wurden, sind erstens, dass die Membrana granulosa entweder bei der Ovulation ausgestossen wird, oder gleich nach- her degeneriert, und zweitens, die Ähnlichkeit gewisser Zellen der Theca interna mit denen des Corpus luteum.

In bezug auf die erste Begründung sollte man erwähnen, dass die Membrana granulosa bei einer grossen Anzahl von Tieren weder degeneriert, noch bei der Ovulation ausgestossen wird, und wie Hegar gezeigt hat, ist dieses auch beim Menschen der Fall. In der Tat sprechen die allgemein vorkommenden Tatsachen dafür, dass die Zellen der Membrana granulosa in allen Fällen zu der Bildung der Luteinzellen beitragen, wenn diese ihnen

nicht ihren Ursprung sogar ganz verdanken. Archiv f. mikr. Anat. Bd.84. Abt. II. 3

34 Chas: H202Donochue:

In bezug auf den zweiten Punkt zeigt sich die Ähnlichkeit gewisser Zellen der Theca interna des reifen Follikels mit denen des Corpus luteum durch eine allgemeine Gleichartigkeit in Form und Aussehen der Zellen und Kerne und auch durch die Tatsache, dass diese Zellen in der Theca interna auch Luteinkörnchen ent- halten. Diese Ähnlichkeit kann dadurch erklärt werden, dass eine Anzahl interstitieller Zellen, welche nach Lane-Claypon (18) in gleicher Weise wie die Zellen der Membrana granulosa von dem Keimepithel abstammen und eine ähnliche Reihe von Ver- änderungen durchmachen, in die Theca interna eingeschlossen sind. In seiner letzten Arbeit erklärt Van der Stricht (39), dass die Luteinbestandteile auch durch diese interstitiellen Zellen der Theca interna, welche mit den Bindegewebs-Einwucherungen in das junge Corpus luteum eindringen, vermehrt werden können. Die Bedeutung dieser Elemente der Theca interna ist bei der Fledermaus gering, in dem Luteingewebe der Frau wird sie jedoch wichtiger. Er sagt ferner, dass diese interstitiellen Zellen den Epithelzellen der atretischen Follikel entstammen und aus der Theca interna auswandern.

Es unterliegt keinem Zweifel, dass, in Hinsicht auf den von Van der Stricht und anderen gelieferten Beweis, diese Zellen der Theca interna bei vielen Eutheria bei der Bildung des Lutein- gewebes eine Rolle spielen. Bei allen Eutheria scheint dieses jedoch nicht der Fall zu sein, denn Völker (40) gibt in seiner Arbeit über die Histogenese des gelben Körpers beim Ziesel das Urteil ab: „Die Zellen der Theca interna kann ich als solche bis in das vollkommen ausgebildete Corpus luteum verfolgen“ und sagt, dass sie nicht in Luteinzellen verwandelt werden.

Bei den beiden Arten von Perameles kommt solche Ähnlich- keit zwischen den beiden Zellarten nicht vor, und die Zellen der Theca interna unterscheiden sich immer von denen der Membrana granulosa oder des Corpus luteum, in dem reifen Follikel sind sie in der Tat den Zellen der Theca externa etwas ähnlich. Dieses ist auch bei den anderen untersuchten Arten der Beuteltiere der Fall, und obgleich die Beschaffenheit der Theca interna bei P. Wombat sich mehr der der Eutheria nähert, sind ihre Zellen doch niemals denen des Corpus luteum ähnlich. Nach Sandes ist die Theca interna bei den D. viverrinus als eine undeutliche Schicht platter, kernhaltiger Zellen nahe der Membrana propria

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 35

und der Theca externa sehr ähnlich, beschrieben, und erreicht niemals den bei den höheren Säugetieren beschriebenen Zustand. Derselbe Autor zeigt auch, dass es bei den D. viverrinus möglich ist, Follikel zu finden, in welchen die Hypertrophie der Zellen der Membrana granulosa schon vor dem Einbruch der Theca folliculi begonnen hat, und in diesen Fällen tritt der Unterschied zwischen den Zellen der Theca interna und denen des Corpus luteum sehr stark hervor.

Die Bildung der Theca interna kann bei den verschiedenen hier untersuchten Beuteltieren und D. viverrinus in Follikeln verschiedenen Alters genau betrachtet werden, und es zeigt sich, dass keine Einwanderung oder Einschliessung von interstitiellen Zellen vorkommt und dass es eine Struktur ist, welche unmittelbar von der Theca des Primärfollikels abstammt. Durch diese Tat- sachen sind die späteren Veränderungen der Zellen der Theca interna einigermassen zur Gewissheit geworden und man kann sehen, wie diese Zellen in die jungen Theca-Einwucherungen ein- dringen und an der Bildung des bindegewebigen Netzwerkes teil- nehmen. Nach Luteinkörnchen suchte man in diesen Zellen ver- gebens und selbst in mit Osmiumsäure fixierten Ovarien waren keine dunkelgefärbten Körnchen wie bei den Luteinzellen zu sehen. Es gibt keinen Beweis dafür, dass ırgend eine von ihnen sich verändert, um sich in eine Luteinzelle umzubilden, andererseits sind sie leicht zu erkennen und von Luteinelementen aller Stadien zu unterscheiden und machen tatsächlich keine Veränderung ausser der Zunahme an Zahl während der Bildung des gelben Körpers durch.

Hier ist also ein bemerkenswerter Unterschied zwischen Eutheria und Beuteltieren. Bei den Beuteltieren sind keine inter- stitiellen Zellen in die Theca interna eingeschlossen und die Zellen der Theca interna nehmen nur an der Bildung des binde- gewebigen Netzwerkes teil, verwandeln sich aber nicht in Lutein- zellen. Von den bis jetzt untersuchten Beuteltieren kann man sagen, dass die Membrana granulosa bei der Övulation nicht ausgestossen wird und nicht gleich nachher degeneriert. Ferner zeigen die Serien ganz deutlich, dass Bischoffs Hypothese für diese Tiere die richtige ist, und die Luteinzellen ausschliesslich von den Zellen der

Membrana granulosa abstammen, während die Ein- ar

36 Chas. H. O’Donoghue:

wucherungen der Theca follieuli nur das Binde- sewebe des Corpus luteum entstehen lassen.

Die Vermehrung der Luteinzellen.

Die Frage, ob in den Zellen der Membrana granulosa während ihrer Umwandlung in Luteinzellen Mitosen vorkommen, ist auch oft erörtert worden. Sobotta erklärt in seinen früheren Arbeiten über die Corpora lutea der Maus (31) und des Kanin- chens (32), dass in den Epithelialzellen des Follikels keine Mitosen vorkommen, bei seiner Untersuchung des Meerschweinchens be- schreibt er sie aber und bildet sie ab. Viele andere Autoren haben das Vorkommen mitotischer Figuren in den Zellen der Membrana granulosa während des ersten Bildungsstadiums des gelben Körpers wahrgenommen, z. B. Belloy (4) und auch Bouin (8) bei der Ratte und dem Meerschweinchen, Löb (19 und 20) bei dem Meerschweinchen, Marshall (2) beim Schaf, Regaud et Dubreuil (29) beim Kaninchen, Stratz (36) bei Tupaja, Sorex und Tarsius und Van der Stricht (37) bei ver- schiedenen Arten von Fledermäusen.

Andererseits geben Honor& (16) beim Kaninchen und Heape (13) bei Macacus rhesus an, dass keine Teilung vorkommt. Sandes hat bei trächtigen D. viverrinus festgestellt: „No multi- plication of the cell nuclei by direct or indireet division can be made out, though carefully and often searched for in sections treated with different stains“. Bei meiner Untersuchung der ähn- lichen Vorgänge bei nicht trächtigen D. viverrinus kam ich auch zu dem Schlusse, dass das Wachsen der Zellen der Membrana granulosa weder von direkter noch indirekter Teilung begleitet war.

Wie vorher gesagt, durfte ich die Originalschnitte, welche von Sandes gemacht wurden, durchsehen: bei der Nachunter- suchung dieser Schnitte und der Präparate von nichtschwangeren Weibchen fand ich ebenfalls keine Mitosen. Bei einer solchen Sache ist jedoch ein positiver Befund mehr wert, als eine Anzahl von Beobachtungen mit negativem Ergebnis, denn aus dem letzten kann man nur schliessen. dass das oder die speziellen Stadien, in denen Mitosen vorkommen, nicht untersucht wurden. Im all- gemeinen scheint es der Fall zu sein, dass sich die jungen Lutein- zellen während der ersten Entwicklungsstadien des gelben Körpers durch Teilung vermehren und wenn auch die Häufigkeit solcher

en I

= —]

Uber die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren.

Mitosen sich bei den verschiedenen Tieren nicht gleich bleibt, so kamen doch in allen bis jetzt beschriebenen Arten nur selten Mitosen vor.') Bei beiden, P. obesula und P.nasuta, sind Mitosen in den Luteinzellen, wenn auch nicht in grosser Anzahl, vorhanden, bei den drei anderen hier beschriebenen Arten wurden keine Mitosen gefunden, es handelte sich in diesen Fällen aber auch um keine sehr frühen Stadien.

Zusammenfassend kann man sagen, dass sich bei P. obesula und P. nasuta die Luteinzellen auf jeden Fall auch bis zu einem gewissen Grade durch mitotische Tei- lung vermehren, obgleich sie in der Hauptsache von den vergrösserten Zellen der Membrana granulosa abstammen.

Corpora lutea vera und spuria.

Dem Graafschen Follikel können drei verschiedene Schick- sale widerfahren; er kann entweder platzen, sein Ei ausstossen und wenn das Ei darauf befruchtet wird, ein Corpus luteum verum bilden; oder er kann sein Ei ausstossen, welches aber nicht befruchtet wird, und so ein Corpus luteum spurium entstehen lassen; oder er kann sich ohne zu platzen oder sein Ei auszu- stossen, verändern und dann ein Corpus luteum atreticum oder einen der Atrophie verfallenen Follikel bilden. Die letzte von diesen drei Möglichkeiten wird hier ausser acht gelassen.

’aladino (26 und 27) erklärt alle diejenigen Gebilde, welche in einem geplatzten Follikel entstehen, als wahre gelbe Körper, während er solche, die in einem nicht geplatzten Follikel, das heisst einem 'atrophischen Follikel, gebildet werden, falsche gelbe Körper nennt. Hierin folgt ihm nur Beigel (3), aber keiner der anderen Autoren. Aus Paladinos Bezeichnung geht jedoch nicht hervor, ob das Corpus luteum von einem trächtigen oder nicht trächtigen Tiere erhalten wurde, und da sie ausserdem ohne triftigen Grund zu Missverständnissen in der Nomenklatur führen würden, scheinen die oben angegebenen allgemein gebräuch- lichen Ausdrücke die besten zu sein. Ancel und Bouin er- wähnen, dass in Aufbau und Dauer dieser beiden Körper ein Unterschied ist, und sagen weiter, dass bei Tieren mit spontaner Ovulation zwei verschiedene Formen von Corpora lutea zu finden

') Vielleicht sind sie bei den Meerschweinchen häufiger und deutlicher, weil alle Forscher, welche dieses Tier bearbeiteten, sie beschreiben.

38 Chas. H. O’Donoghue:

sind. Die erste dieser Formen entsteht, wenn das Tier später trächtig wird, in dem oben festgelegten Sinne als ein „Corpus luteum verum“ und sie schlagen vor, dieses ein Schwangerschafts- Corpus luteum zu nennen (corps jaune gestatir). Die zweite Form wird gebildet, wenn das Tier später nicht trächtig wird, das heisst in dem oben festgelegten Sinne als Corpus luteum spurium, und da dieses bei polyoestrischen Tieren in regelmässig wiederkehrenden Perioden entsteht, haben die Autoren vorgeschlagen, sie periodische gelben Körper zu nennen (corps jaune periodique). Sie behaupten, dass dieser nicht so stark entwickelt ist und nicht so lange besteht wie ein „corps jaune gestative“. Diese vorgeschlagenen Bezeichnungen haben vor den schon allgemein gebräuchlichen keinen Vorteil und umfassen Unterschiede, welche nicht bei allen Tieren vorhanden sind.

Wie schon in der Einleitung angedeutet, dringt Wal- deyer (42) darauf, die Unterscheidung des Corpus luteum verum von einem Üorpus luteum spurium fallen zu lassen, da der Bau der Körper in beiden Fällen der gleiche sei. Es ist unverkennbar unmöglich, der weiteren Entwicklung eines einzelnen Eies aus einem besonderen Follikel zu folgen; oft ist es der Fall, dass man mehr Corpora lutea in den Ovarien als sich furchende Eier oder Embryonen in den Uteri findet, z. B. Bischoff beim Kanin- chen (5), Meerschweinchen (7) und Hunde (6) und Sobotta bei der Maus (31). Das Gegenteil könnte begreiflicherweise ın den Ausnahmefällen, wo ein Follikel mehr als ein Ei enthält, z. B. bei D. viverrinus (25). vorkommen. Man kann sich nicht denken, dass das weitere Schicksal eines Eies nur den besonderen Follikel, aus dem es kommt und keinen anderen beeinflusst, obgleich es begreiflich ist, dass das Eintreten oder Nichteintreten von Schwangerschaft Einfluss auf die gelben Körper in den Ovarien haben könnte, wie es in der Tat von einigen Autoren angegeben wird. Daher ist es wünschenswert, Bezeichnungen zu haben. welche angeben, ob der gelbe Körper einem schwangeren oder nicht- schwangeren Weibchen angehört. Wie in der Einleitung bemerkt, ist in dieser Arbeit die Bezeichnung ÜUorpus luteum verum für eine Struktur angewandt, welche in den geplatzten Follikeln eines Tieres, bei dem Befruchtung der ausgestossenen Eier folgt, entsteht, und Corpus luteum spurium für eine Struktur, welche sich in einem geplatzten Follikel bildet, wenn der Ovulation keine Befruchtung mit späterer Schwangerschaft folgt.

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 39

Was die Corpora lutea vera und spuria anbetrifft, so wurden einander widersprechende Ansichten von verschiedenen Autoren vorgebracht, welche einerseits daran festhalten, dass zwischen den beiden Strukturen ein Unterschied besteht. und andererseits, dass es keinen Unterschied gibt. Um ein einfaches Beispiel zu bringen: die meisten anatomischen Lehrbücher sagen, dass die beiden gelben Körper beim Menschen auf jeden Fall voneinander verschieden seien, während Pottet (S. 15) angibt: „Le corps jaune gestatif est identique au corps jaune periodique, il ne s’en differencie que par sa duree qui est celle de la grossesse“.

Wachstum und Bau des Corpus luteum spurium bei D. viverrinus wurde von mir (25) untersucht, und ich kam zu dem Schlusse, dass es in keinem Stadium möglich ist, das Corpus luteum eines nicht trächtigen Weibchens von dem eines trächtigen zu unterscheiden. Die Dauer der falschen gelben Körper konnte nicht genau festgestellt werden: jedenfalls zeigte es sich aber, dass diese gelben Körper nicht nur vorübergehend bestehen.

Ein frühes Bildungsstadium des Corpus luteum spurium bei P.obesula wurde oben beschrieben, und man sieht daraus, dass es in jeder Hinsicht einem gleichen Stadium eines wahren gelben Körpers gleich ist. Die völlig ausgebildeten Corpora lutea spurla von P.obesul, P.penicillata und P. wombat wurden eben- falls sorgfältig untersucht, und es erwies sich als unmöglich, zwischen ihnen und den Üorpora lutea vera der gleichen Art irgend einen Unterschied im Aufbau zu entdecken. Leider war in keinem dieser Fälle irgend ein Nachweis für die Dauer des falschen gelben Körpers beizubringen. In Hinsicht auf die beiden Arten von Beuteltieren kann man behaupten, dass die Bildung der beiden verschiedenen Corpora lutea die gleiche ist, und weiter bei den vier Arten, bei denen völlig ausgebildete Körper der beiden Sorten untersucht wurden, dass das Vorpus luteum verum und das Corpus luteum spurium in ihrem Bau identisch sind.

Das bindegewebige Netzwerk.

Abgesehen von den Autoren, welche sagen, dass die Membrana granulosa bei dem Platzen des Follikels zugrunde geht, oder sofort nachher degeneriert, und dass das ganze Uorpus luteum von der Theca interna abstammt, beschreiben die übrigen Forscher

40 Chas. H. O’Donoghue:

die Vorgänge in diesen beiden Schichten der Theca folliculi ver- schieden.

Einerseits erklärt eine Anzahl von ihnen, z. B. Sobotta bei der Maus (31) und beim Meerschweinchen (35), Stratz bei Tupaja, Sorex und Tarsius (36) und Van der Stricht (37) bei ver- schiedenen Arten von Fledermäusen, dass das bindegewebige Netz- werk des gelben Körpers allein von der Theca interna abstammt und alle, Van der Stricht ausgenommen, behaupten, dass die Theca interna bei diesem Prozess ganz aufgebraucht werde. Andererseits lassen einige Forscher, z. B. Marshall, beim Schaf (21) und Völker beim Ziesel (40) das Bindegewebe von beiden, der Theca interna und externa, abstammen. Marshall sagt, dass die Theca interna ganz aufgebraucht werde. Über das Kaninchen herrschen sich widersprechende Meinungen, Sobotta gibt an (32). dass das Netzwerk von der T'heca interna, welche bei diesem Prozess aufgebraucht wird, abstammt; nach Honor& (16) nehmen beide Schichten der Theca folliculi daran teil. und Honor& be- hauptet ferner, dass alle Zellen der inneren Schicht aufgebraucht werden. Cohn (10), welcher auch über das Kaninchen berichtet, sagt gleichfalls, dass die hineinwuchernden Bindegewebssprossen aus der Theca follieuli entstehen, er macht aber keinen Unter- schied zwischen den beiden Schichten.

Die Tatsache, dass die beiden Schichten der Theca follieuli in dem reifen Follikel von D. viverrinus nicht zu unterscheiden sind, hat schon früher die Aufmerksamkeit auf sich gelenkt, und nach Sandes ist es unmöglich, die Theca externa von der rudimentären Theca interna zu unterscheiden, diese Behauptung konnte ich später bestätigen (25). Weitere Untersuchungen meiner Serien mit be- sonderer Beachtung dieses Punktes zeigten, dass nach aussen von den Luteinzellen eine aus ein oder zwei kleinen Zellen bestehende Schicht liegt, deren Elemente sich sowohl von den Zellen des Luteingewebes als auch von denen der äusseren Bindegewebslage unterscheiden. Wahrscheinlich stellen sie die Reste der rudimentären Theca interna vor, obgleich die Schicht selbst in dem reifen Follikel nicht zu erkennen ist. Dieses ist begreiflich, wenn man bedenkt. dass ein einziges Ovarıum von Diaverrinus fünfzehn oder mehr reife Follikel zur selben Zeit haben kann, und dass die Follikel infolgedessen sehr dicht zusammengepresst werden, wodurch der Unterschied zwischen der Theca interna und externa verwischt wird.

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 41

Bei den beiden Arten von Perameles kann man verhältnis- mässig leicht den Veränderungen der beiden Schichten folgen, denn die Theca interna ist, obgleich nicht so deutlich abgegrenzt oder so gut entwickelt, wie bei den höheren Säugetieren, doch klarer, als bei D. viverrinus. Die einwuchernden Sprossen stammen von beiden Schichten, der Theca folliculi ab, und die Theca interna wird im Laufe der Umbildung fast ganz auf- gebraucht, wenn auch einige ihrer Zellen noch in dem völlig ausgewachsenen gelben Körper vorhanden sind. Nach aussen von den Luteinzellen sind hier und da noch einige ihrer Zellen zu sehen, aber sie bilden keine besondere Schicht mehr. P.peniecillata und M. ruficollis zeigen etwas weiter entwickelte Thecae internae: bei P. wombat ist diese Schicht noch deutlicher abgegrenzt, aber sie ist selbst bei diesen Tieren nicht so gut ausgebildet wie bei den höheren Säugetieren und enthält keine interstitiellen Zellen. Bei all diesen Arten sehen wir wieder, dass das Bindegewebe beiden Schichten der Theca folliculi seinen Ursprung verdankt, und wenn die Theca interna auch in sehr hohem Maße auf- gebraucht wird, so sind doch immer einige ihrer Zellen in dem äusseren Teil des Corpus luteum zwischen seinen Lutein-Bestand- teilen und der fibrösen Scheide, welche von der Theca externa abstammt, zu finden. Die Theca externa ist zweifellos, vielleicht beträchtlich, an der Bildung des Netzwerks des völlig ausgebildeten gelben Körpers beteiligt.

Bei den untersuchten Beuteltieren verdankt also das Bindegewebe des völlig entwickelten Corpusluteum den Einwucherungen der Theca follieuli seinen Ur- sprung. Beide, sowohl die Thecainterna alsauch die Theca externa, sindan dieser Bildung beteiligt, und die Theca interna wird bei diesem Vorgange nahezu aufgebraucht.

Das Corpus luteum bei den Beuteltieren und Monotremata.

In der Einleitung wurde auf Fraenkels und Cohns Behauptung, dass die Monotremata und Beuteltiere einen rudi- mentären oder gar keinen gelben Körper aufweisen, hingewiesen, es ist jedoch kein Beweis erbracht, der diese Behauptung unter- stützt.

42 Chas. H. O’Donoghue:

Was die Monotremata anbetrifft, so kann ich sagen, dass eines von ihnen, Platypus, auf jeden Fall ein Corpus luteum besitzt; die Frage aber, ob es rudimentär oder nicht rudimentär ist, kann man nur durch eine genaue Untersuchung seiner Struktur beantworten. Für die vorliegende Untersuchung wurde eine grosse Anzahl von Beuteltier-Ovarien der verschiedensten Arten unter- sucht und in allen den Fällen, wo das Ovarium einem schwangeren Weibchen angehörte, waren Corpora lutea vorhanden. Die Beweise in den Abhandlungen von Sandes (30) und mir (25) und die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung genügen, um zu zeigen, dass bei allen bis jetzt untersuchten Beuteltieren ganz deutlich als solche erkennbare, hochentwickelte Corpora lutea vorhanden sind. In gewissen Fällen, z. B. bei Perameles, ist das Corpus luteum kein grosses Gebilde, aber bei den betreftenden Arten ist auch das Ovarium selbst klein. Bei den Macropoden ist der gelbe Körper sehr gross, bei M. ruficollis erreicht er einen Durch- messer von 7,75 mm und bei P. penicillata einen von 5,25 mm. Beim Ovarium von D. viverrinus reduziert die grosse Anzahl der Corpora lutea das Ovarialstroma bis zu einem Minimum, und liefert so eine verhältnismässig grosse Menge von Lutein- gewebe. Bei P. wombat erreicht das Corpus luteum sehr be- deutende Dimensionen, und das Luteingewebe bildet mehr als die Hälfte des ganzen Ovariums, doch ist es richtig, dass bei diesen Tieren die Theca interna des reifen Follikels nicht ganz so gut entwickelt ist und keine interstitiellen Zellen, wie bei den Ovarien einiger Eutheria, enthält. Das völlig ausge- wachsene Corpus luteum ist jedoch genau so gut entwickelt und man kann es in keiner Weise vondem eines Eutherion unterscheiden.

12.

13.

20.

21.

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 45

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en A

Uber die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 45

Erklärung der Abbildungen auf Tafel I--IV.

Für alle Figuren gültige Bezeichnungen.

b. c. = Bindegewebseinwucherung; b.1. Blut: b.n. Bindegewebsnetzwerk ; c.h. Zentralhöhle; c.p. Zentralpfropf; e.f. Follikelepithel (Membrana

granulosa): e.o. Ovarialepithel (Keimepithel): i.c. bindegewebige innere Schicht des jungen Corpus luteum ; m. mitotische Figur: m.p. = Membrana propria; r. Rißstelle des Follikels; t.e. Theca externa; t.i. Theca interna; t.z. Zellen von der Theca interna. Tafel I

Bie.'.1 Fig. 2 Fig. 3. Fig. 4 Fig. 5 Fig. 6 Fig. 7 Fig. 8 Ro: Fig. 10. Kiel. Fig. 12. Fig. 13. Fig. 14. Fig. 15

Photographie des Ovariums von P. wombat Nr. 1, annähernd natürliche Grösse. Photographie des Ovariums von P. wombat Nr. 3, annähernd natürliche Grösse. Photographie des Ovariums von P. wombat Nr. 5, annähernd natürliche Grösse. Photographie des Ovariums von P. wombat Nr. 7, annähernd natürliche Grösse. Photographie des Ovariums von P. wombat Nr. 8, annähernd natürliche Grösse. Photographie des Ovariums von P. wombat Nr. 9, annähernd natürliche Grösse. Ovariums. Photographie des Ovariums von M. ruficollis Nr. 6. 1,3mal vergrössert.

Photographie des Ovariums von M. ruficollis Nr. 10a. 1,4mal vergrössert.

Photographie des Ovariums von P. penicillata Nr.4. 1,3 mal vergrössert.

Photographie des Ovariums von P. penicillata Nr.7. 1,3 mal vergrössert.

Die Mikrophotographien wurden mit einem mikrophoto- graphischen Apparat von Zeiss aufgenommen. Mikrophotographie eines Querschnittes durch einen Teil des Ovariums von P. obesula Nr. 1a. Die Membrana granulosa, Membrana propria und Theca folliculi sind deutlich zu sehen. Mikrophotographie eines Schnittes durch ein junges Corpus luteum von P.obesula Nr. la. 4Ö0mal vergrössert.

Mikrophotographie eines Schnittes durch ein junges Corpus luteum von P.obesula Nr. 2a. 40 mal vergrössert. Mikrophotographie eines Schnittes durch ein junges Corpus luteum von P. nasuta Nr. 2; nicht ganz durch die Mitte getroffen. 40 mal vergrössert.

Vor der Geburt des Jungen. Die Größe des (orpus luteum ist deut- lich zu sehen.

Nach der Geburt des Jungen; sie zeigt die unregel- mässige Ober- fläche des

Tafel I. Mikrophotographie eines Schnittes durch ein fast ausgebildetes Corpus luteum von P.obesula Nr.3. 40mal vergrössert.

= gs

I)

ID

Fig. 24.

Die Zeichnungen wurden mit Hilfe eines Zeissschen Zeichenapparates (nach

Chas. H-07Donochue:

Mikrophotographie eines Schnittes durch ein völlig ausgebildetes Corpus luteum von P.obesula Nr. 8. 4Ö0mal vergrössert. Mikrophotographie eines jungen Corpus luteum eines nicht trächtigen P.obesula Nr. 13. 40mal vergrössert.

Mikrophotographie eines Schnittes durch ein altes Corpus luteum eines nicht trächtigen P.obesula Nr. 14. 40mal vergrössert. Mikrophotographie eines Schnittes durch ein völlig altes Corpus luteum bei einem nicht trächtigen M. ruficollis Nr. 11. 12,5mal vergrössert.

Mikrophotographie eines Schnittes durch einen Teil des Ovariums von P. penicillata Nr. 3, welcher ein tätiges Corpus luteum, ein altes Corpus luteum und das interstitielle Gewebe in dem Ovarialstroma zeigt. 40 mal vergrössert.

Tafel III. Mikrophotographie eines Schnittes durch ein junges Corpus luteum bei M.ruficollis Nr. 7. 12,5mal vergrössert. Mikrophotographie eines Schnittes durch ein völlig ausgebildetes Corpus luteum bei M. ruficollis Nr. 6. 12,5 mal vergrössert. Mikrophotographie eines Schnittes durch ein völlig ausgebildetes Corpus luteum bei P.wombat Nr.3. 6mal vergrössert. Mikrophotographie eines Schnittes durch ein völlig ausgebildetes Corpus luteum bei einem nicht trächtigen P. wombat Nr. 10. 6 mal vergrössert.

Tafel IV.

Abbe) gefertigt und sind alle 144 mal vergrössert bis auf Nr. 29, welche

Fig. 31.

Fig. 32.

192 mal vergrössert ist. Teil der Wand eines ziemlich reifen Follikels von P. obesula Nr. 8. 144mal vergrössert. Teil der Wand eines jungen Corpus luteum von P. obesula Nr. 1a. 192mal vergrössert. Teil der Wand eines jungen Corpus luteum von P. obesula Nr. 2a. 144mal vergrössert. Teil eines völlig ausgebildeten Uorpus luteum von P. obesula Nr. 8. 144 mal vergrössert. Teil eines völlig ausgebildeten Corpus luteum von einem nicht trächtigen P.obesula Nr. 14. 144mal vergrössert. Teil der Wand eines ziemlich reifen Follikels von P. nasuta Nr. 1. 144mal vergrössert. Teil der Wand eines jungen Corpus luteum von P.nasuta Nr. 2 der weniger vorgeschrittenen Seite. 144 mal vergrössert. Teil der Wand eines jungen Corpus luteum von P.nasuta Nr. 2 der weiter vorgeschrittenen Seite. 144 mal vergrössert.

Fig.

-

Über die Corpora lutea bei einigen Beuteltieren. 47

Tafel V.

Teil der Wand eines reifen Follikels von M. ruficollis Nr. 10. 144 mal vergrössert.

Teil eines Corpus luteum von M. ruficollis Nr. 5. 144mal vergrössert.

Teil der Wand eines reifen Follikels von P.penicillata Nr. 6. 144 mal vergrössert.

Teil eines Corpus luteum von P. penicillata Nr. 4. 144mal vergrössert.

Teil der Wand eines ziemlich reifen Follikels von P. wombat Nr.8. 144mal vergrössert.

Teil eines Corpus luteum von P. wombat Nr. 3. 144mal ver- grössert.

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49

Aus der Zoologischen Station zu Neapel und dem Anatomisch- biologischen Institut zu Berlin.

Kreuzungsversuche an Knochenfischen.

Von Günther Hertwig und Paula Hertwig.

Hierzu Tafel V.

Inhalt. Seite A. Einleitung . . . en ee ee I B Material und er chankemetlioden N Tr a a il) C. Experimenteller Teil... ... 2 en, 1 Ve 97 1. Gobius jozo 2 X Gobius eapito r a EN RE 90 2 Gobıus-capibos2 >Gobius 1020 & : . 2... BIETEN 0 3. Gobius jozo © x Gobius minutus d und orte, 2 a ee

4. Gobius jozo £ x Crenilabrus pavo Z und Gobius capito 9 X TEnIlaDEUSEH VOR ion 5. Reziproke Kreuzung . . . : 66

6. Crenilabrus pavo 2 X Ca ailebrus massa d an ne: Bayer Brenllabrusstinea 8: .: 3 2m ma, ee Va@rzenlahrus pavor922%X Box boops d . . =. uni. ul are 368 8. Crenilabrus pavo @ x Smaris alcedo d . . . 69

D. Allgemeiner Teil. Zusammenfassende Übersicht über (Are Resultate des experimentellen Teiles. Disharmonische Kern- und Plasma- Verbindungen. Die Idioplasmatheorie von O. Hertwig. . 78

A. Einleitung.

Während eines zwei Monate langen Aufenthaltes an der Zoologischen Station zu Neapel im Frühjahr 1913 beschäftigten wir uns neben anderen Studien auch mit Kreuzungen an Knochenfischen, deren Resultate den Inhalt der vorliegenden Arbeit bilden. Ebenso wie andere Forscher, die auf demselben Gebiet Untersuchungen angestellt haben, waren auch wir über die Leichtigkeit erstaunt, mit der sich die Fischeier durch den Samen ganz fernstehender Arten befruchten und zur Entwicklung anregen lassen. Dies ist besonders bemerkenswert, wenn wir die Schwierig- keiten bedenken, mit denen in anderen Gattungen des Tierreichs, so bei den Echinodermen und Amphibien, die Kreuzung zweier

oft ganz nahe verwandter Arten verbunden ist. Da man ferner, Archiv f. mikr. Anat. Bd.S4. Abt. II. 4

50 Günther und Paula Hertwig:

dank ihrer Durchsichtigkeit, bei vielen pelagischen Fischeiern am lebenden Objekt die Teilungen, die Keimblattbildung, die Entwicklung des Embryo gut verfolgen kann, und auch die zytologische Untersuchung der Kernverhältnisse während früher und älterer Entwicklungsstadien mit keinen besonderen Schwierig- keiten verknüpft ist, so sind unzweifelhaft die Teleostier ein äusserst geeignetes Material für das Studium artfremder Bastardierungen. Wir müssen es daher als wunderbar bezeichnen, dass, abgesehen von einigen amerikanischen Forschern, wie Moenkhaus und Newman, noch keine eingehenden Unter- suchungen an Teleostiern angestellt wurden. Sicher liegt hier ein Arbeitsgebiet vor, dessen gründliche Durchforschung noch eine reiche Ausbeute von interessanten Ergebnissen verspricht.

Leider erlaubte die Kürze der Zeit uns nicht. die Unter- suchungen noch weiter auszudehnen. Namentlich bedauern wir das Fehlen einiger reziproken Kreuzungen, die wir aus Mangel an Material nicht ausführen konnten. Dass wir überhaupt imstande waren, in den zwei Monaten, besonders im April, 10 verschiedene Kreuzungen, zum Teil zu wiederholten Malen, vorzunehmen, verdanken wir nicht zum wenigsten der liebenswürdigen Bereit- schaft, mit der Dr. Cerruti unseren Wünschen nach Unter- suchungsmaterial nachkam. Ihm, sowie den Herren an der Station, die uns bei unseren Arbeiten bereitwilligst unterstützten, namentlich dem Leiter der Zoologischen Station, Herrn Prof. R. Dohrn, sei daher unser bester Dank ausgesprochen.

Ebenso ist es uns eine angenehme Pflicht, auch an dieser Stelle Herrn Dr. P. Pappenheim, Kustos am Zoologischen Museum zu Berlin, und Herrn Prof. J. D. Anisits, für die Liebenswürdigkeit zu danken, mit der sie uns bei der Bestimmung der verschiedenen Fischarten mit ihrem Rat und ihrer grossen Sachkenntnis behülflich waren.

B. Material und Untersuchungsmethoden.

Ehe wir zur Beschreibung der Bastardierungsversuche übergehen. seien einige Angaben über das benutzte Material, sowie über die Befruchtungs- und Konservierungsmethoden gemacht. Es kamen bei unseren Versuchen die Eier von drei Gobiusarten, Gobius capito, Gobius jozo und minutus (bestimmt nach Luigi Sanzo und Moreau: „Poissons de la France“),

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 5l

sowie diejenigen von Crenilabrus pavo und melops zur Ver- wendung. Zur Befruchtung konnten wir ausser dem Sperma der genannten Arten noch den Samen von (Crenilabrus tinca. Box boops und Smaris alcedo benutzen.

Die Gobiiden, die im Golf von Neapel sehr zahlreich vorkommen, sind im März und April geschlechtsreif. Ihre Spermatozoen zeichnen sich, im Gegensatz zu anderen Knochen- fischen, durch ihre grosse, im Meerwasser lange anhaltende Beweglichkeit aus. Die durch Zerzupfen des Hodens in einigen Tropfen Seewasser gewonnene Samenflüssiekeit konnte in der feuchten Kammer lange Zeit unverändert aufgehoben werden. Selbst nach 4 Stunden waren die Spermien, in frisches See- wasser gebracht, noch tumultuarisch beweglich. Auch bei stärkerer Verdünnung mit Seewasser hielt die Bewegung bisweilen 1 Stunde an. Die Eier der Gobiiden sind von einer elastischen, derben, aber durchsichtigen Hülle umgeben, die bei G. jozo und G. capito von spindelförmiger, bei G. minutus von birnenförmiger Gestalt ist. Bei der Ablage werden die Eier an Steinen usw. festgeklebt.

Gobius jozo kommt am häufigsten vor. Er hat eine Länge von S—12 cm, die Eier sind 2,11 mm lang und 0,51 mm breit. (Mit Hüllen, nach Lo Bianco.) Sehr viel grösser ist Gobius capito, der eine Länge von 25 cm erreicht. Auch seine Eier sind erheblich grösser, etwa 5 mm lang und 1,5 mm breit. Gobius minutus ist ein Fischehen von 5 cm Länge, mit Eiern, deren Durchmesser 0.31—1,1l1 mm beträgt und die sich durch die birnenförmige Gestalt der Hülle auszeichnen. Leider erhielten wir nur zweimal geschlechtsreife Tiere.

Da die Gobiiden zu den Teleostiern gehören, die ihre Geschlechtsprodukte durch besondere Kanäle entleeren. konnten wir, um die künstliche Befruchtung auszuführen, nicht, wie sonst üblich, die Eier und Samen durch Abstreichen der Fische erhalten, sondern mussten die Tiere durch einen Schnitt durch das Halsmark töten und die Ovarien und Hoden frei präparieren. Es kam uns hierbei sehr zu statten, dass sich Männchen und Weibchen an der Form der hinter dem After befindlichen Genitalpapille unterscheiden liessen: beim Männchen ist diese lang und spitz, beim Weibchen kürzer und breiter. Da wir häufig 20-30 Männchen und nur 3—4 Weibchen erhielten,

ersparte uns dieses Unterscheidungsmerkmal viel Zeit und Mühe. 4*

52 Günther und Paula Hertwig:

Zu unseren Experimenten benutzten wir nach Möglichkeit frisch eingefangenes Material, da besonders die Eier der Weibchen. die im Aquarium am Ablegen gehindert waren, leicht überreif wurden: dagegen waren die Männchen noch nach längerer Ge- fangenschaft brauchbar.

Bei der Ausführung der künstlichen Befruchtung verfuhren wir folgendermassen: Wir öffneten die Ovarien und entnahmen ihnen mit zwei Nadeln die Eier, die wir auf einen etwas angefeuchteten Objektträger aufsetzten. Reife Eier erkannten wir an der deutlich abgegrenzten Ölblase und an dem Besitz der länglichen Hülle, die aber bei den frisch dem Ovarium entnommenen Eiern sich nur wenig abhebt. Ferner blieben reife Eier mittels feiner Fäden am feuchten Glas kleben, während unreife Eier nicht festhafteten. Die so mit etwa 30 Eiern be- legten Objektträger wurden in eine flache Schale gebracht und befruchtet. indem wir sie mit Sperma, das mit Seewasser ver- dünnt war, bespritzten.. Nach einigen Minuten gossen wir frisches Seewasser dazu. bis dass die Eier bedeckt waren. Befruchtete Eier hoben bald darauf ihre Hülle ab. Indes ist dies kein sicheres Zeichen für die erfolgte Befruchtung: obgleich sicherlich unter dem Einfluss des eingedrungenen Samenfadens die Hüllen sich rascher und regelmässiger abhoben, konnten wir doch fest- stellen. dass unbefruchtete, besonders überreife Eier, ebenfalls Hüllen bildeten. Den besten Prozentsatz der Befruchtung, nahezu 100°/o. erhielten wir bei Eiern, die erst im Augenblick der Besamung oder kurz vorher mit Wasser in Berührung gekommen waren; jedoch gelang es uns auch noch einige Eier, die bereits 1 Stunde im Wasser gelegen hatten, zu befruchten. Diese hoben allerdings die Membran nur unvollkommen ab und lieferten daher pathologische Embryonen.

Nach Ablauf von etwa 1—1!/s Stunden begann die erste Teilung sichtbar zu werden, der bald darauf die zweite und dritte folgte. Zur weiteren Entwicklung wurden darauf die Objektträger in Schalen mit fliessendem Wasser gebracht. Unter diesen Bedingungen verlief bei gesundem Eimaterial die Entwicklung bis zum Ausschlüpfen bei fast allen Individuen gleichmässig und normal. Hatten wir aber überreife oder sonst beschädigte Eier befruchtet. so traten zwar meistens die ersten Teilungen regel- mässig auf, aber später zeigten sich andere Störungen. So konnten

a o

Kreuzungsversuche an Knochenfischen.

wir häufig bald, oder einige Zeit nach der Befruchtung, ein Platzen der Ölblase beobachten, die ihren Inhalt in den zwischen Ei und Hülle befindlichen Raum entleerte. Dieser Umstand führte bald zu einer Sistierung der Entwicklung. Eine andere Art der abnormen Entwicklung, die auf überreifes Eimaterial zurückzuführen war, bestand in einer Ablösung von Zellen, die als isolierte Schollen innerhalb der Hüllen zu liegen kamen. Auch diese Anomalie bewirkte den Stillstand der Entwicklung am zweiten oder dritten Tage.

Neben den Gobiuseiern gelangten die Eier von Crenilabrus pavo und melops zur Verwendung. Auch sie besitzen die für Versuchszwecke günstige Eigenschaft, mittels der Hülle an dem (runde der Zuchtschalen festzukleben; sie haben vor den Gobius- eiern den Vorzug der grösseren Durchsichtigkeit, man kann sogar in dem sich teilenden Ei die Furchungskerne erkennen. Die Crenilabruseier sind von kugliger Gestalt und besitzen eine (rösse von 0,75 mm. Dem reifen unbefruchteten Ei liegt die Hülle noch dieht an. Man kann die Keimsubstanz als hellere Lage um den Dotter erkennen: an dem einen Pol befindet sich eine hügelartige Ansammlung des Plasma. Nach der Befruchtung erfolgt eine Kontraktion des Eiinhalts, die Hülle ist jetzt durch einen deutlichen Zwischenraum, der bei melops grösser als wie bei pavo ist, vom Ei getrennt. Ferner sondern sich Plasma und Dotter, indem ersteres sich als Kalotte an dem einen Pol an- sammelt. Eine ausführlichere Beschreibung des unbefruchteten Urenilabruseies und seiner weiteren Entwicklung gibt Jos. Hein- rich List in seiner Entwicklungsgeschichte der Labriden. Wir werden, wie auch hier, so noch später auf diese Arbeit verweisen.

Es sei hier noch eine Beobachtung eimgeschaltet, die wir an unbefruchteten Crenilabruseiern, die einige Zeit im Wasser selegen hatten, machten. Bei diesen Eiern hatte zwar ebenfalls, wie auch List schreibt, eine Kontraktion und Ausbildung eines perivitellinen Raumes stattgefunden, aber die deutliche Ab- srenzung von Keimscheibe und Dotter war unterblieben. Das Plasma breitete sich, ähnlich wie bei einem frisch dem Ovarıum entnommenen, unbefruchteten Ei, über den ganzen Dotter aus. Auf Schnitten durch solche Eier ist zu erkennen, dass die Randzone des Plasma vakuolisiert worden ist, eine Erscheinung, die wohl auf den beginnenden Zerfall hindeutet. Ferner ist in diesen

4 Günther und Paula Hertwig:

Eiern keine Spur des Eikernes zu finden, dagegen ist das gesamte Plasma von unzähligen Strahlungen durchsetzt. In der Nähe der Strahlungspole liegen kleine, ründe Klumpen, die sich mit Magentarot intensiv färben und an Chromatinbrocken erinnern.

Bei der Befruchtung verfuhren wir so, dass wir ein frisch gefangenes Weibchen abstrichen, die Eier in einer trockenen Schale sammelten und sie dann „feucht“ befruchteten, indem wir mit einer Pipette mit Seewasser verdünnte Samenflüssigkeit über die Eier spritzten. Dann wurde während der weiteren Entwicklung fliessendes Wasser durch die Schalen geleitet.

Es sei hier noch erwähnt, dass wir bei der Ausführung unserer Bastardierungen alle Vorsichtsmiassregeln, die beobachtet werden müssen, um eine Verunreinigung mit nicht gewünschtem Sperma zn vermeiden, in Anwendung brachten. Die Glasschalen waren sorgfältig ausgewaschen, die Instrumente wurden vor jeder Benutzung ausgeglüht, die Fische vor der Entnahme der Eier und Samen in Süsswasser abgespült und mit Fliesspapier getrocknet.

Als Fixierungsmittel, besonders der Frühstadien, benutzten wir Zenkersche Flüssigkeit. Die Eier wurden in toto mit Hüllen eingelegt und 24 Stunden in der Flüssigkeit gelassen, dann gut ausgewaschen und in schwachem Formalinwasser aufgehoben. Vor der weiteren Bearbeitung präparierten wir unter der Lupe mit zwei Nadeln die Hüllen von den Eiern ab, und brachten sie möglichst schnell, um das Hart- und Brüchigwerden des Dotters zu verhindern, durch die Alkoholreihe in Jodalkohol und in 95°/o Alkohol. Alsdann wurden sie mittels Bergamottöl in Paraffin eingebettet, in 7—10 u dicke Schnitte zerlegt und mit Magentarot- Pikroindigkarmin gefärbt. Die so behandelten Eier schnitten sich vorzüglich und wiesen eine gute Konservierung sowohl der Kern- substanz als auch des Plasma auf. Ältere Gobiusembryonen wurden schon vor der Fixierung lebend von ihren Hüllen befreit, was meist sehr leicht gelang, da die Tierchen durch Eigen- bewegung nachhalfen. Als Fixierungsmittel für spätere Stadien dienten auch Pikrin-Essig-Sublimat. Chrom-Sublimat und Flem- mingsche Flüssigkeit und, wo es in erster Linie auf die Erhaltung des Pigmentes ankam, Sublimat-Eisessig. Auch diese Embryonen wurden in Formalinwasser aufgehoben. und zum Teil, wie vorhin angegeben, weiter behandelt. Für die Anfertigung der Photographien wurden die Embryonen mittels Zedernöl aufgehellt.

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 576)

C. Experimenteller Teil. 1. Gobius jozo 2 X Gobius capito &.

Die Befruchtung der Gobius jozo-Eier mit Samen von Gobius capito stiess auf keine Schwierigkeiten. Fast alle bastardierten Eier hoben zur gleichen Zeit wie die Kontrollen die Hüllen ab, und nach Ablauf von 1'/e—2 Stunden traten die ersten Furchungen in beiden Kulturen regelmässig auf. Die Frage, ob bei Bastardierungen die ersten Teilungen bereits durch den Samen- faden zeitlich beeinflusst werden, ist in der letzten Zeit öfters ein Gegenstand der Diskussion gewesen. Appellöf und Moenk- haus beobachteten bei ihren Fischkreuzungen, dass der Teilungs- rhythmus des mütterlichen Eies massgebend für das Auftreten der ersten Furchungen im bastardierten Ei wäre. Dieselben Angaben machte Newman in seiner 1904 erschienenen Arbeit über Fundulusbastarde: „the rate of early cleavage is not measurably altered by the introduction into the egg of sperm, belonging to a more slowly or more rapidly developing species“. Newman ändert jedoch nach erneuten eingehenden Unter- suchungen seine Ansicht. Auf Grund von sorgfältigen Zählungen gibt er jetzt an, dass „hybrid eggs (F. majalis 2 X F. heteroclitus 3) show a slight acceleration of early cleavage as compared with pure bred F. majalis eggs“.

Einen Beitrag zur Entscheidung dieser Frage vermögen wir in dieser Arbeit nicht zu geben, da, wie Newmans Abhandlung lehrt, nur ausgedehnte statistische Untersuchungen Aufschluss geben können, und uns zu diesen die Zeit fehlte. Es mag aber darauf hingewiesen werden, dass das Objekt für derartige Beobachtungen vielleicht sehr geeignet ist; denn das G. capito-Ei teilt sich etwa !/s Stunde später als wie das viel kleinere von Gobius jozo. Dazu kommt noch, dass die Teilungen bei allen Eiern von einem Weibchen überraschend gleichzeitig auftreten. Auf Schnitten durch zweigeteilte Eier, die zusammen fixiert wurden, fanden wir sogar fast immer alle Kerne im gleichen Stadium.

Ein deutlicher Unterschied in der Entwicklung machte sich erst am 2. Tage bei den Bastarden bemerkbar. Sie hatten sich zwar auch, wie die Kontrollen, zu kleinen Embryonen mit Kopf und Schwanzhöcker entwickelt, aber während in den

-

56 Günther und Paula Hertwie:

normalen Zuchten die Augenblase deutlich zu erkennen war. zeigten die Bastarde noch keine Anlage derselben. Die verlangsamte Entwicklung war während der folgenden Tage charakteristisch für die Bastardembryonen. Im (Gegensatze zu den Kontrollen besassen ihre Augen am 3. Tage noch keine Linse und am 4. Tage zeigten sie noch keine Pigmentierung des Schwanzes. Auch waren die Bastarde deutlich kürzer und zum Teil weniger durchsichtig als wie die Kontrollen. Am 5. Tage nach der Befruchtung beobachteten wir kräftige Herzpulsation bei den normalen Embryonen. Bei den Bastarden konnten wir in dem einen Versuch nur undeutliche und seltene Zusammenziehungen des Herzens bei einigen Tieren konstatieren. In einer zweiten Versuchsserie liessen sich zwar auch schon Herzpulsationen fest- stellen. sie waren aber bedeutend langsamer als die der Kontrollen. So zählten wir bei den Bastarden durchschnittlich 35 Schläge pro Minute. bei den normalen Embryonen hingegen 45. In den folgenden Tagen waren die Unterschiede zwischen den am besten entwickelten Bastarden und den normalen Embryonen weniger auftällig. Doch blieb der Herzschlag langsamer, auch zirkulierten weniger Blutkügelchen im Herz und in den Gefässen. Ferner waren die Bastarde häufig kürzer und besassen kleinere Augen. Die besten unterschieden sich jedoch kaum von der Kontrolle.

Eine Abbildung eines gut entwickelten, 9 Tage alten Bastards sehen wir in Fig. 1. daneben eine gleich alte Kontrolle, die in Fig. 2 dargestellt ist. Der Bastard unterscheidet sich vom normalen jozo-Embryo nur dureh eine leichte Krümmung des Schwanzes. etwas geringere Grösse und leichte Trübung des Plasma. die besonders gut im Flossensaum erkenntlich ist. Am lebenden Tiere war noch ein weiteres unterscheidendes Merkmal zu erkennen: Die Augen, die bei der Kontrolle schön irisierten. waren beim Bastard nur tiefschwarz pigmentiert. Ferner bemerkten wir bei diesem gelbe Pigmentzellen, die dem normalen G. jozo-Embryo fehlen, jedoch in grösserer Anzahl bei G. capito-Larven zu bemerken sind. Neben solchen gut entwiekelten Mischlingen waren bereits auf allen Entwicklungsstufen eine grössere Anzahl erkrankt und zum Teil schon abgestorben. Von den kräftigsten gelang es einigen, sich am 13. Tage ohne Beihilfe aus den Hüllen zu befreien. Wie die normalen Tiere. von denen einige schon am 11. und 12. Tage, die meisten aber ebenfalls am 13. Tage ausschlüpften,

A in

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 57

schwammen sie lebhaft umher und waren sicher lebenskräftig. Die grössere Zahl der sonst gut entwickelten Bastarde schlüpfte aber nicht aus. DBefreite man diese Larven durch Anschneiden von den Hüllen, so bewegten sie sich zum Teil ebenfalls ganz lebhaft im Wasser. Der Rest starb nach 1—2 Tagen in den Hüllen ab.

Wie schon vorhin gesagt, traten neben vielen solchen lebensfähigen gut entwickelten Bastarden von den ersten Tagen an viele Missbildungen auf, ganz im Gegensatz zu den Kontroll- zuchten, die sich stets gleichmässig gut entwickelten. Auch erwiesen sich die Bastarde als sehr empfindlich gegen äussere schädliche Einflüsse. Ihre geringe Resistenzfähigkeit machte sich besonders in einem Versuch geltend, indem wir die beiden Zuchten sich in stehendem Wasser, das wir aber häufig wechselten. ent- wickeln liessen. Bis auf zwei Embryonen starben die Bastarde als Spinae bifidae oder ganz pathologische Embryonen frühzeitig ab. Vjel später machte sich der Sauerstofimangel entwicklungshemmend bei der Kontrolle bemerkbar. Auch als wir in einem anderen Experiment aın 9. Tage nach der Befruchtung einen Teil der Bastarde und Kontrollen in Schalen mit stehendem Wasser brachten, war dieses Verfahren für die ersteren verhängnisvoll. Die fehlende Zufuhr von frischem Sauerstoff verursachte ihr Absterben innerhalb von 2 Tagen. Die normalen Larven hingegen schlüpften zum grössten Teil aus.

Nachdem wir die Resultate der Gobius j0ozo 2 X capito d Kreuzung geschildert haben, wollen wir uns zunächst der Frage zuwenden, inwieweit können wir bei der Entwicklung der Bastarde Merkmale erkennen, die auf den Einfluss der väterlichen Art zurückzuführen sind ?

Besonders geeignet zum Studium solcher Mischlingscharaktere bei Embryonen ist das Vorhandensein und die Verteilung von Pigmentzellen, wie uns Bancrofts eingehende Arbeit über Vererbungsmerkmale bei Funduluslarven zeigt. Ebenso wie diese, besitzen unsere Gobiusembryonen verschiedene Arten von Pigment- zellen. Wir fanden, dass gelbe und schwarze Chromatophoren gebildet wurden. In der Ausbildung des schwarzen Pigments bestehen, wie Fig. 1 und Fig. 2 zeigen, keine Unterschiede. Der Bastard und die Kontrolle, die zu gleicher Zeit konserviert wurden, besitzen etwa dieselbe Anzahl schwarzer Chromatophoren, die auch bei beiden ähnlich auf dem Embryo verteilt sind.

Günther und Paula Hertwig:

Anders fiel das Resultat bei der Beobachtung des gelben Pigments aus. Wir bemerkten bei 9 Tage alten Bastarden am lebenden Tier auf dem Rücken das Auftreten von gelben Pigment- zellen, die den jozo-Embryonen zu dieser Zeit ganz fehlten und auch später weniger zahlreich ausgebildet wurden, während sie den normalen capito-Larven in etwa demselben Maße wie den Bastarden eigen sind. Da wir versäumten, eine Zeichnung des lebenden Fisches zu entwerfen, und an dem konservierten Material das gelbe Pigment nur undeutlich zu erkennen war, können wir leider keine Abbildung dieses Bastardcharakters geben.

Aber nicht nur in der eben beschriebenen Pigment- entwicklung konnten wir den Einfluss der väterlichen Art erkennen, wir glauben vielmehr, dass dieser auch in der langsameren Ent- wicklung der Bastarde zum Ausdruck kommt.

Um diese Annahme zu veranschaulichen, sei ein Vergleich zwischen der Entwicklung der normalen G. capito- und jozo-Embry- onen, sowie der Bastarde gezogen. Hierzu diene folgende Tabelle:

| | Gobius

Nach der N E ? | Gobius jozo | Gobius capito |. : Befruchtung : | jozo @ x capito & er va REN a >T Embryonen mit 2 Tage Augenblase ! e | | Embryonen mit 3 Tage ı N | Augenblase | Beginn Augenblase angelegt 4 Tage der Pigmentierung Keine im Schwanz Pigmentierung Augen dunkel Wenig Pigment 5 Tage pigmentiert. Beginn | in

der Herzpulsation

Schwanz und Augen

6 Tage

Beginn | der Pigmentierung in Schwanz und Augen

Beginn der Herzpulsation

} Beginn | es der Herzpulsation | Ausschlüpfen 12 Tage | Ausschlüpfen der einiger, Absterben Be | meisten Embryonen ‚der meisten in den | ' folgenden Tagen 28 Tave | Ausschlüpfen der | Rn Embryonen

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 99

Wir sehen aus dieser Tabelle. auf der bestimmte, besonders markante Stadien der Entwicklung angegeben sind. dass die Bastarde eine Mittelstellung in bezug auf das Entwicklungs- tempo einnehmen. Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir hierin eine Äusserung eines der väterlichen Art zukommenden Merkmals erblicken.

In wie hohem Maße die schnellere oder langsamere Ent- wicklung des Embryos nicht nur vom Ei, sondern auch von der väterlichen Keimzelle mit beeinflusst wird, zeigen uns Newmans Fundulus-Kreuzungen, auf die wir hier etwas näher eingehen wollen. Die Embryonen von Fundulus heteroclitus- und F. majalis besitzen ein ungleiches Entwicklungstempo, die ersteren schlüpfen nach etwa 14 Tagen aus, die letzteren nach 22—23 Tagen. In den Anfangsstadien der Entwicklung bleiben nun die F. heteroclitus 2 X F.majalis 3 Bastarde hinter den reinen F. heteroclitus-Larven zu- rück, und die F. majalis 2 X heteroclitus Z Bastarde entwickeln sich schneller wie die F. majalis-Embryonen. Diese Erscheinung führt Newman auf den jeweiligen väterlichen Einfluss zurück. Dieser wird aber noch deutlicher, sobald bei den Embryonen die Herz- aktion beginnt. Bei den F. majalis-Embryonen tritt der Herzschlag später, dann aber kräftiger als wie bei den F. heteroclitus-Larven auf. Infolgedessen beginnt auch die Herztätigkeit bei den F. heteroclitus 2 X F. majalis & Bastarden später als wie bei den reinen F. heteroclitus-Embryonen, ist aber nach ıhrem Auftreten um so energischer. Umgekehrt besitzen die F. majalis 2 X hetero- elitus Z Mischlinge eine zwar früher auftretende, aber schwächere Herzpulsation, als die reinen F. majalis-Embryonen.

Unsere Gobius jozo 2 X capito g Kreuzung bietet viele Berührungspunkte mit Newmans Fundulus heteroclitus 2 X majalis & Bastardierung. Hier wie da übt die väterliche Keimzelle einen verzögernden Einfluss auf die erste Anlage des Embryo aus. Bei beiden Mischlingen wird, ebenso wie die anderen Organe, das Herz später angelegt, und beginnt daher später in Funktion zu treten. Wenn bis zu diesem Punkt die Entwicklung der Fundulus- und Gobius-Bastarde analog verläuft, so tritt jetzt ein Unterschied auf. Wie schon vorhin gesagt, verdanken die F. heteroclitus @ X F. majalis S Bastarde dem väterlichen Einfluss einen im Vergleich zu reinen F. heteroclitus-Larven beschleunigten Herzschlag. Demzufolge entwickeln sie sich von nun an zu

60 Günther und Paula Hertwieg:

kräftigeren und widerstandsfähigeren Embryonen als die F. hetero- elitus-Larven. Bei unseren beiden (obiusarten ist dagegen die Stärke der Herzpulsation, soweit wir es beobachteten, nicht verschieden, es fehlt also für eine beschleunigte Herzpulsation der Bastarde jede Veranlassung. In diesem Umstand ist auch der Grund zu sehen, dass die Gobius-Bastarde im Gegensatz zu den F. heteroclitus 2 X majalis $ Embryonen weniger widerstands- fähig wie die reinen Formen sind, zumal der Herzschlag nicht nur später einsetzt, sondern auch in der Folge langsamer bleibt; konnten wir doch noch am 9. und 10. Tage eine verminderte Herztätigkeit beobachten, bei normalen Larven 156 bis 160 Schläge pro Minute, bei den Bastarden nur 110—130. Es ist wahr- scheinlich, dass dieser Umstand für die geringere Lebensfähigkeit der Bastarde verantwortlich zu machen sein wird. Ausser von Newman und von uns wurden auch von Appellötf Beobachtungen über das Entwicklungstempo bei Bastarden gemacht. Auch er gibt an, dass die Gasterosteus 2 X Spinachia J Embryonen eine Mittelsteilung einnehmen in bezug auf die Zeit, die sie zur Anlage der Organe brauchen.

Wenn wir in der langsamen Entwicklung der Gobius jozo? X (G. capito & Embryonen in Übereinstimmung mit Newman eine Äusserung eines der väterlichen Art zukommenden Merkmals er- blicken. so sei doch noch ein anderer wichtiger Grund angeführt. der sicher auch die langsamere Entwicklung und geringere Lebens- energie der Bastarde bestimmt, nämlich die Disharmonie, die zwischen dem mütterlichen und väterlichen Idioplasma besteht. Ja. wir haben überhaupt geschwankt, ob wir nicht im Gegensatz zu Newman diesen zweiten Grund allein für die verzögerte Ent- wicklung der Bastarde verantwortlich machen sollten. Wenn wir beiden Faktoren eine die Entwicklung bestimmende Rolle zuweisen, so war uns dafür der Umstand bestimmend, dass wir bei der reziproken Kreuzung eine Beschleunigung der ersten Entwicklungs- vorgänge unter dem Einfluss der väterlichen Art haben feststellen können, wie nachher dargelegt werden soll. Es ist klar, dass dieser Befund viel eindeutiger für die Übertragung eines väter- lichen Merkmals spricht, als der, wenn man so sagen darf, mehr „negative“ einer Entwicklungsverzögerung.

Es sei hier noch erläutert, was wir unter einer „dis- harmonischen Idioplasmaverbindung“ verstehen. Durch eine Be-

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 61

fruchtung mit artfremdem Samen wird eine Idioplasmaverbindung geschaffen, deren väterliche und mütterliche Kern - Komponente nicht wie bei der normalen Befruchtung aufeinander abgestimmt ist. Eine solche Idioplasmaverbindung nennt O0. Hertwig eine „disharmonische“. Der (Grad der Disharmonie ist bestimmend für das Resultat der Bastardierung. „Die in so hohem Grade verschiedenartigen Abstufungen in dem Entwicklungsvermögen der bastardierten Eier sind dex Ausdruck für verschiedene Grade disharmonischer Konstitution, die zwischen den im Befruchtungsakt vereinigten Kernen mütterlicher und väterlicher Herkunft besteht.“

Das Bestehen einer solchen disharmonischen Kernverbindung ist sicherlich auch bei unseren Gobiusbastarden anzunehmen, wenn auch bei der nahen Verwandtschaft der gekreuzten Arten nur ein geringerer Grad der Disharmonie vorliegt. Sie zeigt sich besonders in dem Auftreten von zahlreichen Missbildungen, Spinae bifidae und ganz verkümmerten Embryonen. Da alle Abstufungen von ganz pathologischen bis zu fast und ganz lebensfähigen Embryonen beobachtet wurden, müssen wir annehmen, dass durch die Ver- einigung der individuell verschiedenen Geschlechtszellen je eines Männchens und Weibchens Kernverbindungen geschaffen werden. deren Disharmonie graduell verschieden ist. Diese Annahme er- klärt die Schwankungen in der Entwicklungsfähigkeit der einzelnen Individuen eines Versuches. Nach dem Ausfall zweier von uns mit verschiedenen männlichen und weiblichen Tieren ausgeführten Versuche müssen wir aber auch weiter annehmen. dass sich die Idioplasmen verschiedener Individuen zu Verbindungen vereinigen, deren Disharmonie ungleich gross ist. In dem einen Versuch brachten wir einige Tiere zum Ausschlüpfen, in dem anderen, bei gleich günstigen Versuchsbedingungen. und bei sonst ähnlichem Entwicklungsverlauf, kein einziges. Diese Resultate können nur durch individuelle Unterschiede in der Beschaffenheit des Idio- plasma verschiedener Tiere erklärt werden.

Bei der Kreuzung nahe verwandter Arten beobachteten auch andere Autoren das Auftreten von Entwicklungsstörungen, die wohl gleichfalls durch die Entstehung disharmonischer Idio- plasmaverbindungen verursacht wurden.

So bemerkt List, dass bei seinen Örenilabrus-Kreuzungen „Unregelmässigkeiten häufige Begleiterscheinungen in der Ent- wicklung des befruchteten Eies sind“.

62 Günther und Paula Hertwig:

Appellöf, dessen Stichlingsbastardierung viele Berührungs- punkte mit unserem Gobiusversuch bietet, berichtet, dass bei seiner Kreuzung Gasterosteus aculeatus 2 X Spinachia vulgaris viele Bastarde als Keimscheiben abstarben, und nur ein Teil sich zu kurz vor dem Ausschlüpfen stehenden, lebensschwachen Embryonen entwickelte.

Auch Newman. bei dem das Entwicklungsresultat seiner Fundulus heteroclitus 2 X Fundulus majalis Versuche ein gutes war, fand doch, neben vielen lebensfähigen. eine grössere Anzahl pathologischer Larven. (Newman, Textfig. 3—8.) Seine Bastard- zuchten zeigten, genau wie die unsrigen, Entwicklungsunterschiede zwischen den einzelnen Individuen, wie sie in den Kontrollen nicht vorkommen.

2. Gobius capito 2 X Gobius jozo £.

Wir wenden uns nun zur Beschreibung der reziproken Kreuzung. die wir zweimal ausführten. Beide Mal wurden nahezu alle Eier befruchtet, und auch bei dieser Bastardierung unter- schieden sich die Bastard- und Kontrollzuchten nicht in bezug auf die Regelmässigkeit und Schnelligkeit der ersten Teilungen. Im weiteren Verlauf machte sich jedoch bald der Einfluss des G. j0zo- Spermas bemerkbar, der eine Beschleunigung der Entwicklung be- wirkte. Die Bastardembryonen gediehen fast alle gut, blieben zwar etwas kürzer wie die Kontrollen, zeigten jedoch früher Pigmen- tierung der Augen und das Auftreten des schwarzen Pigments in dem Schwanz. Ferner zeichneten sie sich durch lebhaftere Bewegungen in ihren Hüllen aus. Bei dieser anfänglich guten Entwicklung der Bastarde überraschte uns um so mehr die Beobachtung, dass vom 8. Tage nach der Befruchtung an die Embryonen aus den Hüllen, die nicht mehr prall gespannt waren, fielen und zugrunde gingen. Wir erhielten keinen lebensfähigen Bastard. Um eine zufällig auftretende Erkrankung konnte es sich nicht handeln, da die Bastarde in beiden, an verschiedenen Tagen angestellten Versuchen nach Ablauf derselben Zeit unter gleichen Erscheinungen abstarben.

Wir beobachteten hierbei folgendes:

Am s. Tage nach der Befruchtung waren die Bastard- embryonen gut ausgebildet, mit dunkel pigmentierten Augen und langem Schwanz. Sie waren etwas kürzer wie die Kontrollen,

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 63

auch bemerkten wir keine Herzpulsation, die bei jenen eben anfıng. Sie bewegten sich aber lebhafter als wie die Kontroll- tiere. Die Hüllen waren im allgemeinen weniger prall gespannt und einige Embryonen befreiten sich von ihnen, während wir sie beobachteten. Sie führten im Wasser zuckende Bewegungen aus, waren jedoch lange nicht weit genug entwickelt, um ohne den Schutz der Hüllen am Leben zu bleiben. Am 9. Tage waren noch mehr Bastarde aus den Hüllen gefallen, andere bereits in diesen abgestorben. An den ersteren konnten wir ganz unregel- mässigen intermittierenden Herzschlag beobachten, auch war das Herz bedeutend kleiner als wie bei den Normalen. Eine Blut- zirkulation im Schwanz, die wir bei den Kontrollen wahrnehmen konnten, bemerkten wir nicht. Die Bastarde starben alle bald im Wasser ab. Einige frisch herauspräparierte Embryonen fixierten wir in Essig-Sublimat. Einer von ihnen ist in Fig. 3 mit einer gleich alten Kontrolle Fig. 4 abgebildet.

In den nächsten 2 Tagen starben alle übrigen Embryonen ebenfalls ab, und zwar zum Teil noch innerhalb der Eihüllen. Am 11. Tage nach der Befruchtung existierte kein einziger lebender Bastard mehr, während die Kontrollen gut entwickelt waren und am 28. Tage zum grössten Teil ausschlüpften.

Sehen wir uns zunächst die Embrvonen Fig. 3 und Fig. 4 näher an, um vielleicht einen Anhaltspunkt für die Lebensunfähigkeit der Bastarde zu erhalten. Der vererbende Einfluss des Samen- fadens macht sich in mehreren Punkten bemerkbar. Das schwarze Pigment ist bei dem Bastard viel reichlicher vorhanden als bei der Kontrolle. Dafür besitzt diese besonders auf dem Rücken gelbe Pigmentzellen. Besonders auffallend ist die ungleiche Grösse der gleich alten Embryonen. Die Bastarde sind etwa nur */s so gross wie die normal befruchteten @. capito-Larven. Trotz dieses Rückstandes in bezug auf das Längen-Wachstum sind die Organe der beiden Tiere gleich weit entwickelt.

Aus der geringeren Grösse der Embryonen kann man sich also nicht ihr plötzliches Absterben erklären. Ist doch in diesem Falle das Zurückbleiben im Wachstum nicht identisch mit einer ver- zögerten Entwicklung wie bei den G. jozo 2 X G. capito-Embryonen, sondern beruht wahrscheinlich nur auf der Vererbung der ge- ringeren Länge der G. jozo-Larven. Wir glauben hingegen den Grund für das Absterben der Bastarde in der Beobachtung zu

64 Günther und Paula Hertwig:

sehen, dass ihr Herz kleiner als wie das der reinen Form ist. Diese kleinere Herzanlage entspricht durchaus der intermediären (‚rösse der Bastarde und würde zu deren Erhaltung wahrscheinlich ausreichen, wenn nicht der Dotter so unverhältnismässig gross wäre. Das Herz, das genügen würde, den Embryo mit einer ihm proportionalen Dottermenge zu erhalten, ist nicht imstande, einen für den normalen G. capito - Embryo berechneten Dotter zu be- wältigen. An diesem Missverhältnis gehen unserer Meinung nach die Embryonen zugrunde. Das zu stark beanspruchte Herz ver- sagt, wie die intermittierenden Pulsationen und die fehlende Zirkulation im Schwanz anzeigen. —-

Es kann wohl kein Zweifel darüber bestehen, dass die ge- störte Herztätigkeit mit dem Absterben der Bastarde zusammen- hängt. Wie aber das Schlaffwerden der Hüllen und das Herausfallen der Embryonen aus ihnen zu erklären ist, vermögen wir nicht anzugeben.

Aus der Literatur ist uns nur ein Fall bekannt, wo die Bastarde die Hüllen früher verlassen, als wie beide Eltern. Es handelt sich um eine kurze Angabe von List, der beobachtete. dass die Crenilabrus tinca 2 X Crenilabrus pavo Z Mischlinge schon nach 9!/s Tagen ausschlüpften, während die reinen tinea- 16 Tage und die reinen pavo-Embryonen 10'/s Tage benötigten. Ebenso konnte er an Eiern von Urenilabrus tinca, die mit Spermatozoen von Ürenilabrus quinque maculatus befruchtet wurden, eine Abkürzung der Entwicklungsdauer des Embrvo be- obachten. Leider fehlen bei List alle näheren Angaben über den Entwicklungszustand der Bastarde; es lässt sich also nicht sagen, ob dem verfrühten Verlassen der Hüllen ähnliche Ursachen. wie bei unseren Gobius capito 2 X jozo & Embryonen zugrunde liegen. Beide Versuche stimmen darin überein, dass das Ei der mütterlichen Art das grössere ist und längere Zeit zu seiner Entwicklung braucht.

3. Gobius jozo 2 X Gobius minutus Gobius minutus ® X Gobius j0zo @.

Da wir Gobius minutus nur zweimal und in wenigen Exem-

plaren geschlechtsreif erhielten, konnten wir nur eine Normal-

befruchtung, die sich gut entwickelte, und einmal die Bastardierungen

G. j0ozo 2? X minutus und G. minutus $ X jozo & ausführen. Der

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 65

Minutussamen war schlecht beweglich; ob dies nur an dem benutzten Tier lag, oder ob es eine ständige Eigenschaft ist. können wir nicht sagen. Es wurde von einer grösseren Anzahl von G. jozo-Eiern nur ein einziges befruchtet. Es ging uns leider während der ersten Tage der Entwicklung verloren. Noch weniger Erfolg hatten wir mit der reziproken Kreuzung G. minutus ?. X jozo d. Kein einziges G. minutus-Ei wurde besamt, trotzdem wir uns in diesem Fall sowohl von der Befruchtungsfähigkeit des jozo- Samens als wie von der Güte der G. minutus-Eier überzeugt hatten. Da wir den Versuch nur einmal ausführten, ist natürlich nicht aus- geschlossen, dass bei anderen G. minutus-Weibchen das Befruchtungs- resultat ein etwas günstigeres ist. Doch glauben wir, dass sich nur ein geringer Prozentsatz befruchteter Eier wird erreichen lassen. Es ist anzunehmen, dass die Befruchtung auf rein mechanische Hindernisse stösst, dass die Samenfäden von G@. jozo nicht durch die Mikropyle von den G. minutus-Hüllen schlüpfen können.

4. Gobius jozo 2 X Crenilabrus pavo d

und Gobius capito 2% X Crenilabrus pavo 4.

Die Bastardierung Gobius jozo 2 X Crenilabrus pavo d wurde dreimal von uns ausgeführt. In allen Versuchen wurde nur ein geringer Prozentsatz der Gobiuseier vom Urenilabrus- samen befruchtet. Diese Eier, in dem einen Versuch 25, teilten sich anfangs normal und gleichzeitig mit den Kontrolleiern. Während aber am 2. Tage nach der Befruchtung die Kontrollen sich zu kleinen Embryonen mit Kopf, Schwanz und Augenblase entwickelt hatten, waren in den Bastardkulturen nur pathologische Larven (Fig. 11) zu finden. Am 3. Tage zeigten diese bereits deut- liche Spuren des Zerfalles und am 4. Tage nach der Befruchtung war alles Material abgestorben. Dasselbe Ergebnis hatte die Kreuzung G. capito 2 X Crenilabrus pavo d. Wir erhielten einige wenige stark missbildete Embryonen, die am 4. Tage abstarben.

Auf Schnittpräparaten von dem Zweiteilungsstadium fanden wir in der einen Serie die Eier im Übergang zur Vierteilung mit zwei normalen Spindeln: eine Sonderung der väterlichen und mütter- lichen Chromosomen war nicht zu erkennen. Die Eier der zweiten Serie zeigten die eben vollendete Vierteilung mit lappigen bläschen- förmigen Kernen, wie wir sie auch im normal befruchteten

Gobiusei beobachtet haben. Diese Bilder bewiesen uns, dass sich Archiv f. mikr. Anat. Bd. 84. Abt. II. 5)

66 Günther und Paula Hertwig:

das gesamte Kernmaterial an dem Aufbau der Embryonen beteiligte und nicht etwa eine Chromatinelimination wie bei den frühzeitig ab- sterbenden Seeigelbastarden Baltzers stattfand. Die Sistierung der Entwicklung ist die Folge einer Erkrankung des gesamten IKernmaterials. zu welcher die durch die artfremde Befruchtung entstandene disharmonische Idioplasmaverbindung geführt hat.

5. Crenilabrus pavo 2? X Gobius jozo ZJ und x Gobius capito d.

Bei diesen reziproken Kreuzungen bildeten sich überhaupt keine Embryonen mehr, sondern die Eier starben bereits vor der (Gastrulation ab. Sechs Versuche, die wir mit grösserem Material, einmal mit etwa 200 Eiern, ausführten, hatten immer denselben Erfolg. Das Befruchtungsresultat war stets ein sehr gutes (fast immer 100°/o). Während der ersten Teilungen bemerkten wir öfters sich simultan drei- und vierteilende Eier, die auf di- und polvsperme Befruchtung zurückzuführen sind. Bei normaler Be- fruchtung wurde nie Polyspermie beobachtet. bei Bastardbefruchtung aber scheint sie leichter aufzutreten. Bei den monosperm be- fruchteten Bastardeiern verliefen die ersten Furchungen normal, Schnitte zeigten uns wieder normale Spindeln oder bläschenförmige Kerne. Aber während nach 24 Stunden die Keimhaut der Kontrollen den Dotter fast ganz umwachsen hatten, waren die bastardierten Eier als Blastulae in der Entwicklung stehen geblieben. Am nächsten Tage zerfielen sie.

Wir haben hier also wieder einen Fall von Sistierung der Entwicklung vor der Gastrulation, ein Beweis mehr, dass der Übergang vom durchfurchten Ei zur Gastrula eine kritische Periode bei bastardierten Eiern ist. Es ist bekannt, dass zahl- reiche Amphibienmischlinge dasselbe Verhalten zeigen. Auch bei Fischkreuzungen ist das Absterben vor der Gastrulation eine häufige Erscheinung. Wir beobachteten dieselbe nicht nur in dem Crenilabrus pavo 2 X Gobius jozo -Versuch, sondern auch bei Kreuzungen von Gobius jozo 2 X Smaris alcedo 3. Bei diesem Versuch war das Befruchtungsresultat kein günstiges, nur sechs Eier furchten sich, und diese gingen alle als Blastulae zugrunde. Ein Absterben vor der Grastrulation berichten ferner Appellöt bei seinen Kreuzungen von Pleuronectes platessa 2 X Gadus morrhua g und Labrus rupestris 2 X Gadus morrhua d, sowie

Kreuzunesversuche an Knochenfischen. 67

Moenkhaus mit wenigen Ausnahmen bei seinen Fundulus 2 X Menidia d Bastarden.

Die Abbildung eines Schnittes durch eine solche sich nicht weiter entwickelnde Blastula ist in Fig. 17 gegeben. Es ist noch eine grössere Zahl von Mitosen ausgebildet, an denen nichts Pathologisches zu erkennen ist. Auffallend ist aber die Grösse der ruhenden Kerne und ihre Zusammensetzung aus zwei, manchmal auch aus drei und mehr Bläschen. Infolgedessen haben die Kerne häufig eine hufeisenförmige Gestalt. Eine Abbildung von ruhenden Kernen, die der unsrigen sehr ähnlich ist, gibt Moenkhaus, (Fig. 27, cells from middle cleavage of a Menidia hybrid). Beide Figuren, die unsrige, und noch mehr die von Moenkhaus, erinnern an die von Rückert und Häcker gegebenen Ab- bildungen von gonomeren Kernen bei Uyclops-Embryonen. Die Zusammensetzung der ruhenden Kerne aus zwei Bläschen deuten diese Autoren als Anzeichen einer Trennung von väterlichem und mütterlichem Chromatin in späteren Entwicklungsstadien. Ebenso- wenig wie Moenkhaus glauben wir aus der Ähnlichkeit mit diesen Abbildungen den gleichen Schluss ziehen zu dürfen. Moenkhaus hält eine Trennung von väterlichem und mütter- lichem Chromatin, die er Anfangs beobachtete, auf diesem Stadium für unwahrscheinlich, da er glaubt, bei späteren Mitosen eine Vermischung der väterlichen und mütterlichen Chromosomen bei erhaltener Individualität bemerkt zu haben. Da wir selbst auf frühen Stadien nie eine Trennung der väterlichen und mütterlichen Chromatinkomponenten wahrnehmen konnten, ist es unwahrschein- lich, dass sich diese später so deutlich bemerkbar machen sollte. Besonders spricht aber gegen die Annahme, dass die Kerne, wenn sie auch häufig aus zwei Bläschen zusammengesetzt sind, doch auch nicht selten aus drei und vier Karyomeren bestehen. Wir glauben vielmehr in der lappigen Struktur der Kerne ein Degene- rationszeichen zu erkennen. Auffallend war ferner noch, dass die Kerne der Bastardkeimscheiben erheblich grösser waren als diejenigen normaler Crenilabrusblastulae.

6. Crenilabrus pavo 2? X Crenilabrus tinca Z und Crenilabrus pavo ? X Crenilabrus massa d. Um Crenilabrusarten untereinander zu kreuzen, benutzten wir die Eier von Cr. pavo und den Samen von Cr. tinca und Ur. massa.

DE"

68 Günther und Paula Hertwie:

Die beiden letztgenannten Fische sind erheblich kleiner als Urenilabrus pavo. Während dessen Länge etwa 17—1S cm beträgt. hatte unser Crenilabrus massa-Männchen nur eine Länge von 10 em, das Cr. tinca-Männchen nur eine solche von 7 em. Bei der Bastardierung Cr. pavo 2 X tinca erhielten wir acht Embryonen, die aber schon am 2. und 3. Tage abstarben, die Mischlinge Cr. pavo 2 X massa d entwickelten sich zu langgestreckten Larven mit Herz- pulsation, die sich von der Kontrolle kaum oder gar nicht unter- schieden. Wegen unserer Abreise von Neapel konnten wir ihre Entwicklung nicht weiter verfolgen. Da sich die Ur. pavo- X massa- Bastarde so gut entwickelten. kommt uns das Resultat der Ur. tinca-Kreuzung zweifelhaft vor. Der Versuch bedarf noch einer Wiederholung, um so mehr, da List, so weit es aus seiner kurzen Angabe hervorgeht, eine gute Entwicklung von Cr. pavo 2 X tinca & Bastarden erhielt. Eine Wiederholung des Versuches dürfte, da die Crenilabrusarten so erheblich in ihrer Grösse differieren, nicht ohne Interesse sein.

7. Crenilabrus pavo 2 X Box boops &.

Bei dieser Bastardierung war uns das Ergebnis überraschend, dass, trotz der nicht nahen Stellung der Fische im System und ihrer grossen äusseren Verschiedenheit, Bastardembryonen gebildet wurden, die sich von normalen Crenilabrus-Embrvonen kaum unter- schieden. Leider konnten wir bei beiden mit Box-Sperma vor- genommenen Bastardierungen die Entwicklung nicht bis zum Schluss verfolgen. In dem ersten Versuch erhielten wir, da nicht ganz einwandfreies Eimaterial zur Verwendung gelangte, nur ein sich furchendes Ei. Dieses löste sich am 4. Tage seiner Entwicklung von dem Boden des Entwicklungsgefässes los, und um den Embryo nicht zu verlieren, konservierten wir ihn. Den zweiten Versuch konnten wir erst 5 Tage vor unserer Abreise vornehmen; es mussten daher die 2 Tage alten Embryonen ebenfalls in Zenker eingelegt werden. Ein derartiger 2 Tage alter Crenilabrus pavo 2? X Box boops d Bastard ist in Fig. 6 abgebildet. Die gleich alten normal be- fruchteten Embryonen stehen etwa auf einem Entwicklungsstadium. wie es List in Fig. 27 dargestellt hat. Wir sehen, dass sich die beiden Embryonen in ihrer Entwicklung kaum unterscheiden. Die Länge ist fast dieselbe, die Augen sind bei dem Bastard nur in geringem Maße undeutlicher als wie bei der Kontrolle. " Das

x

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 69

Plasma einer Anzahl von Bastarden ist weniger durchsichtig. Ferner ist bemerkenswert, dass bei den Bastarden schon Pigment- zellen im Schwanze auftraten, die den normalen Crenilabrus- Embryonen fehlen. Die frühzeitige Pigmentierung muss eine durch den Samenfaden übertragene Eigenschaft der Box-Embryonen darstellen. Leider fehlen uns, da wir nie reife Box-Eier erhielten. diese zum Vergleich. Die gut entwickelten Bastarde dieser Kreuzung hätten sich fraglos noch eine Reihe von Tagen weiter entwickelt.

Es sei hier noch bemerkt, dass es sich bei den eben beschriebenen Mischlingen mit Bestimmtheit nicht um „falsche Bastarde“, das heisst, um Embryonen parthenogenetischen Ur- sprungs, handelt. Diese Annahme wird einwandfrei widerlegt durch die Tatsache, dass bereits 2 Tage alte Embryonen eine Eigenschaft, Pigmentierung des Schwanzes, aufweisen, die den Urenilabrus-Larven nicht zukommt und nur durch die vererbende Wirkung des Box-Spermas zu erklären ist. Messungen ergaben ferner, dass die Bastarde etwas grössere Kerne als die gleichalten Kontrollembryonen besassen. Die Kernvolumina der Bastarde verhielten sich zu denjenigen reiner Crenilabrusembryonen etwa wie 5:4.

s. Crenilabrus pavo 2? x Smaris alcedo 2.

Diese Kreuzung wurde von uns dreimal, am 22.. 24. und 26. April, mit dem gleichen Resultat ausgeführt; sie rechtfertigt durch die bei ihr auftretenden eigentümlichen, bisher bei keiner anderen Kreuzung beobachteten Erscheinungen eine nähere Be- schreibung.

Da uns der Versuch am 26. April das meiste Material zur zytologischen Untersuchung lieferte, so seien seine Ergebnisse hier ausführlicher mitgeteilt.

Um 10°/s Uhr wurden Eier von Urenilabrus pavo in der von uns stets geübten Weise mit der durch etwas Seewasser verdünnten Samenmilch von Smaris alcedo übergossen. Die Konzentration des Samens ist dabei, wie ein Versuch ergab. ohne Einfluss auf den späteren Verlauf der Entwicklung. Das Eindringen der Smarisspermatozoen in die Eier von Crenilabrus pavo erfolgte ohne Schwierigkeiten; nur ein geringer Prozentsatz der Eier blieb unbefruchtet. Nach 40 Minuten konnten wir das Verschmelzen des Samenkernes mit dem Eikern am lebenden Objekt beobachten ; eine viertel Stunde später wurde der einheit-

70 Günther und Paula Hertwieg:

liche bläschenförmige Kern undeutlich und entzog sich für einige Zeit der Beobachtung, ein Zeichen, dass er in die Mitose ein- getreten war. Bis hierher waren alle beobachteten Erscheinungen genau der Norm nach verlaufen. Aber während jetzt bei der normalen Kontrollzucht, ebenso wie bei allen anderen von uns vorgenommenen Bastardierungsversuchen mit Crenilabruseiern, die erste Teilebene etwa 1 Stunde nach der Befruchtung einschnitt, unterblieb in unserer Smariskreuzung die Zweiteilung des Eies. Statt einer normalen, rasch tief einschnürenden Furche beob- achteten wir etwa 1'/a Stunde nach der Befruchtung, ungefähr an der Stelle der Eioberfläche, wo wir die erste Furche zu er- warten hatten, eine geringe Einschnürung und Faltung der Ober- fläche, die jedoch nicht tiefer in das Plasma einschnitt. Unter dem Mikroskop bei schwacher Vergrösserung beobachtet, erinnert dieser Vorgang lebhaft an die bei der Teilung des Froscheies unter dem Namen des Faltenkranzes von M. Schultze beschriebene Erscheinung. Ebenso wie normalerweise beim Froschei schneidet die erste Furche bei den mit Smarissamen bastardierten Üreni- labruseiern abweichend vom normalen Vorgang nicht glatt ein, sie ist vielmehr mit zahlreichen kleinen, seitlich verlaufenden Neben- furchen versehen. Aber während beim Froschei beim tieferen Ein- schneiden der Hauptfurche die Nebenfurchen wieder verschwinden und die Teilung des Eies vollzogen wird, bleibt es bei unserem Objekt fast stets bei diesem Versuch zur Teilung und die Ei- oberfläche nimmt nach einiger Zeit wieder ein glattes Aussehen an. Sehnitte durch Eier, die 1 Stunde 20 Minuten nach der Besamung konserviert wurden, ergänzen die am lebenden Objekt gemachten Beobachtungen. Wie Fig. 13 zeigt, haben sich an einer Stelle der sonst glatten Eioberfläche zahlreiche Protoplasma- fortsätze gebildet, die in ihrer Form lebhaft an die Pseudopodien einer Amöbe erinnern. Es sei bei dieser Gelegenheit auf eine Beobachtung von Boveri hingewiesen, der vom Monasterstadium des Echinideneies beschreibt, dass an einer Stelle der Oberfläche, zu der Zeit, wo das Ei normalerweise sich hätte teilen sollen, kleine amöboide Protoplasmafortsätze auftraten, die sich sogar manchmal abschnürten.

Während diese Vorgänge sich an der Obertläche des Üreni- Jabruseies abspielen, sieht man etwa 1 Stunde 10 Minuten nach der Befruchtung mit dem Smarissamen links und rechts von

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 7]

der faltenkranzartigen Einschnürung des Eiprotoplasma je einen bläschenförmigen Kern sich ausbilden, ein Zeichen, dass die Teilung des Eikernes in normaler Weise verlaufen ist. 10 Minuten später werden diese beiden Kerne wieder unsichtbar und nach einiger Zeit erscheinen vier neue bläschenförmige Kerne. So geht die Vermehrung der Kerne in den bastardierten Eiern fast synchron mit derjenigen in einem normal befruchteten Kontrollei weiter, wie man leicht unter dem Mikroskop bei schwacher Ver- grösserung am lebenden Objekt beobachten kann.

Während so die Karyokinese ein normales Verhalten zeigt. ist die Plasmateilung auch fernerhin in höchstem Grade gestört. Dabei machen sich bei den einzelnen Eiern desselben Versuches Unterschiede geltend. So kann es vorkommen, dass zu der Zeit, wo die Keimscheibe der normal befruchteten Kontrolleier in vier gleich grosse Blastomeren geteilt ist, auch bei den bastardierten Eiern die Vierteilung eintritt, die aber abweichend von der Norm zur Zerlegung der Keimscheibe in zwei ganz grosse und zwei ganz kleine Blastomeren mit je einem Kern führt. In der Mehr- zahl der Fälle schnüren sich erst später, nachdem sich die Kerne schon stärker vermehrt haben, an der Eioberfläche kleine kern- haltige Plasmastücke ab, während grössere Bezirke der Keim- scheibe mit vielen Kernen entweder ganz ungeteilt bleiben oder an ihrer Oberfläche wieder das Auftreten von einem oder mehreren Faltenkränzen erkennen lassen. Man gewinnt, wie es in unserem Versuchsprotokoll heisst, den Eindruck, als ob die Plasmateilung auch auf diesen späteren Stadien noch mit grossen Schwierigkeiten verknüpft ist. Während daher 6°/4 Stunden nach der Befruchtung die Keimscheibe normalerweise schon in viele kleine, gleich grosse Zellen zerlegt ist und eine glatte Oberfläche besitzt, ist sie bei den Bastardeiern in ganz unregelmässiger Weise gefurcht: es finden sich grosse und kleine Zellen, die ihrer Oberfläche ein unregelmässig höckeriges Aussehen verleihen (Fig. 10). Nur einige wenige Eier machen eine regelmässigere Furchung durch, wenn- gleich auch diese niemals als ganz normal bezeichnet werden kann.

Dass die ganz abnorm gefurchten Bastardeier nicht zur Bildung eines Embryo schritten, vielmehr auf dem Morula- und Blastulastadium abstarben, kann uns nicht wundernehmen. Da- gegen entwickelten sich aus den wenigen regelmässiger gefurchten Eiern in allen drei Versuchen einige Embryonen. Doch auch

72 Günther und Paula Hertwie:

diese liessen die Folge der auch bei ihnen in geringerem Grade gestörten Furchung noch daran erkennen, dass gewöhnlich an einer Seite der Embryonalanlage grosszellige Plasmapartien zu beobachten waren, die nicht zur Bildung des Embryo verwandt wurden. Infolgedessen blieben die Embryonen auch stets viel kleiner als diejenigen der normalen Kontrollzuchten:; sie waren meist viel schmäler und auch weniger lang. Die Differenzierung der Organe ging etwa bis zum Stadium, wo die Augenbläschen sich bilden, dann starben die Embryonen stets ab. In der Fig. 5 ist ein Bastardembryo aus unserem Versuch vom 26. April ab- gebildet. Er hatte, ebenso wie der in Fig. 6 zum Vergleich ab- gebildete Kontrollembryo, ein Alter von 2 Tagen erreicht. In einem anderen Versuch vom 24. April entwickelten sich von einer grösseren Anzahl mit Smarissamen kreuzbefruchteter Crenilabrus- eier nur drei Stück zu Embryonen, die wir bis zum 3. Tage weiter züchten konnten. Zwei von ihnen sind mit einer gleich alten Kontrollarve in den Fig. 7—9 dargestellt.

Wie Schnitte durch diese Embryonen lehren, haben sich das Nervenrohr, die Chorda, die Ohrbläschen und, wenn auch in recht pathologischer Weise, die Augenbläschen differenziert. Kern- messungen, die wir an mehreren Bastardembryonen sowohl an den Zellen der Medulla, als der Ohrbläschen und der Chorda an- stellten, führten zu dem bemerkenswerten Resultat, dass die Kerne aller dieser Organe stets ganz erheblich grösser als die- jenigen von gleich alten Kontrollembryonen waren. Die Kern- volumina der Bastarde verhielten sich zu denen von reinen Urenilabrusembryonen wie 9:5. Da uns reine Smarisembryonen nicht zur Verfügung standen, so können wir nicht sagen, ob diese erhebliche Kernvergrösserung bei den Bastarden allein auf den Einfluss der väterlichen Smariskomponente zurückzuführen ist. Die Smarisembryonen müssten sich dann im Vergleich zu den Urenilabrusembryonen durch relativ grosse Kerne auszeichnen. Es sei hier noch daran erinnert, dass wir auch bei den Embryonen der Kreuzung Crenilabrus pavo 2 x Box boops & grössere Kerne als bei den reinen Crenilabrusembryonen festgestellt haben. Da über die Grössen der Bastardkerne im Vergleich zu denjenigen der reinen Formen ausser den Angaben Baltzers, der bei den Bastardlarven Sphaerechinus ? x Strongylocentrotus 8 Kerne von intermediärer Grösse fand. noch keine Untersuchungen vorliegen,

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 15

so dürfte sich ein näheres Studium der Kerngrössen bei Bastarden sicher empfehlen. Vorläufig können wir aus unseren Kernmessungen bei den Urenilabrus 2 x Smaris 4 Bastarden nur den Schluss ziehen, dass die väterliche Kernkomponente sich an dem Aufbau der Embryonen beteiligt hat, es sich also um echte Bastarde handelt. Die Richtigkeit unseres Schlusses wird durch die sogleich zu besprechende zytologische Untersuchung der ersten Entwicklungs- stadien des befruchteten Eies bestätigt.

Zur feineren mikroskopischen Untersuchung an Schnitt- serien stand uns eine grössere Anzahl von Eiern zur Verfügung, die wir zu verschiedenen Zeiten nach der Befruchtung konserviert hatten. Zunächst konnten wir mit Sicherheit an Schnitten fest- stellen, dass es sich bei der von uns beobachteten, verzögerten und unregelmässigen Eiplasmateilung der mit Smarissamen bastar- dierten Crenilabruseier nicht etwa um die Folgen einer Polyspermie handelt, wie etwa bei der Barokfurchung der Kröteneier nach Besamung mit konzentriertem Froschsamen. Vielmehr werden die bastardierten Eier in der Regel nur von einem Spermatozoon befruchtet. Es ist dies wohl der erste Fall, dass die monosperme Befruchtung mit einem artfremden Samenfaden die Teilung des Eies in so hohem Maße störend beeinflusst: es muss daher von Interesse sein, den Ursachen dieser sonderbaren Erscheinung nachzugehen. Denn die von Godlewski beschriebene stamm- fremde Bastardierung von Echinideneiern mit Chaetopterussamen, wo es im Anschluss an eine monosperme Besamung zu einem raschen Zerfall der Seeigeleier kommt, verhält sich in jeder Hinsicht verschieden. Denn bei Godlewskis Experimenten ver- schmilzt zwar der Chaetopteruskern auch mit dem Eikern, wird dann aber sofort wieder aus dem primären Furchungskern eliminiert: es bildet sich eine monozentrische Strahlung um den Furchungskern, und das Fi geht an Uytolyse zu Grunde. In unseren Versuchen der artfremden Kreuzung dagegen beteiligt sich das artfremde Smarischromatin regelmässig an den ersten Mitosen. In der Fig. 14 ist eine erste Furchungsspindel abge- bildet. Das väterliche und mütterliche Chromatin hat sich noch gesondert erhalten, wobei die eine Kernhälfte in der Chromosomen - bildung etwas gegen die andere im Rückstand ist. Höchst wahr- scheinlich erfolgt bei den Knochenfischen auch normalerweise keine vollständige Verschmelzung der beiden Vorkerne im be-

74 Günther und Paula Hertwie:

fruchteten Ei, wie etwa beim Seeigel, sondern die Kerne schreiten ohne Durchmischung ihrer Bestandteile jeder für sich zur Bildung der Chromosomen, wie es bei Ascaris die Regel ist. Es ist möglich, dass sich die Sonderung der beiden Kernbestandteile bei den bastardierten Fischeiern noch etwas schärfer erhält, dass ferner die Chromosomenbildung in dem einen Kern etwas rascher beendet ist, als in dem anderen und die Folge davon die an der Fig. 14 zu konstatierende Bildung einer Doppelspindel ist, die man bei normal befruchteten Eiern nicht sieht. Aber abgesehen von dieser leichten Abweichung von der Norm findet sich nichts Besonderes an der achromatischen Figur der ersten Furchungs- mitose, die Spindelfasern sind gut ausgebildet und die Pol- strahlungen in normaler Stärke entwickelt. Das einzige, was uns in einigen Fällen, besonders bei den der ersten Kernteilung folgenden Mitosen, auffiel, war eine geringfügige Verkürzung der Spindel, wodurch sie eine leicht der Tonnenform sich nähernde (restalt annahm. Aber wie gesagt, wir haben diese Spindelform nur in vereinzelten Fällen und dann gerade erst bei den späteren Mitosen gefunden, und möchten daher diesem Punkt bei der Erklärung der wunregelmässigen Eiplasmateilung kein grosses (ewicht beilegen.

Auch im weiteren Verlauf der ersten und ebenso der folgenden Mitosen lässt sich nichts Abnormes nachweisen. Die Chromosomen weichen auseinander, sammeln sich an beiden Spindelpolen und bilden die Furchungskerne. Wir haben dabei keinerlei auffälliges Nachhinken der artfremden Uhromosomen, keine Elimination von Chromatin erkennen können: wir betonen diesen Umstand ganz besonders, weil wir aus unseren Arbeiten mit Seeigeleiern, zu deren Befruchtung uns auf chemisch oder physikalischem Wege geschädigtes Sperma gedient hatte, wissen, dass während der Mitose eliminiertes Chromatin die Teilung des Eies verzögern oder sogar ganz zu verhindern vermag.

Wenn daher trotz normaler Spindelbildung, trotz regel- mässiger Verteilung des Chromatins auf zwei Furchungskerne und trotz normaler Kontraktion des Eiinhaltes und Ausbildung einer plasmatischen Keimscheibe Anzeichen einer Protoplasma- teilung an der Eioberfläche sich bemerkbar machen, doch niemals eine regelrechte Durchschnürung des Plasma in zwei Furchungs- zellen erfolgt, so müssen die Gründe hierfür höchst wahrscheinlich

Kreuzungsversuche an Knochenfischen.

in einer gestörten Beziehung der Furchungsspindeln zum Eiplasma zu suchen sein, wie wir sogleich nachweisen wollen.

Es ist ja durch die Arbeiten von O. Hertwig, Boveri, Teichmann, Conklin und vieler anderer Forscher bekannt, wie wichtig die Einstellung der Furchungsspindel in einer bestimmten Eiachse für den normalen Ablauf der ersten Teilung ist. Ver- änderungen in der richtigen Lage der Spindel können die schwersten Störungen der Eiteilung bedingen. Aus der Fülle der Arbeiten wollen wir hier nur zwei Beobachtungen erwähnen. die auch für den uns hier beschäftigenden Fall von besonderem Interesse sind. In einer soeben erschienenen Arbeit hat Herlant die Gründe für das Ausbleiben der regelrechten Furchung bei Froscheiern studiert, die durch Anstich mit einer Glasnadel ohne Zusatz von Blut zur künstlichen Parthenogenese angeregt waren. Er konnte beobachten, dass auf den traumatischen Reiz hin der haploide Eikern in die Mitose eintritt, die zur Teilung des Kernes in zwei Furchungskerne führt. Infolge der haploiden Beschaffen- heit des Kernapparates ist aber, wie Herlant nachzuweisen sucht, die Furchungsspindel kürzer als die normale Spindel im befruchteten Ei und ist daher nicht imstande, die grosse Plasma- masse des Froscheies zur Teilung anzuregen. Diese kann erst erfolgen, wenn durch Einführen eines Fremdkörpers, z. B. eines Blutkörperchens in das Ei, accessorische Strahlungen auftreten, die eine mehr periphere Lage der abnorm kurzen Furchungs- spindel veranlassen. Wie hier nach den Mitteilungen von Herlant die allzu zentrale Lage einer abnorm kurzen Spindel die Ei- teilung behindert, so beeinflusst nach den Beobachtungen von Bonnevie am Ei von Ascaris lumbricoides umgekehrt auch eine zu periphere Lage der Spindelpole die Zellteilung in sehr ungünstiger Weise, ja diese kann trotz mehrfacher Kernteilung ganz ausbleiben.

Auch bei unserer Fischbastardierung haben wir nun Beob- achtungen machen können, die für eine abnorme Spindeleinstellung bei den ersten Mitosen sprechen. Wir erinnern zunächst an die von uns bei der Beschreibung der Versuche auf Seite 71 er- wähnten, abnorm viergeteilten Eier. Sie unterscheiden sich von normal viergeteilten Eiern dadurch, dass ihre Keimscheibe anstatt in vier annähernd gleich grosse Blastomeren in zwei ganz grosse und zwei ganz kleine Teilstücke zerlegt war, von denen jedes

76 Günther und Paula Hertwig:

einen Furchungskern enthielt. Aus dieser Beobachtung lässt sich mit Sicherheit der Schluss ziehen, dass bei diesen Eiern die erste Furchungsspindel eine ganz exzentrische Lage eingenommen haben muss, während in normal befruchteten Eiern die erste Furchungsspindel stets in der Mitte der Keimscheibe gelegen ist. Bei einigen dieser abnorm viergeteilten Bastardeier waren die vier Furchungskerne bereits wieder in die Mitose eingetreten. Man hätte nun eigentlich erwarten sollen. dass die Spindeln in den zwei grossen Blastomeren sich ungefähr in das Zentrum der Zellen einstellen würden. Statt dessen nahmen sie wieder eine ganz exzentrische Lage in den an die kleinen Blastomeren an- srenzenden Plasimapartien ein. Die Störung der Spindeleinstellung, die bei der ersten Mitose schon eingetreten war, wiederholte sich also auch bei den später folgenden und hätte, wenn die Eier sich noch weiter entwickelt hätten, wohl zu einer Zerlegung der beiden grossen Blastomeren in je zwei sehr ungleiche Teil- stücke geführt oder sie hätte infolge der ganz peripheren Lage der Spindelpole, wie bei dem von Bonnevie beschriebenen Falle am Ascarisei, die Zellteilung ganz unmöglich gemacht. Wir konnten ferner noch einen anderen Befund erheben, der gleich- falls für eine Störung in der Spindeleinstellung beweisend ist. Es handelt sich in diesem Falle um Bastardeier etwa 1 Stunde 10 Minuten nach der Befruchtung, die noch ganz ungeteilt waren, in ihrem Innern jedoch bereits zwei Furchungskerne besassen, die sich gerade zur nächsten Teilung anschickten. Das Stadium entsprach also dem des normal zweigeteilten, in der Vierteilung begriffenen Kontrolleies. Nach den Regeln, die namentlich dureh Dispermieversuche über die Spindelstellung gewonnen wurden. hätte man nun erwarten sollen,‘ dass die beiden im ungeteilten Eiplasma isoliert liegenden Spindeln eine parallele Lage zu- einander einnehmen würden. Anstatt dessen lagen die beiden Furchungsspindeln schief zueinander, wie an Schnitten durch unsere Bastardeier in zahlreichen Fällen mit Sicherheit nach- gewiesen werden konnte.

Durch beide Beobachtungen halten wir es für bewiesen, dass Abnormitäten in der Spindeleinstellung bei den mit Smaris- samen bastardierten Eiern von Crenilabrus während der ersten Mitosen vorhanden sind; wir glauben nicht fehl zu gehen, wenn wir in dieser Störung der Spindeleinstellung die Hauptursache

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. {u

für die abnorme Furchung erblicken. Die abnorme Einstellung der Spindel aber wird sicherlich in irgend einer Weise durch die Befruchtung mit dem artfremden Samen verursacht. Ob aber 2. B. die gestörte Beziehung des artfremden väterlichen Kernes zum Eiplasma hierfür verantwortlich gemacht werden muss, oder ob, woran man auch denken könnte, das artfremde Zentrosom in seiner Tätigkeit irgendwie behindert ist, und deshalb die Ein- stellung der Furchungsspindel eine abnorme wird. die Beant- wortung dieser Fragen muss weiteren Forschungen überlassen bleiben. Durch die Untersuchung der reziproken Kreuzung, durch Befruchtung des Crenilabruseies mit intensiv radiumbestrahltem Smarissamen und dadurch hervorgerufener Ausschaltung des väterlichen Chromatins von der Entwicklung, wodurch sich eventuell eine Störung der Zentrosomentätigkeit nachweisen liesse, um nur einige Experimente zu nennen können wir vielleicht in die Ursachen dieser interessanten Verhältnisse noch tiefer eindringen.

Nur mit wenigen Worten sei jetzt noch das weitere Schicksal unserer Bastardeier an der Hand mikroskopischer Schnittbilder geschildert. Wir können uns hier um so kürzer fassen, als die gar nicht oder unregelmässig gefurchten Fischeier im weiteren Verlauf ihrer Entwicklung an die Befunde zahlreicher Autoren erinnern, die bei Echiniden- und Molluskeneiern meist durch mechanische und chemische Eingriffe die Plasmateilung ver- hinderten und auf diesem, allerdings von dem unsrigen ganz abweichenden Wege vielkernige Eier erzielten. Ebenso wie diese Forscher an ihrem Material konnten wir bei unseren ungefurchten Fischeiern etwa 6°/s Stunden nach der Befruchtung pluripolare Mitosen zum Teil mit äusserst zahlreichen, zum Teil mit nur ganz wenigen Chromosomen zwischen den einzelnen Spindelpolen (Fig. 15 und 16, Taf. V) beobachten. Wir fanden ferner an unserem Fischmaterial ebenfalls die Beobachtung Kostaneckis bestätigt, dass in einem einheitlichen, ungeteilten Plasmabezirk die Umwandlungsprozesse an den Kernen synchron sich abspielen, also z. B. fast alle Kerne sich im Ruhestadium befinden oder in Mitose, wie auf Fig. 12, begriffen sind. Dagegen scheint bei unseren vielkernigen Fischeiern die Bildung von Verschmelzungs- kernen (Synkarionten), wie sie bei unterbliebener Plasmateilung beim Seeigel (z. B. von Godlewski und G. Hertwig) und bei Maktra von Kostanecki beschrieben sind, gar nicht oder nur

78 Günther und Paula Hertwig:

ausnahmsweise zu erfolgen. Zwar liegen oft die einzelnen Kerne dicht nebeneinander (Fig. 15), manchmal zu langen Ketten an- geordnet, aber sie verschmelzen nicht miteinander. Nichtsdesto- weniger finden sich vereinzelte Riesenkerne und im Anschluss an sie solche bipolaren Riesenmitosen mit unzähligen Chromosomen, wie eine in Fig. 15 rechts abgebildet ist. Ihre Entstehung ist aber wohl darauf zurückzuführen, dass die oft dicht neben- einander liegenden Kerne das Auftreten von pluripolaren Mitosen begünstigen, wobei die Verteilung der Chromosomen auf die ein- zelnen Pole eine ungleichmässige wird.

Wie schliesslich noch bemerkt zu werden verdient. unter- bleibt eine Zellabgrenzung selbst in so späten Stadien, wie z. B. in demjenigen. das in der Fig. 12 abgebildet ist. wo das ganze Ei- plasma von Kernen erfüllt ist. Wohl sind einzelne Bezirke durch lockeres Plasma und sogenannte Diastembildung voneinander ab- segrenzt, aber eine wirkliche Plasmadurchschnürung ist noch nicht erfolgt. Wir haben schon berichtet, dass diese ungefurchten Eier niemals zur Bildung eines Embryos schreiten, vielmehr stets frühzeitig absterben.

Allgemeiner Teil.

Im Laufe unserer Arbeit sind wir mit einer ganzen Reihe von Artbastardierungen an Knochenfischen und ihren wechselnden Ergebnissen bekannt geworden; wir wollen jetzt zum Schluss uns noch mit der Frage beschäftigen, inwieweit der von OÖ. Hertwig geschaffene Begriff der disharmonischen Idioplasmaverbindung zur Erklärung unserer Versuchsresultate ausreicht. Nach OÖ. Hertwig sind die im so hohem Grade verschiedenartigen Abstufungen in dem Entwicklungsvermögen der bastardierten Eier der Ausdruck für verschiedene Grade disharmonischer Konstitution, die nach dem Befruchtungsakt zwischen den beiden Idioplasmen mütter- licher und väterlicher Herkunft besteht. „Die idioplasmatische Disharmonie beruht auf der verschiedenen materiellen Beschaffen- heit der mütterlichen und väterlichen Kernsubstanzen und ist von dem Grade der Verwandtschaft zwischen den beiden zum Bastard verbundenen Stammformen abhängig.“

Mit dieser Lehre von O. Hertwig stehen die Haupt- ergebnisse unserer Arbeit in guter Übereinstimmung. So liefert z. B. die Kreuzung der beiden nahe verwandten, äusserlich bis auf

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 2

die erheblichen Grössenunterschiede sich sehr ähnlichen Gobius- arten, Gobius jozo und Gobius capito, lebensfähige, wenn auch schwächliche Embryonen, die oft bis zum Ausschlüpfen aus den Eihüllen gezüchtet werden konnten. Bei Verwendung der zwei ganz verschiedenen Familien angehörenden Gobiiden und Labriden zum Kreuzungsexperiment erfolgt das Absterben des Bastard- produktes schon auf dem Keimblasenstadium oder im Anfang der Gastrulation. Im allgemeinen stimmen hierbei die Ergebnisse reziproker Kreuzungen überein. Da nun in diesen Fällen allein die Kernsubstanzen von mütterlicher und väterlicher Seite in äquivalenter Menge sich an dem Aufbau des Bastardproduktes beteiligen und da wir ferner durch die mikroskopische Unter- suchung Anhaltspunkte für eine Kernerkrankung auf dem kritischen Stadium (S. 67) erhalten haben, so glauben wir auch die Kern- idioplasmadisharmonie, wie es im speziellen Teil geschehen ist, für den Ausfall unserer Kreuzungsexperimente in erster Linie verantwortlich machen zu müssen.

Wäre jedoch die Verschiedenheit der väterlichen und mütter- lichen Kernsubstanzen und die bei ihrer Verbindung geschaffene idioplasmatische Disharmonie allein für die Entwicklungsfähigkeit des Bastardproduktes ausschlaggebend, so müssten reziproke Art- kreuzungen stets zu genau identischen Entwicklungsresultaten führen. Das ist nun aber bei unseren Versuchen nicht ganz der Fall, vielmehr ergeben sich Unterschiede, die freilich nicht er- heblicher Art sind, doch immerhin nicht übersehen werden dürfen. So sterben z. B. alle mit Gobiussamen bastardierten Eier von Crenilabrus pavo stets auf dem Blastulastadium ab, während die Entwicklung bei der reziproken Kreuzung noch bis zur Gastrulation, die allerdings stark pathologisch ist, fortschreitet. Bei den Gobius- versuchen entwickeln sich die Bastardembryonen, die bei Ver- wendung der Eier der kleineren jozo-Art erzielt wurden. viel besser als diejenigen, die von den viel voluminöseren Eiern der grösseren capito-Art bei der reziproken Kreuzung stammten. Es ist klar, dass diese Unterschiede im Ausfall reziproker Kreuzungen nicht durch die Verschiedenheit der väterlichen und mütterlichen Kernsubstanzen, die ja in beiden Fällen dieselbe ist, erklärt werden kann. Der Grund hierfür liegt vielmehr in der bei reziproken Artkreuzungen verschiedenen Beschaffenheit des Ei- plasma und den dadurch je nach der Richtung der Kreuzung in

so Günther und Paula Hertwie:

ihrem Grade wechselnden disharmonischen Beziehungen zwischen Eiplasma und dem väterlichen resp. dem im Furchungskern ver- einigten Bastardidioplasma.

Mit Recht hat Poll bei Besprechung der Fälle von unvoll- kommener Reziprozität in den Ergebnissen der Bastardbefruchtung darauf hingewiesen, dass wir es ja beim Kreuzungsversuch „nicht mit der chemisch reinen Erbmasse, sondern mit wohl differen- zierten Erbzellen zu tun haben“. So ist es ja namentlich eine von Echiniden und Amphibien her bekannte Erscheinung, dass die spezifische Beschaffenheit der Eihüllen oder die Form der Spermatozoen das eine Mal die Bastardierung ermöglicht, während sie im reziproken Fall nicht gelingt. Neue Beispiele dieser Art haben wir in unserer Arbeit auch bei Fischen kennen gelernt. wir erinnern nur an den verschieden grossen Prozentsatz be- fruchteter Eier bei den beiden reziproken Kreuzungen der Gobiiden mit den Labriden.

Aber nicht nur für den Erfolg oder Misserfolg der Be- fruchtung ist die spezifische Struktur der Keimzellen verant- wortlich zu machen, auch für den Ablauf der ersten Entwick- lungsprozesse ist die Beschaffenheit des Eiplasmas resp. des Deutoplasmas von Bedeutung, wie sich an der Hand einiger unserer Versuchsresultate nachweisen lässt.

Die von uns bei der Kreuzung Crenilabrus pavo 2 x Smaris aleedo 2 beschriebene auffällige Störung der Eiteilung und der dadurch bedingte unregelmässige Furchungsprozess und häufige Zerfall des Eies auf dem Blastulastadium beruht sicher nicht auf einer Disharmonie der väterlichen und mütterlichen Kernsub- stanzen, zumal da wir ja in den vereinzelten Fällen von regel- mässigerer Furchung die Bildung von Bastardembryonen beob- achtet haben. Der Grund für die abnorme Furchung ist vielmehr. wie wir im speziellen Teil nachzuweisen uns bemüht haben. in einer gestörten Beziehung des Samenkernes (eventuell auch des Spermazentrosoms) zum Eiplasma zu suchen. Leider fehlt uns die reziproke Kreuzung. Es ist leicht möglich, dass hier die Eiteilung wegen der anders gearteten Struktur des Smariseies ganz normal verläuft.

Einen interessanten Fall von gestörtem Wechselverhältnis zwischen Spermakern und Eiplasma hat ferner Baltzer mit- geteilt. Bei der Kreuzung Sphaerechinus 2 x Strongvlocentrotus 3

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. sl

beteiligen sich die beiden (reschlechtskerne an dem Aufbau der Furchungskerne, und es entstehen intermediäre Bastardplutei. Bei der reziproken Kreuzung dagegen werden die väterlichen Sphaere- chinuschromosomen bei der ersten Mitose aus dem Furchungs- kern zum grössten Teil eliminiert. Die Folge hiervon ist eine Erkrankung der Keime auf dem Blastulastadium. Der verschieden- artige Ausfall der reziproken Kreuzung beruht hier also nicht auf einer Disharmonie der beiden Kernidioplasmen, sondern viel- mehr, wie Baltzer meint, in einer besonders grossen Empfind- lichkeit der Sphaerechinuschromosomen gegen das artfremde Ei- plasma, eine Erklärung, die dadurch noch an Wahrscheinlichkeit gewinnt, als die Sphaerechinuschromosomen auch in dem Eiplasma von Arbacia ein gleiches Verhalten zeigen.

Ein Beispiel für ein gestörtes Wechselverhältnis, das zwischen den im Bastardidioplasma repräsentierten Entwicklungstendenzen und den allein von der Eizelle übertragenen Deutoplasmasubstanzen besteht, liefern unsere Kreuzungen der beiden Gobiusarten mit- einander. Bei Verwendung der kleinen Eier des Gobius jozo erhält man lebensfähige, aus den Hüllen schlüpfende, wenn auch etwas schwächliche Bastardembryonen, ein Zeichen dafür, dass in diesem Fall zwischen den väterlichen und mütterlichen Kernidioplasmen nur geringfügige Unterschiede bestehen. Trotzdem starben bei der reziproken Kreuzung, bei Benutzung der erheblich grösseren Eier von Gobius capito, alle Embryonen frühzeitig ab. Hier kann es, wie im speziellen Teil näher ausgeführt ist, keinem Zweifel unterliegen, dass die im zweiten Fall vorhandene, vergleichsweise enorme Dottermenge des Eies von (sobius capito für das schlechte Entwicklungsresultat verantwortlich gemacht werden muss. Der Bastardembryo (Fig. 3), der eine mittlere Grösse zwischen den Elternindividuen (Fig. 2 und 4) einzunehmen strebt, kann die für seinen Bedarf viel zu grosse Dottermenge nicht bewältigen, die Herzaktion versagt, und der Embryo stirbt ab. Ein ähnliches Verhalten haben Newman und Bancroft bei den reziproken Kreuzungen zweier Fundulusarten mit verschieden grossen Eiern beobachtet; hier entwickelten sich gleichfalls die Bastardembryonen. die von den voluminöseren Eiern stammten, viel schlechter als die- jenigen aus den kleineren Eiern, wenn auch in diesem Fall die Grössenuntersehiede der Eier nicht so beträchtlich wie bei unseren

Gobiiden waren, und infolgedessen das Entwicklungsresultat der Archiv f.mikr. Anat. Bd.$4. Abt. II. 6

82 Günther und Paula Hertwie:

reziproken Kreuzungen sich nicht so verschieden wie in unseren Experimenten gestaltete.

Es dürfte sicherlich von Interesse sein. noch andere nahe verwandte Arten mit verschieden grossen Eiern (z. B. Labriden) miteinander zu Kreuzen und festzustellen, ob auch hier eine durch den verschiedenen Dottergehalt der Eier verursachte, gestörte Reziprozität des Entwicklungsprozesses sich nachweisen lässt. Überhaupt wird uns das genauere Studium ausgedehnterer, syste- matisch durchgeführter Artbastardierungen sicher noch manchen Einblick in die Beziehungen zwischen Kern. Plasma und Eidotter und die Bedeutung dieser verschiedenen Zellsubstanzen für den Entwicklungsprozess gewähren.

Es ist gerade im letzten Jahr im Anschluss an die Ergebnisse gewisser Artbastardierungen von A. Schreiner, Goldschmidt und R. Hertwig die Meinung geäussert worden, dass die Kerne nicht allein die Arteigenschaften übertrügen. sondern dass auch das Protoplasma hierbei eine wichtige, vielleicht sogar ausschlag- gebende Rolle spiele. Die Kerne bestimmten möglicherweise nur die individuellen Merkmale. So sagt Goldschmidt: „Die An- lagen werden von den ganzen Geschlechtszellen vererbt, ja vielleicht vorzugsweise oder ganz im Plasma. Aber die „Ausführungs- ursachen* im Sinne Rouxs, die Stoffe, die die Vollendung des (regebenen bedingen, wir können direkt sagen „die Hormone der definitiven Gestaltung werden von den Chromosomen getragen“. Wir glauben nicht, dass wir durch die experimentellen Tatsachen zu diesen Schlussfolgerungen genötigt werden, und halten nach wie vor an der Lehre OÖ. Hertwigs und Strasburgers fest, dass der Kern allein Träger des Idioplasma ist.

Wir geben zu. dass, wie namentlich R. Hert wig hervorhebt, aus den Ergebnissen von Kreuzungsversuchen nahe verwandter Spezies streng genommen nur der Schluss zu ziehen ist, dass die beiden Gameten in bezug auf die Übertragung der individuellen Potenzen, der Spezialmerkmale, äquivalent sind. Richtig ist ferner, dass dem reifen Ei. namentlich für den Ablauf der ersten Ent- wicklungsvorgänge, ein höherer Wert zukommt als dem Samenfaden. Es ist schon von O. Hertwig in seiner Schrift über die Kern- fragen der Entwicklungs- und Vererbungslehre ausdrücklich bei Be-

Kreuzungsversuche an Knochenfischen. 85

sprechung der Theorie der organbildenden Substanzen betont worden, dass die reife Eizelle durch den spezifischen Bau ihres Protoplasma, durch die Menge und die Verteilung der in ihr angesammelten Dottersubstanzen den Ablauf der ersten Entwicklungsvorgänge stärker beeinflusst als der Samenfaden. Unsere Artkreuzungs- versuche zeigen. dass es tatsächlich, wie man erwarten konnte, namentlich die frühen Entwicklungsstadien sind, die besonders deutlich den Einfluss der Eistruktur erkennen lassen. Doch macht der Vergleich gewisser ausgewachsener Artbastarde, wie z. B. von Maulesel und Maultier, oder einiger Schmetterlingsbastarde den Schluss wahrscheinlich, dass auch die Unterschiede, die in ihrem Bau vorhanden sind, auf das an ihrem Aufbau beteiligte Eiplasma zurückzuführen sind. Wie dieser noch so spät wahrnehmbare Einfluss des Eiplasma zu erklären ist, können wir im einzelnen nicht sagen: es sei jedoch darauf hingewiesen, dass gewisse sehr charakteristische Eigenschaften der ausgewachsenen Individuen schon frühzeitig in dem Bau der Eizelle ihren Ausdruck gefunden haben. Ob eine Schnecke zu einer rechts oder links gewundenen wird, ist schon in der Plasmastruktur des reifen Eies festgelegt; der Samenfaden kann auf diese Eigenschaft keinen Einfluss mehr ausüben.

Alle diese Tatsachen lassen sich jedoch mit der Kern- idioplasmatheorie in gute Übereinstimmung bringen. Das reife Ei hat hier während der ganzen Zeit seiner Entwicklung von der Ureizelle an unter dem Einfluss des rein mütterlichen Idioplasma gestanden; erst mit dem Moment der Befruchtung wird auch dem väterlichen Idioplasma Gelegenheit gegeben, auch seinerseits dem neuen Individuum seine Eigenschaften aufzuprägen. Wir erblicken daher in der Tatsache, dass dem reifen Ei eine gewisse höhere Wertigkeit bei der Übertragung der elterlichen Eigenschaften zukommt als dem Samenfaden, keinen entscheidenden Einwurf gegen die Richtigkeit der Kernidioplasmatheorie. Ein solcher lässt sich unserer Meinung nach überhaupt nicht aus dem Ver- gleich der ersten Generation reziproker Artbastarde herleiten. Erst dann würden wir eine Mitbeteiligung des Protoplasma an der Übertragung der Arteigenschaften als erwiesen ansehen können, wenn die F>-Generationen reziproker Artbastarde, als Ganzes be- trachtet. ebenfalls noch deutliche Unterschiede aufwiesen. Erst aus dieser Beobachtung würde sich der Schluss ziehen lassen,

6%

Ss4 Günther und Paula Hertwig:

dass die (Geschlechtszellen der beiden Fı-Generationen trotz identischer Kernzusammensetzung einander nicht gleich wären, dass sich also tatsächlich die Verschiedenheiten des Protoplasma auch auf die Greschlechtszellen des neuen Individuums vererbt hätten. Leider steht die Sterilität der meisten Artbastarde der Ausführung derartiger Experimente hindernd im Wege. Kreuzungs- versuche, die Wichler neuerdings mit den beiden Nelkenarten Dianthus Armeria und Dianthus deltoides anstellte, führten zu dem Ergebnis, dass die Nachkommen der reziproken Kreuzungen, also die Fı-Generationen, in der Grösse voneinander abwichen, dass jedoch die Fs-Generationen der beiden reziproken Kreuzungen, als Ganzes betrachtet, nicht voneinander verschieden waren. Jedoch ist es möglich, dass in diesem Fall die (rössenunterschiede der Fı-(Generation nicht auf plasmatischen Differenzen der Eizellen, sondern nur, wie Wichler für möglich hält, auf der verschiedenen Ernährung der Samen durch die jeweilige Mutterpflanze beruhen. Es wäre zu wünschen, dass bald weitere beweiskräftigere Experi- mente in dieser Richtung angestellt würden.

Wenngleich also nach den Resultaten der Artkreuzung die Möglichkeit zuzugeben ist, dass auch das Protoplasma sich an der Übertragung der Artmerkmale mitbeteiligt, so fehlt doch für diese Annahme noch jeder positive Beweis. Wir vermögen daher den Experimenten über Artbastardierung für die Entscheidung der Frage nach der Lokalisation des Idioplasma keine so grosse Bedeutung zuzuschreiben; zumal da andere Beobachtungen, die bei einer so schwierigen Frage doch nicht ausser acht gelassen werden sollten, den Kern bei der Vererbung eine viel wichtigere Rolle spielen lassen, als es nach den allein auf die Ergebnisse der Artkreuzungen gestützten Anschauungen von Goldschmidt, R. Hertwig und A. Schreiner scheinen könnte. Durch die Radiumversuche von O. und G. Hertwig und ebenso durch die zahlreichen Bastardkombinationen, bei denen das Bastardprodukt auf dem Keimblasenstadium abstirbt, ist bewiesen worden, dass der väterliche Kern nicht nur die individuellen, meist erst auf späten Entwicklungsstadien zutage tretenden Merkmale überträgt, sondern auch schon auf so frühe und grundlegende Prozesse wie den Gastrulationsvorgang einen bestimmenden Einfluss ausübt. Es werden also, wie Häcker bei Besprechung der Versuchs- resultate von 0. Hertwig sagt, auch Erscheinungen mehr

Kreuzungsversuche an Knochenfischen 55 genereller Art durch den Kern beherrscht und kontrolliert. Auch die Zerlegung der Kernsubstanzen in gleichwertige Hälften durch den Prozess der Karyokinese lässt sich ferner, um nur einen wichtigen Punkt noch zu nennen, als Argument für die Richtig- keit der Kernidioplasmatheorie anführen. Wäre tatsächlich auch das Protoplasma Träger der Arteigenschaften, so müssten wir verlangen, dass ein der Karyokinese analoger Prozess eine gleich- mässige Verteilung von undifferenziertem, für die Art charakteristischem Plasma von der Eizelle auf die Geschlechts- zellen des neuen Individuums bewirkte.

Somit können wir die Lehre von O. Hertwig und Stras- burger, dass das Idioplasma von Nägeli in den Kernsubstanzen lokalisiert ist, mit den Worten Boveris noch immer als eine Theorie bezeichnen: „die eine Reihe gewichtiger Tatsachen für sich und bis jetzt noch keine einzige gegen sich hat“.

S6 Günther und Paula Hertwig:

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88 Günther und Paula Hertwig: Kreuzungsversuche etc. Erklärung der Abbildungen auf Tafel V.

Die Herstellung der Fig. 1—10 erfolgte so, dass von den Embryonen mikro-

photographische Aufnahmen angefertigt wurden, und auf den Kopien derselben

noch die feineren Details mit Tusche und Bleistift eingezeichnet wurden.

Die Fig. 12—17 wurden nach überzeichneten Photogrammen von Schnitt-

präparaten angefertigt. Die Fig. 11 und 18 wurden mit Hilfe des Abbe- schen Zeichenapparates gezeichnet.

Die Fig. 1—4 sind 30 mal, die Fig. 5—11 sind 50 mal vergrössert.

Fig. 1. Bastardlarve von Gobius jozo 2 X Gobius capito d. 9 Tage alt.

Fig. 2. Reiner Gobius jozo-Embryo als Kontrolle zu Fig. 1, 9 Tage alt.

Fig. 3. Bastardlarve vop Gobius capito 2 X Gobius jozo d, 9 Tage alt.

Fig. 4. Zu Fig. 3 gehöriger Kontrollembryo einer reinen Gobius capito- Zucht, 9 Tage alt.

Fig. 5. Bastardembryo von Crenilabrus pavo 2 x Smaris alcedo &,

2 Tage alt.

Fig. 6. Bastardembryo von Crenilabrus pavo @ x Box boops d, 2 Tage alt. Dient gleichzeitig als Kontrolle zu Fig. 5, da sich der Bastard- embryo bis auf die Pigmentbildung nicht von 2 Tage alten reinen Urenilabrus pavo-Larven unterscheidet.

Fig. 7 und 8. Zwei Bastardembryonen von Crenilabrus pavo 2 X Smaris alcedo &. 3 Tage alt.

Fig. 9. Zu Fig. 7 und 8 gehöriger Kontrollembryo einer reinen Crenilabrus pavo-Zucht, 3 Tage alt.

Fig. 10. Unregelmässig geturchtes Bastardei von Crenilabrus pavo @ x Smaris alcedo Z, 6°, Stunden nach der Befruchtung.

Fig. 11. Bastardembryo von Gobius jozo @ X Crenilabrus pavo &, 2 Tag alt.

Fig. 12. Schnitt durch die Keimscheibe eines Bastardeies von Crenilabrus pavo 2 X Smaris alcedo d, Stunden nach der Befruchtung. Vergrösserung: 250 fach.

Fig. 13. Schnitt durch ein Ei der Crenilabrus pavo 2 x Smaris alcedo Kreuzung zur Zeit der „Faltenkranz“-Bildung. 1 Stunde 10 Minuten nach der Befruchtung. Vergrösserung: 250 fach.

Fig. 14. Doppelspindel (erste Furchungsspindel) aus einem Ei der Crenilabrus pavo ® x Smaris alcedo & Kreuzung. 55 Miruten nach der Be- fruchtung. 800 mal vergrössert.

Fig. 15 und 16. Pluripolare Mitosen aus Schnitten durch die Crenilabrus pavo 2 x Smaris alcedo & Eier, 6°/ı Stunden nach der Befruchtung. S00O mal vergrössert. -

Fig. 17. Schnitt durch die Blastula eines Crenilabrus pavo @ x Gobius capito & Bastards, 24 Stunden alt. Vergrösserung: 800 fach.

Fig. 18. Drei Kerne aus einer Fig. 12 entsprechenden Keimscheibe, bei Zeiss’ Linse D, Tubuslänge 160, Okular 4 in der Höhe des Öbjekttisches gezeichnet. .

59

Die Plastochondrien in dem sich teilenden Ei von Ascaris megalocephala. Von Friedrich Meves in Kiel.

Hierzu Tafel VI und VII.

Untersuchungsmethode.

In einer früheren Arbeit (1911) habe ich das Verhalten der Plastochondrien bei der Befruchtung des Ascariseies mit Hilfe der Altmannschen Methode bis gegen den Ablauf der zweiten Reifungsteilung verfolgt. Über diesen Zeitpunkt war ich damals nicht hinausgegangen, weil das Interesse, welches ich an dem (regenstand nahm, damit vorläufig erschöpft war und, weil es mir nicht geglückt war, die späteren Entwicklungsstadien der Eier auf die gleiche Weise wie die jüngeren gut zu fixieren.

In die Sicherheit und Zuverlässigkeit der zum Nachweis der Plastosomen dienenden Methoden dürfen wir bekanntlich grosses Vertrauen setzen, sobald es uns gelungen ist, das Fixierungsmittel unmittelbar auf die Zelle einwirken zu lassen. Wir kennen zahlreiche Fälle, in denen Körner oder Fäden, welche in lebenden Zellen sichtbar sind, durch diese Methoden naturgetreu dargestellt werden können. Daraus ergibt sich auf dem Wege des Analogieschlusses, dass die gleichen Strukturen, welche man auf gleiche Weise bei anderen Objekten erhält, bei denen man sie intra vitam nicht wahrnehmen kann, ebenfalls vital präformiert sein müssen.') Es ist nun aber bekannt, dass

!) Arnold (Anat. Anz., Bd. 43, 1913, S. 459 Anm.) spricht von meiner „Vorstellung von der infallibeln Leistungsfähigkeit der Mitochondrienmethoden, die einer Kontrolle durch andere Methoden nicht bedarf“. Ich wüsste aller- dings nicht, was dies für Kontrollmethoden sein sollten. Die von Arnold benutzten Methoden der Mazeration und der sogenannten vitalen Färbung erscheinen mir für diesen Zweck jedenfalls ungeeignet. Über die Mazerationsmethode brauche ich wohl keine Worte zu verlieren; was aber die Methode der sogenannten vitalen Färbung anlangt, so behaupte ich auf Grund meiner Erfahrungen, dass sie für die Untersuchung der Protoplasma- struktur einstweilen nur mit der grössten Vorsicht zu verwenden ist. Die Körnchen und kurzen körnigen Fädchen, welche man auf diese Weise

90 Friedrich Meves:

die Plastosomen bei grösseren Objekten nur in einer schmalen peripheren Zone gut fixiert werden. welche am stärksten der Einwirkung des Reagens ausgesetzt war. Bei den Ascariseiern bildet die Schale, welche besonders vom Ende der zweiten reifungsteilung an ausserordentlich resistent geworden ist, ein Hindernis, welches dem Herandringen des Fixierungsmittels die grössten Schwierigkeiten bereitet. Selbst wenn man die Eier durch Zerzupfen in Altmannschem Gemisch isoliert hat, werden sie von dem genannten Stadium an erst nach Ablauf einiger Zeit abgetötet und kommen auch dann zunächst jedenfalls nur mit einer ganz minimalen Menge des Reagens in Berührung.

Ich habe daher, schon in den Jahren 1910— 1911. ein zu- erst von Artom (1908 in einer Mitteilung aus dem Würzburger Zoologischen Institut) empfohlenes Verfahren angewandt, welches gestattet, auch die dick beschalten Eier von Ascaris mit dem Altmannschen Gemisch momentan zu fixieren. Es besteht darin. die im Uterus enthaltenen lebenden Eier, nachdem sie das ge- wünschte Stadium erreicht haben, mit einem Kohlensäure- (refriermikrotom zu schneiden und sie dann in die Fixierungs- tlüssigkeit zu bringen.

Durch die Kälte wird eine Schädigung der beschalten Eier nicht bedingt. Boveri (1885, S. 14) hat schon darauf hin- gewiesen, dass auf die reifenden, bei der Körpertemperatur des Wirtes sich entwickelnden Eier die Abkühlung pathologisch wirkt, dass dagegen „für die sich furchenden Eier, die zu dieser Zeit den Körper des Wirtes in der Regel schon verlassen haben, niedere Temperatur keine Schädlichkeit ist“. Artom hat be- erhält, stellen nach meiner Überzeugung in der Mehrzahl der Fälle Aus- scheidungen dar, welche die „vitalen Farbstoffe“ mit Bestandteilen des Protoplasmas erzeugen (man vergleiche hierzu Meves: (resammelte Studien an den roten Blutkörperchen der Amphibien, Arch. f. mikr. Anat., Bd. 77, 1911, S. 497: ferner schon früher W. Pfeffer: Uber Aufnahme von Anilin- farben in lebende Zellen, Untersuchungen aus dem Botanischen Institut zu Tübingen, Bd. 2, Leipzig 1886—-1888 und verschiedene andere). Die so- genannte vitale Färbung bedarf bei ihrer Anwendung auf das Studium der Protoplasmastruktur in viel höherem Grade als die Plastosomenmethoden der fortgesetzten Kontrolle durch das ungefärbte lebende Objekt. Dies würde mein Standpunkt bleiben, selbst wenn er, wie Arnold (übrigens unzutreffend) meint, „alle überraschen“ sollte, die sich ausser mir mit der

„Methode der vitalen Färbung“ in der genannten Anwendung beschäftigt haben.

Die Plastochondrien in dem sich teilenden Ei ete. 91

schalte Ascariseier, die er auf Ü abgekühlt hatte und .die untersten auf dem Objekttisch angetrorenen Eier nach ‘dem Zurückbringen in normale Temperatur sich ungestört weiter entwickeln sehen.“

Für die Untersuchung kommen (Artom) nur solche Eier in Betracht, bei denen die Schale ohne jede Deformation des Inhalts durchschnitten oder auch nur angeschnitten wird. Nach Artom ist es „nicht einmal nötig, dass ein wirkliches Loch entsteht, sondern es scheint zu genügen, wenn nur die äussersten Schichten der Schale, welche offenbar die allein widerstands- fähigen sind, angeschnitten werden“. Dagegen sind wirklich zer- schnittene Eier, wie Artom bereits konstatiert, „in ihren feineren Strukturen sehr erheblich geschädigt“.

Artom empfiehlt daher, die Schnitte nicht zu dünn herzu- stellen; eine Dicke von 30 « hat sich ihm am besten bewährt. Da nun aber der Durchmesser der beschalten Eier nach meinen Messungen!) ca. 70—75 u, die Schalendicke ca. 7 «, der Durch- messer der protoplasmatischen Eikugel kurz vor Eintritt der Furchung noch ca. 40 u beträgt, so ergibt sich daraus, dass, wenn die Eikugel nicht angeschnitten werden soll. eine Schnittdicke von 30 «u noch viel zu gering ist. Ich habe daher meine Gefrier- mikrotomschnitte meistens 60 u dick (teilweise sogar noch dicker) hergestellt.

Das geschnittene Material wurde noch in gefrorenem Zu- stand in das Altmannsche Gemisch übertragen, 24 Stunden darin belassen und dann in der früher von mir beschriebenen Weise (1911, S. 687) weiterbehandelt und in Paraffin eingebettet; bei der Einbettung kamen wiederum Gelatinehülsen mit bestem Erfolg zur Verwendung.

Die 4 «u dicken Paraffinschnitte wurden nach Rubaschkin (1910) zuerst in eine !/ı proz. Lösung von Kalium hypermanganicum und hinterher in ein Gemisch von gleichen Teilen einer 1proz. Lösung von Oxalsäure und einer gleichfalls 1proz. Lösung von Kalium sulfurosum hineingebracht, wobei der Aufenthalt in jeder der beiden Flüssigkeiten, wie auch Levi (1912) empfiehlt. auf

!) Die Messungen habe ich an den Altmann-Präparaten vorgenommen, welche ich für diese Arbeit hergestellt habe. Es war mir leider wegen Mangels an Material in letzter Zeit nicht mehr möglich, die erhaltenen Zahlen, wie ich beabsichtigt hatte, am lebenden Objekt zu kontrollieren.

92 Friedrich Meves:

ca. 4 Minuten bemessen wurde. Dann wurde nach der 1911, S. 685— 689 angegebenen Vorschrift mit Säurefuchsin-Pikrinsäure nach Altmann gefärbt.

Eigene Beobachtungen.

Wie ich früher (1911, S. 694 ft.) beschrieben habe, ziehen sich die Plastochondrien des Ascariseies im Laufe der. ersten wichtungsteilung zu einem dichten kugeligen Hof um das im Eizentrum gelegene Spermium zusammen. Die männlichen Plasto- chondrien wandern, nachdem sie sich zerlegt haben, aus dem Sperminm aus und vermischen sich mit den weiblichen. Der Protoplasmakörper des Spermiums besteht nunmehr ausschliesslich aus „Grundsubstanz“.

Nachdem auch der zweite Richtungskörper ausgestossen ist. beginnt der Spermakern in den bläschenförmigen Zustand über- zugehen. wobei er aus der ihn umgebenden Grundsubstanzhülle herausschlüpft. Gleichzeitig wandert er aus der Anhäufung von Plastochondrien aus und kommt schliesslich unter der Zellober- fläche zu liegen.) Ebendort ist der Eikern nach Ablauf der zweiten Richtungsteilung (an einer dem zweiten Richtungskörper benachbarten Stelle) entstanden. Die protoplasmatische Eikugel hat bis zu diesem Zeitpunkt. besonders bei der Bildung der inneren Perivitellinhülle, stark an Volumen verloren, so dass ihr Durchmesser nur noch etwa zwei Drittel bis ein halb so gross wie früher ist. Im Protoplasma sind an meinen Präparaten ausser den Plastochondrien noch zweierlei Bestandteile, grössere helle Vakuolen und Dotterkörperchen, erkennbar (Fig. 1).

Die Dotterkörperchen sind die corpuscules refringents von VanbBeneden, das sind nach seiner Beschreibung (18853, S. 50) Klümpchen von punktförmigen Granulis, die durch einen Kitt von annähernd derselben Lichtbrechung wie die Granula selbst ver- klebt werden. Nach Van Beneden werden diese corpuseules refringents durch Osmiumsäure nicht geschwärzt. An den Präpa- raten, welche ich für die vorliegende Arbeit hergestellt habe, ist

!, In den Präparaten, welche ich für meine erste Ascarisarbeit (1911) benutzt habe, konnte ich nicht selten beobachten, dass der Spermakern seine Wanderung schon früher (während der zweiten Richtungsteilung) antrat, noch bevor er sich von seiner Grundsubstanzhülle getrennt hatte; anf solche Bilder bezog sich meine frühere Schilderung (1911, 5. 699).

Die Plastochondrien in dem sich teilenden Ei ete. 5

dagegen bei den meisten Eiern (in allen gezeichneten. mit Aus- nahme von Fig. 4) eine Schwärzung eingetreten. Diese ist aller- dings zuweilen nur sehr schwach. Ist sie ganz ausgeblieben, so kann man von den in Rede stehenden Körperchen nichts wahrnehmen : sie erscheinen dann infolge der Aufhellung durch den Kanadabalsam als leere Bläschen nach Art der vorhin erwähnten Vakuolen.

In der Folge verliert nun die grosse zentrale Plastochondrien- anhäufung mehr und mehr ihre deutliche Abgrenzung. Ihre Körner verteilen sich ziemlich gleichmässig durch den ganzen Zelleib (Fig. 2).

Auf einem weiteren Stadium beginnt dann im Zentrum der Zelle von neuem eine kleine Körneransammlung hervorzutreten, neben welcher die beiden Vorkerne zu liegen kommen (Fig. 3). Diese Ansammlung streckt sich aber, bevor sie noch grössere Dimensionen angenommen hat, hantelförmig in die Länge und teilt sich in zwei kugelige Massen durch. Im Innern einer jeden Kugel erkennt man nunmehr ein Zentralkörperchen oder ein Zentrosom (Fig. 4). Zentrosomen und Plastochondrienkugeln weichen immer weiter auseinander, wobei beide an Grösse zu- nehmen und zwar die Plastochondrienkugeln dadurch, dass sich neue Körnchen an ihrer Peripherie anlagern. Es bleiben aber noch immer eine grosse Anzahl von Plastochondrien im Zelleib verteilt (Fig. 5). Die Zentrosomen liegen auf diesem Stadium gewöhnlich nicht genau im Zentrum der Plastochondrienkugeln. sondern der Mitte zwischen ihnen, der zukünftigen Äquatorial- ebene der Spindel, genähert. Die Vorkerne nehmen meistens die in Fig. 5 abgebildete Lage ein, d. h. sie haben sich bis zur Be- rührung genähert; die Verbindungslinie ihrer Mittelpunkte steht zu derjenigen der Zentrosomen senkrecht.

Auf dem sich anschliessenden Stadium (Fig. 6) sind die Membranen der beiden Vorkerne geschwunden. Die nächstfolgende Fig. 7 zeigt die erste Furchungsspindel auf der Höhe der Aus- bildung. Die Plastochondrienkugeln haben sich meistens noch etwas, wenn auch nur wenig, vergrössert; dagegen haben sich in der Regel zahlreichere Körnchen in ihrer Umgebung angesammelt.

Die von den Zentrosomen ausgehenden Strahlungen, welche jedenfalls schon auf dem Stadium der Fig. 5 vorhanden sind, lassen sich an den mit Altmannschem Gemisch fixierten Präpa- raten nicht wahrnehmen. Trotzdem trage ich kein Bedenken, als

94 Friedrich Meves:

meine bestimmte Meinung auszusprechen, dass die Plastochondrien zwischen diesen Strahlen gelegen sind, indem ich darauf ver- weise, dass wir zahlreiche Fälle kennen, in denen die Plasto- chondrien bezw. Plastokonten den Bereich der Polstrahlung über- haupt gänzlich freilassen.')

Dass die Plastochondrien in nächster Umgebung der Zentro- somen stärker angehäuft sind, beruht wohl darauf, dass sie einer Anziehung von seiten der Zentrosomen unterliegen. Die Be- zeichnung Attraktionssphäre, welche Van Beneden seinerzeit (1883, S. 332) für die an den Spindelpolen liegenden Bildungen vorgeschlagen hat, erscheint mir daher durchaus angebracht. Die Plastochondrien sind besonders im Bereich der Attraktionssphären mehr oder weniger deutlich radiär zu den Zentralkörperchen oder Zentrosomen angeordnet, weil sie sich in bezug auf ihre Lagerung nach dem Verlauf der Polstrahlen richten müssen.

Die Verteilung und Anordnung, welche die Plastochondrien des Ascariseies auf dem Stadium der „Äquatorialplatte“ zeigen, hat ein hübsches Analogon in derjenigen der Farbstoffkörner in pigmentierten Epithelzellen der Salamanderlarve. Flemming beobachtete schon 1582 (S. 199), dass: die in diesen Zellen ent- haltenen Pigmentkörner bei der Teilung „zu zwei Gruppen zu- sammengeschoben werden, die ungefähr zu den Polen zentriert sind“; „nur ist es niemals die gesamte Pigmentkörnermasse, welche in diese Gruppen zusammenrückt, es bleibt immer ein Teil verstreut auch im Mittelteil der Zelle gelagert“.

Im Laufe der Metakinese beginnt nun das Zentrosom, wie Kostanecki und Siedlecki, v. Erlanger, Boveri schon früher beschrieben haben, sich zu einem Kegel umzuformen, dessen Achse in die Richtung der Teilungsachse fällt (oberes Zentrosom in Fig. 8): die Spitze des Kegels ist gegen den Äquator gerichtet. Die Kegelachse verkürzt sich in der Folge, und zwar immer stärker, so dass das Zentrosom schliesslich Scheibenform annimmt (Fig. 9). Diese Abplattung des Zentrosoms geht mit einer solchen der Attraktionssphäre einher.

(Gleichzeitig mit dieser Abplattung, kurz vordem oder während das Ei sich durchschnürt, spielt sich im Zelleib folgende Er-

!) Auch im Ascarisei ist zur Zeit der Zelldurchschnürung (vergl. unten) ein Teil der Polstrahlung, nämlich derjenige, welcher gegen die Pole der sich teilenden Zelle gerichtet ist. von Plastochondrien fast völlig geräumt.

Die Plastochondrien in dem sich teilenden Ei ete, 5

scheinung ab. Fast sämtliche Plastochondrien, soweit sie nicht in den Attraktionssphären anscheinend fester verankert liegen, die grösseren hellen Vakuolen und die Dotterkörperchen drängen sich in der Zellmitte zu beiden Seiten der Äquatorialebene zu- sammen, während die polaren Teile der Eizelle von den genannten Bestandteilen fast völlig frei werden (Fig. 9). Die gleiche Ver- teilung besteht anfangs auch noch in den Tochterzellen. in welchen die Attraktionssphären sich wieder abkugeln (Fig. 10 und 11).

Fig. 12 zeigt zwei Tochterzellen, welche bereits von neuem in Mitose eingetreten sind; die Anordnung der Plastochondrien und sonstigen Zelleinschlüsse ist dieselbe wie auf den entsprechenden Stadien der ersten Teilung.

Literatur.

Van Beneden, der Entdecker der Attraktionssphären, hat (ebenso wie die Mehrzahl der bisherigen Untersucher) zur Fixierung der dick beschalten Eier starke Säuren oder stark säurehaltige Mittel angewandt. Er beschreibt 1553, S. 332, dass an den Spindel- polen im Umkreis der Polkörperchen ein morphologisch distinkter kugeliger Körper vorhanden sei, welcher homogener erscheint als der umgebende Dotter und von einem Kreis achromatischer Körner begrenzt wird, die mit dem im Zentrum gelegenen Pol- körperchen durch sehr feine Fäden in Verbindung stehen. In der Arbeit von Van Beneden und Neyt (1857, S. 264) wird eine hellere Mark- und eine Rindenzone der Attraktionssphäre unter- schieden. Im Bereich der Markzone, welche von einem Kreis von gröberen Körnchen begrenzt wird, sind die radıären Fäden wenig deutlich und wenig zahlreich. Die Fäden der Rindenzone kon- vergieren nicht genau gegen das Zentrum der Sphäre, sondern häufig gehen zwei oder mehrere von ihnen von einem der gröberen Körnchen aus, welche an der Grenze zwischen Mark- und Rinden- zone gelegen sind.

Ausser den hier beschriebenen Präparaten, in denen die Plastochondrien offenbar verquollen oder gelöst gewesen sind.') haben Van Beneden und Neyt noch andere in Händen gehabt, an denen ein körniger Bau der Attraktionssphären zu beobachten

') Das Auftreten einer „Markzone“ (die an meinen Präparaten nur sehr andeutungsweise vorhanden ist) beruht wohl auf einer Schrumpfung der Zentralkörperchen.

96 Friedrich Meves:

war; jedoch glauben sie von diesem irrtümlicherweise, dass er auf Reagentienwirkung beruht. Es hat sich nach ihnen um Eier gehandelt, die mit reinem Eisessig abgetötet waren; jedoch dürften die Eier meines Erachtens der Einwirkung desselben wohl nur ganz kurze Zeit ausgesetzt gewesen sein. Die bezügliche Beschreibung (1887, S. 267) lautet folgendermassen: „L’acide parait gonfler les microsomes et resoudre les fibrilles en granulations qui n’etant plus reliees entre elles, ne permettent plus de reconnaitre les tibrilles dont elles proviennent. Tandis que le corpuscule central des spheres attractives reste parfaitement distinct, les rayons qui en partent deviennent indistinets. A la place de la sphere attractive A structure rayonnee, se voit alors une masse uni- formöment granuleuse, entourant le corpuscule central. Cette masse, gräce A cet aspeet uniformement granuleux, se detache nettement au milien du protoplasme vitellin qui presente un tout autre aspect.“

Van Beneden und Neyt stellen weiter fest, dass die Attraktionssphären gleichzeitig auftreten, und zwar zu einem Zeitpunkt, wo die Vorkerne noch einen netzigen Bau zeigen und noch weit voneinander entfernt sind; dass sie während des ganzen Verlaufs der Zellteilung persistieren und sich im Beginn der nächsten Teilung in zwei Tochtersphären teilen. Aus diesen Befunden ziehen die belgischen Autoren (S. 279) folgenden Schluss: „Nous sommes autorises A penser que la sphere attractive avec son eorpuseule central eonstitue un organe permanent, non seule- ment pour les premiers blastomeres, mais pour toute cellule; qu’elle constitue un organe de la cellule au meme titre que le noyau lui-m&me; que tout corpuscule central derive d’un corpus- eule anterieur: que toute sphere procede d’une sphere anterieure, et que la division de la sphere precede celle du noyau cellu- laire.”

Diese Sätze haben bekanntlich in ihren wesentlichen Punkten der weiteren Forschung keinen Stand gehalten. Aus den hier mitgeteilten Beobachtungen geht ebenfalls hervor, dass die Attraktionssphäre jedenfalls kein Organ bildet; ihre Körner be- stehen zwar aus einer spezifischen Substanz, welche von einer Zelle auf die andere übergeht, finden sich aber überall im Zelleib verteilt. Von den Zentralkörperchen (den Zentrosomen Boveris) habe ich 1902, S. 46-54, zeigen können. dass sie nicht als

Die Plastochondrien in dem sich teilenden Ei etc. 97

„permanente Organe“ aufzufassen sind. Dies ist vielmehr eine

Bezeichnung, welche nur für die von ihnen umschlossenen [oP)

Zentriolen Geltung haben kann.

Boveri (1585) hat in seiner Pikrinessigsäure ein Mittel mit relativ geringem Essiggehalt zur Verfügung gehabt, welches die Plastochondrien des Ascariseies unter Umständen recht gut zu konservieren scheint. Mit Hilfe dieser Fixierungsmethode hat er feststellen können, dass auf den Anfangsstadien der Teilung in der Umgebung der Zentralkörperchen oder Zentrosomen dichte Anhäufungen von Körnern vorhanden sind. Von den Körnern hat er erkannt, dass sie aus einer spezifischen Substanz bestehen, welche er als Archoplasma bezeichnet, und dass sie mit denjenigen des Hofes, welcher während der Richtungskörperbildung das Spermium umgibt, identisch sind. Den Ursprung der die Zentro- somen umgebenden Körneranhäufungen, der „Archoplasmakugeln“, leitet Boveri von diesem Hof in folgender Weise ab. Der Hof, beschreibt er, kann von dem Moment, wo das Spermium die Mitte desselben verlässt und gegen die Eioberfläche emporsteigt, bis zum Beginn der ersten Furchungsteilung ein sehr verschiedenes Verhalten zeigen. In einer Anzahl seiner Präparate sah Boveri ihn bis zu diesem Zeitpunkt unverändert fortbestehen. In weit zahlreicheren Fällen dagegen breiten sich seine Körner in dem ganzen Eikörper aus, um sich hinterher gegen das Zentrum des Eies wiederum zu einer kompakten Masse zusammenzuziehen. Diese Eier sind dann von jenen anderen, in denen das Archo- plasma die kompakte Form überhaupt nicht aufgegeben hatte, nicht mehr zu unterscheiden. In der Mitte der Archoplasmamasse konnte Boveri nunmehr ein oder zwei von einem hellen Hof umgebene und durch stärkeres Lichtbrechungsvermögen ausge- zeichnete Zentrosomen auffinden. Die weiteren Umbildungen lassen sich nach Boveri mit kurzen Worten dahin zusammenfassen, dass sich die beiden Zentrosomen immer mehr voneinander entfernen, wobei das Archoplasma, in gleicher Richtung sich streckend, zuerst Ei-, dann Hantelform annimmt und sich schliess- lich zu zwei gleich grossen Kugeln, jede mit einem Zentrosom im Mittelpunkt, durchschnürt.

Zu diesem Abschnitt der Boverischen Darstellung habe

ich zu bemerken, dass ich ebensowenig wie Herla (1895, S. 469) Archiv f. mikr. Anat. Bd.S4. Abt. II. 7

95 Friedrich Meves:

und v. Erlanger (1597, S. 341) ein Präparat gesehen habe, in welchem die körnige Masse, welche das Spermium umgab, bis zum Beginn der ersten Furchungsteilung unverändert fortbestand. Ich finde vielmehr, dass die Plastochondrien sich zunächst stets durch die ganze Zelle verbreiten. Ferner ist es stets nur ein kleiner Teil von ihnen, welcher sich gleich darauf in der Um- gebung des an meinen Präparaten nicht sichtbaren (vielleicht noch ungeteilten, eventuell schon doppelten) Zytozentrums an- sammelt.

Immerhin stimme ich also Boveri gegen Herla und v. Erlanger darin bei, dass im Beginn der ersten Furchungs- teilung eine Körneransammlung überhaupt auftritt: sie entspricht jedoch keineswegs, wie man nach der Schilderung von Boveri annehmen muss, dem ganzen Hof, welcher in der Umgebung des Spermiums versammelt war. Selbst dann, wenn die beiden Körner- kugeln (Attraktionssphären) das Maximum ihrer Ausbildung er- reicht haben, ist eine jede von ihnen noch lange nicht der Hälfte der Körnermasse gleich, welche das Spermium zur Zeit der Richtungskörperbildung umgab; die Mehrzahl der Plastochondrien sind vielmehr im Zelleib verstreut geblieben.

Während Boveri mit dem eben referierten Teil seiner Beschreibung sowohl gegenüber Van Beneden als auch gegen- über der Kritik, welche später von verschiedenen Seiten daran geübt worden ist, in mehrfacher Beziehung recht hat, muss seine weitere Darstellung, nach welcher die Körner der Archoplasma- kugeln sich direkt in die von den Zentrosomen ausgehenden Strahlen umwandeln, auch nach meiner Meinung als unzutretfend bezeichnet werden. Nachdem die beiden Archoplasmakugeln aus- einander gerückt sind, treten sie, wie Boveri schildert, „unter beträchtlicher Veränderung ihrer Struktur“ in Tätigkeit. Die ersten Anzeichen davon geben sich darin zu erkennen, dass die einzelnen Körner, die sich bisher in keiner besonderen Weise gruppieren liessen. nunmehr .eine deutlich radiäre Anordnung um ihr Zentrosoma gewinnen. Die auf diese Weise entstandenen Körnerradien gehen an ihren peripheren Enden in feine Fädchen über, welche frei in die Zellsubstanz hinausragen und immer mehr an Länge und Stärke zunehmen. Boveri (S. 79 und 80) stellt sich vor, dass die in radialer Richtung aufeinander folgenden Mikrosomen der ursprünglichen Kugel miteinander durch feine

Die Plastochondrien in dem sich teilenden Ei ete. 99

Fibrillen in Verbindung treten, „wodurch ein kontinuierlicher Faden entsteht, an dem jetzt die Körnchen als Anschwellungen imponieren. Die Verlängerung des Fadens geschieht dadurch, dass zuerst die peripher gelegenen Mikrosomen sich voneinander entfernen, wobei der zwischen ihnen gelegene Fadenabschnitt an Länge entsprechend gewinnt, während die Körner selbst, auf deren Kosten dieses Wachstum sich vollzieht, immer mehr an Volumen abnehmen und schliesslich vollkommen in den gleich- mässig starken Faden aufgehen. Je weiter ein Radius in die Zellsubstanz hinausreicht, um so mehr Mikrosomen werden zu seiner Bildung in Mitleidenschaft gezogen, ja selbst die zentralsten Körner können ... . . die fädige Metamorphose erfahren.“

Um diese seine Anschauung zu stützen, beruft sich Boveri (S. 79) in erster Linie auf die Struktur der fädigen Radien, welche diese Art ihrer Entstehung wahrscheinlich mache. „So- lange die Fädchen noch kurz sind, zeigen sie sich von Strecke zu Strecke deutlich zu Körnchen ganz von der Art der Archo- plasmamikrosomen angeschwollen. Verfolgt man einen solchen Faden zentralwärts, so ist die Grenze unmöglich anzugeben, wo er in den körnigen Radius der kompakten Kugel übergeht. Weiterhin ist die von den radialen Fädchen umgebene Körnchen- kugel kleiner als die ursprüngliche Archoplasmamasse und ihr Umfang tritt gegen jenen um so mehr zurück, je stärker das fädige hadiensystem entwickelt und je weiter dasselbe in der Zelle ausgebreitet ist.“

(regen diese von Boveri entwickelte Anschauung ist unter anderem einzuwenden. erstens, dass die Attraktionssphären oder Archoplasmakugeln sich im Laufe der Mitose nicht verkleinern (vgl. auch Herla, Kostanecki und Siedlecki, v.Erlanger), sondern eher an Grösse zunehmen; ferner, dass die Plastochon- drien nicht in den Strahlen, sondern zwischen ihnen gelegen sind. Wenn Boveri eine Verkleinerung der Archoplasmakugeln beobachtet hat, so könnte dies, wie Herla (1595, S. 472 und 473) meint. darauf beruhen. dass die Konservierung seiner Präparate keine genügende gewesen ist. Ich selbst habe aber in meinen nach Altmann fixierten und gefärbten Präparaten einige Fälle gefunden, in denen die Plastochondrienkugeln auf dem Stadium der „Aquatorialplatte“ tatsächlich nur sehr klein waren. Jedoch schien mir die Gesamtzahl der in der Zelle vorhandenen Plasto-

1*

100 Friedrich Meves:

chondrien nicht verringert zu sein. Ich habe mir daher den erwähnten Befund durch die Annahme zu erklären gesucht, dass die Anziehung, welche die Zytozentren auf die Körner, ausüben, vorübergehend nachgelassen habe.

Wenn mir demnach auch eine direkte Umwandlung der Plastochondrien in die von den Zentrosomen ausgehenden Strahlen ausgeschlossen erscheint, so will ich damit die Möglichkeit nicht bestreiten, dass überhaupt eine genetische Beziehung irgendwelcher Art zwischen Plastochondrien und Strahlen besteht. Ich habe schon 1907 (S. 405). zu einer Zeit, wo ich von der Identität der Archoplasmakörner des Ascariseies mit Plastochondrien noch nichts wusste, die Vermutung ausgesprochen, dass die Strahlungen, welche in ruhenden und sich teilenden Zellen von den Zytozentren aus- gehen, sowie auch andere Fadenstrukturen, welche sich uns (wie ich damals sagte) als „gewöhnliche Filarmasse“ darstellen, nur eine andere Erscheinungsform der Chondriosomen (Plastosomen) oder des Chondrioms seien. „Das Chondriom könnte sich in gewöhnliche Filarmasse (und eventuell umgekehrt) umwandeln.“ „Dieser Gedanke“, schrieb ich, „scheint mir naheliegend, erstens, weil aus dem Chondriom nachweislich Fasern hervorgehen, wie z. B. die Nenrofibrillen, die die Färbungsreaktionen desselben nieht mehr geben: zweitens, weil ich es für möglich halte, dass in vielen Zellarten überhaupt alle Plasmastruktur des Ruhe- zustandes durch das Chondriom repräsentiert wird“.

Schliesslich sei auch hier wieder (wie schon 1911, S. 702) darauf hingewiesen, dass die Boverische Bezeichnung des Archo- plasmas als einer je nach dem Entwicklungszustand körnigen oder fädigen Substanz sich in einem anderen Sinne, als Boveri ihn gemeint hat, aufrecht erhalten lässt: „insofern nämlich, als die- selbe Materie, aus welcher die Körner in den Ovozyten geformt sind. in den Zellen der Wachstumsperiode, wie schon L. und R. Zoja (1891, 8. 246) angeben, lange, vielfach gewundene und verschlungene Fäden bildet“. Es handelt sich hierbei um die in der Plastosomenforschung wohlbekannte Erscheinung, dass die plastosomatische Substanz bald in Form von Körnern (Plasto- chondrien), bald in derjenigen von Fäden (Plastokonten) auftritt.

Herla. ein Schüler Van Benedens (1595), hat ebenso- wenig wie ich jemals beobachtet, dass die körnige Masse, welche

Die Plastochondrien in dem sich teilenden Ei ete. 101

das Spermium während der Richtungskörperbildung umgibt. bis zum Auftreten der Attraktionssphären (Archoplasmakugeln) per- sistiert. Er ist aber im Unrecht, wenn er gegenüber Boveri bestreitet (S. 470 und 507), dass diese beiden Bildungen von einer und derselben Substanz aufgebaut werden. Die Frage nach dem Ursprung der Sphären betrachtet er als noch nicht gelöst. Er beschreibt sie als morphologisch distinkte Bildungen, welche sich gegen ihre Umgebung deutlich abgrenzen.

Die Anschauung Boveris, dass die Strahlungen sich auf Kosten der Archoplasmakugeln bilden, lehnt er mit dem Hinweis ab, dass die Sphären während des ganzen Verlaufes der Teilung persistieren. „Nous estimons que si Boveri a vu les limites de la sphere disparaitre au moment ou les radiations de l’aster se montrent, cela est a la methode de preparation.“

soveri (1895) hält diesem und anderen Angriffen gegen- über die Darstellung. welche er 1558 von der Metamorphose der Archoplasmakugeln gegeben hatte, in sämtlichen Punkten auf- recht. Er erklärt S. 39, dass er glaube, Schritt für Schritt den Nachweis geführt zu haben, dass die radiären Systeme sich aus den nicht radiär gebauten Körnerkugeln entwickeln und wieder in solche zurückkehren. Während er aber 1555 noch der Meinung zu sein scheint, dass die Archoplasmakugeln im Lauf der Mitose an Grösse zwar beträchtlich verlieren, in der Regel aber doch nicht restlos umgewandelt werden, spricht er sich 1895 dahin aus, dass er niemals an dem „Aster“ etwas habe wahrnehmen können, was die Abgrenzung einer sphere attractive, welche doch seiner Archoplasmakugel genau entspricht, gerechtfertigt hätte. Van Beneden habe 1884 die längst bekannten Asteren, die vor allem von Mark 1881 für Limax in vorzüglicher Weise be- schrieben worden seien, an höchst mangelhaften Präparaten von Ascariseiern wie seine Abbildungen auf Tafel XIX lehrten studiert, an Präparaten, wo die während der Karyokinese mächtigen und weit ausgebreiteten Strahlenfiguren fast gänzlich unkenntlich waren und nur der dichteste zentrale Teil derselben, in seiner radialen Struktur gleichfalls stark verdorben, sich als ein grösserer oder kleinerer, mehr oder weniger scharf begrenzter kugeliger Fleck darstellte. Diesen verdorbenen Zentralteil des Aster habe Van Beneden damals als „sphere attractive“ bezeichnet und

102 Friedrich Meves:

damit einen Gegensatz zwischen dem inneren und äusseren Bereich der Strahlensonne statuiert. der in der Natur nicht